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TV-Serien und ihre Soundtracks

14. Februar 2013 • Musik1 Kommentar zu TV-Serien und ihre Soundtracks

Dawson’s Creek, The OC und Co.

Zu jeder guten Serie gehört der passende Soundtrack, der uns dann noch jahrelang im Kopf herumschwirrt und bei jeder Wiedergabe Erinnerungen an unsere liebsten Serien und Protagonisten triggert.

 

Dawson’s Creek

Die Serie

Bei Dawson’s Creek haben 15-jährige, die ihrem Alter nach eigentlich obszön und betrunken und vorlaut und unbekümmert hätten sein sollen, immer geredet wie 22-jährige Pseudo-Intellektuelle, die aus ihren Poesie-Stammbüchern vorlesen. Schwermütige Lebensweisheiten von Hauptfigur und Steven Spielberg-Fanatiker Dawson Leery (der Protagonist und dennoch Uncoolste der ganzen Clique, wahrscheinlich Republikaner und somit das Äquivalent zu Brandon Walsh in Beverly Hills 90210. Der die ganze Zeit von „wahrer Liebe“ und „Seelenverwandschaft“ schwadronierte. Und der am Ende so karrieregeil war, dass er Joey Potter mit dem eh weitaus cooleren Pacey Wither ziehen ließ). Am Schluß brachten sie das volle Programm, Tod, Hochzeit, Trennung, Baby. Man hat sich nichts gespart, und Dawson sagt am Telefon zu Joey und Pacey, die mittlerweile in New York wohnen weil Capeside und der Creek unerträglich sind für Leute über 14, dass er jetzt Spielberg treffen wird.

Der Soundtrack

Dawson’s Creek hatte auf alle Fälle einen sehr guten Musical Supervisor. Während vergleichbare Soaps früherer Jahre immer sehr porno-hafte 90er Jahre Konservenmusik mit Funksaxophonen und funky E-Gitarren-Licks hatten (ganz schlimm und in seiner Abscheulichkeit dennoch völlig super waren natürlich Beverly Hills 90210 und Melrose Place). Bei Dawson’s Creek regierte über weite Strecken so was wie Songwriter-Pop – manchmal wurde es schon Zuckerwattenzahnweh-süß und manchmal rutschte auch Übles hinein – über weite Strecken war der Soundtrack aber richtig in Ordnung: Pete Yorn, Shawn Mullins, Nine Days. Eben übersentimentale Songs für übersentimentale Teenager – nichts desto trotz aber ein durchaus erträgliches Musikprogramm.

 

The OC

Die Serie

Im völlig biederen Orange County in Kalifornien lebt die liberale Patchwork-Familie Cohen, mit Übervater und Rechtsanwalt Sandy Cohen, seiner Frau Kirsten (die irgendwann mal zur Schnapsdrossel wird, sich aber wieder einkriegt), dem nerdigen Sohn Seth (der als Indie-Freak und Comic-Geek weder so richtig Freunde noch Mädchen abbekommt) und dem von der Straße ins Haus gebrachten Ryan Atwood, dem harten Jungen, der Seth cool macht. Waren Dawson, Joey, Pacey & Co noch Reliquien der 90er-Ethik, herübergebracht ins neue Millenium, waren Seth, Ryan, Melissa, Sandy & Co das Epitom der frühen 2000er Jahre. Und sogar Mischa Barton war damals noch erträglich, aber die haben sie ja in der Serie dann irgendwann sterben lassen. Woraufhin Ryan dann Vollkontakt-Kämpfer in einer obskuren Spelunke wurde, ehe Sandy Cohen ihn wieder rausholte. In Wirklichkeit waren sie alle sicher höllisch froh, dass Mischa Barton weg war.

Der Soundtrack

Alkaline Trio, Death Cab For Cutie, Aqualung, Beck, Black Rebel Motorcycle Club, Ben Harper, I am Kloot, Guster, Dandy Warhols et cetera – nicht nur dass OC einen großartigen Soundtrack hatte, auch spielten oft Bands in der Serie mit, unter anderem spielten die Killers, die damals noch ihr erstes Album draußen hatten, im Club in der Nachbarschaft. Vielleicht eine der Serien mit dem besten Soundtrack. Ach ja, und Phantom Planet als Titelsong haben ist auch nie ein Fehler.

