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Todestag: Loriot

13. August 2013 • Film / TV

Abschied von Loriot

Der Großmeister des Humors ist vor zwei Jahren im Alter von 87 Jahren verstorben.

Bekannt wurde Loriot in den 50er Jahren als Cartoonist – seine kleinen Männchen mit der Knollennase kennt auch heute noch jedes Kind. Die damalige Resonanz auf seine gezeichneten Sketche waren aber nicht immer durchwegs positiv. Die für den stern produzierte Reihe „Auf den Hund gekommen“, in der ein elegant gekleideter Mann in Anzug und Hut von seinem Hund gassi geführt wird und an jedem Baum sein Bein hebt, war insbesondere der Kirche ein Dorn im Auge. Nach heftigen Protesten aus klerikalen Kreisen, gab der Chefredakteur schließlich nach und stellte die Serie ein.

 

Misslungene zwischenmenschliche Kommunikation

Das Lieblingsthema seiner Cartoons sind Situationen, die eine gestörte Kommunikation zum Inhalt haben. Meist handelt es sich dabei um Missverständnisse, die durch völlig übertriebene Höflichkeit der Gesprächspartner – meist Mann und Frau – entstehen. Auch der Kontrast zwischen Text und dargestellter Situation, ist wiederkehrendes Thema. Beispielsweise der Text „Wir fordern die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, auch wenn der Säugling dabei vorübergehend an Gewicht verlieren sollte“ im Zusammenspiel mit der Darstellung eines sich distinguiert ein Kleinkind an die Brust legenden, knollennasigen Herren.

 

Erste Karriereschritte im TV

Ab 1967 moderierte Loriot erst die Fernsehsenung Cartoon im ARD, die er auch als Autor und Co-Regisseur mitgestaltete. Bereits nach wenigen Folgen wurde seine Moderation zunehmend selbst zum humoristischen Element der Sendung. Mit der Integration von eigenen Zeichentrickfilmen und seiner Parodien auf bekannte TV-Stars, sprengte er die ihm bis dato auferlegten engen künstlerischen Grenzen.

 

Zeichentrick-Hund Wum

Für die ZDF-Show Drei Mal Neun schuf Loriot 1971 den Zeichentrick-Hund Wum als Maskottchen für die Aktion Sorgenkind. Zunächst war Wum, dessen Stimme von Loriot gesprochen wurde, nur der treue Begleiter des Knollnasen-Männchens, bis er ihm schließlich mehr und mehr die Show stahl und ihn schlussendlich ganz verdrängte. Mit dem Song „Ich wünsch‘ mir ’ne kleine Mietzekatze“ wurde Wum zu Weihnachten 1972 zum Popstar – ganze neun Wochen hielt sich das Lied an der Spitze der deutschen Hitparade.

 

„Bitte sagen Sie jetzt nichts…“

Mitte der 70er Jahre erreichte er den Höhepunkt seines Fernsehschaffens. In Zusammenarbeit mit seiner kongenialen Sketch-Partnerin Evelyn Hamann, die 2007 nach kurzer schwerer Krankheit 65jährig verstarb, spielte er eine Vielzahl an Sketchen (etwa die Serie Loriot I-VI, Erstaustrahlung 1976-79, ARD), in denen er meist selbst als ungemein wandlungsfähig auffiel. Auch heute noch gelten diese Loriot-Sketche als legendär und vermutlich gibt es nur wenig Personen, die keine dieser komischen Kurzgeschichten gesehen haben.

 

Kinoerfolge

Erfolge auf der Leinwand erzielte Loriot auch mit seinen Filmen Ödipussi (1988) und Papa ante Portas (1991), in denen auch wieder Evelyn Hamann in der weiblichen Hauptrolle mitspielte. Auf die Frage, warum die Filme nur in Deutschland ausgestrahlt und erfolgreich wurden, erklärte Loriot einmal: „weil sie ganz auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten sind, auf das deutsche bürgerliche Verhalten. Das trifft eigentlich auf alles zu, was ich gemacht habe, weil mich das immer am meisten interessiert hat.“

 

Umfassendes künstlerisches Verständnis

Zeit seines Lebens verfolgte der Meister des feinsinnigen Humors das Ziel, dem Publikum Bildende Kunst, Musik und Literatur mit Humor und Ironie zu vermitteln. Zu genannten Bereichen verband ihn eine besondere Liebe: 1982 dirigierte er das humoristische Festkonzert zum 100. Geburtstag der Berliner Philharmoniker, mit dem Scharoun Ensemble führte Loriot wiederholt seine Erzählfassung vom Karneval der Tiere auf. Und auch als Regisseur feierte Loriot Erfolge mit der Inszenierung der Opern Martha (Stuttgart) und Der Freischütz (Ludwigsburg).

Rückblickend war es ein guter Einfall, den einprägsamen Namen des Pirols (franz. Loriot) aus dem Familienwappen als Künstlernamen zu verwenden. Das kurze Pseudonym taugte jedenfalls weit besser für eine Karriere als Humorist als der Taufname Bernhard Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow.

 

Wir danken dem großen Humoristen für viele Stunden komischer Unterhaltung!
(BP)

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