 

Californication

Die Serie

Ein Schriftsteller mit Rock-Star Attitüde, einem Hang zu Dionysischem sowie dem einen oder anderen Problem mit der Monogamie benennt alle seine Romane wie Slayer-Alben, hasst deren Verfilmungen und bekämpft seinen writer’s block mit Hochprozentigem und außerehelichen Vögeleien. Der Charakter, Hank Moody, basiert auf Charles Bukowskis alter ego Hank Chinaski. Californication – nach einer furchtbar schwachen dritten Staffel mittlerweile wieder zur alten Form wieder findend – ist obszön, irrwitzig, manchmal tragisch und oft klug – über weiteste Strecken jedenfalls wird der Pop-Referenzialität gefrönt: ich sage nur Whiskey, Weed und Warren Zevon.

Der Soundtrack

Bestens: von 60er Jahre Rock’n’Roll bis zu Rob Zombie, von Warren Zevon bis zu Nick Cave – wenn es in einer Serie so dermaßen um Rock’n’Roll geht wie bei Californication und so viel referenziell gearbeitet wird, ist es schon klar, dass der Soundtrack in eine gewisse Richtung gehen wird. Alleine aus den Bands, die Hank Moody so zitiert (von Dylan bis Zevon über die Stones et cetera) kann man schon großartige Compilations basteln.

 

7th Heaven

Die Serie

Eine gespenstisch konservative Pastorenfamilie, die ihre Kinder glauben macht, dass der Geschlechtsakt bis zur Eheschließung zwischen Mann und Frau Teufelswerk ist, erleben Tag für Tag Abenteuer mit moralinsaurem Mehrwert. Ein grausiges Disney-Land für Fundamentalistenszenarien, ein religiöses Dystopia, eine Familie, in der es kein normaler Mensch ohne diverse Eskapismusmechaniken aushalten würde. Kein Wunder, dass ihnen in der Serie Mary irgendwann wegläuft. Eine Höchstleistung von jedwedem Schauspieler-Personal jedenfalls: jemanden wie Eric Camden darzustellen – man muss entweder völlig durch den Wind sein oder ein großer Mime.

Der Soundtrack

Vom Titellied angefangen bis zum O.S.T., den es auf Amazon zu erwerben gibt: hier regiert der Herr, und das in Jungschar-Popmusikgewand.

 

Scrubs

Die Serie

Völlig großartige, mit wunderbaren Charakteren bedachte Krankenhaus-Comedy. Dr. Cox, Dr. Kelso, der großartige Janitor (aka Jan Itor aka Rotinaj), Dr. Beardfacé, Dr. Seltzer und natürlich Turk, Eliott und J.D.: acht Staffeln lang bedeutete Scrubs pure Großartigkeit in Serienform – von „My Musical“, in der nur gesungen wurde, über „His Story“ aus der Sicht von Dr. Cox – tragischere Folgen (wie dem Tod von Ben oder den missglückten Organtransplantationen, nach denen Cox sich in ein Whiskeykoma zu trinken gedenkt) über Obskuritäten (ungeschlagen Neil Finn als Janitor): bei Scrubs war jede Folge sehenswert. Die neunte Staffel, Scrubs Med School, war als Spin-Off (wäre sie so tituliert worden) nicht schlecht gewesen, konnte aber nicht wirklich mithalten und wurde eingestellt.

Der Soundtrack

Wo Zach Braff mitwirkt, ist gute Musik garantiert. Für Garden State hat der Gute ja einen Grammy für die beste Compilation gewonnen; bei Scrubs sorgte er unter anderem dafür, dass sein Freund Colin Hay (früher bei Men At Work) Gastauftritte hatte und seine genialen Songs in die Handlung integriert wurden. Durch und durch großartiger Soundtrack.

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  1. musikbaron sagt:

    sopranos
    bitte nicht die sopranos vergessen 🙂 !

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