Veranstaltungen – Festival

this human world 2016 (c) STADTBEKANNT Kerschbaumer
this human world 2016 (c) STADTBEKANNT Kerschbaumer

this human world 2016

2. Dezember 2016 • Festival, Film / TV

Eröffnung this human world 2016

Am 1. Dezember ging „this human world“ in seine neunte Ausgabe. Gezeigt wurde „houses without doors“ – eine Dokumentation von Avo Kaprealian, der im syrischen Aleppo vom Balkon aus aktuelle Geschehnisse filmte. Mehr dazu und das Programm gibt es hier.

 

Widerständen zum Trotz

Im Jahr 2011 kehrte der syrische Filmemacher Avo Kaprealian in seine Heimat Aleppo zurück. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einige Demonstrationen, Volksbewegungen aber noch keine. Kaprealian begann Szenen aus dem täglichen Leben der Bewohner Aleppos aus einem Auto zu filmen. Da Gefängnis, Folter und manchmal sogar Mord Resultat solcher Aufnahmen sein konnten, gestaltete sich das Filmen bald zunehmend schwieriger. Kaprealian nahm dennoch kurze Clips auf – seine Inhaftierung, die Zerstörung der Harddisk und damit auch aller filmischen Erinnerungen folgten tatsächlich. Kaprealian begann erneut: filmte nun seine Familie in der eigenen Wohnung, die Nachbarn, vom Balkon aus die Straße und gibt damit Einblicke in den familiären Alltag zwischen Kämpfen auf den Straßen Aleppos, ohne dabei aber Gewalt zu zeigen.

 

„houses without doors“: experimentell, sperrig und unbequem

Als experimentell, sperrig und unbequem wird das Werk Kaprealians beschrieben. Und das findet durchaus Berechtigung. Die Vermischung aktueller Geschehnisse mit Archivmaterial des armenischen Völkermords und dem surrealen Western „El topo“ lässt Szenen wenig fließend aufeinander folgen. Auch die zeitliche Orientierung fällt beim Zusehen schwer. Die völlig andere Art Geschehnisse wie diese zu filmen, ist nun eben experimentell wie ungewöhnlich. So sieht man Menschen dabei zu, wie sie von ihrem Balkon Rauchschwaden von Bomben beobachten und hier genauso, scheinbar gelassen, die Zeitung lesen. Der Film wirkt dadurch fast schon surreal und schafft dennoch auf ungeschönte, echte Weise Bewusstsein über die Lebensumstände so vieler Menschen. Schon dafür verdient er entsprechende Aufmerksamkeit.

this human world 2016 (c) STADTBEKANNT Kerschbaumer

this human world 2016 (c) STADTBEKANNT

Facts und Programm 2016 – 114 Filme in 11 Tagen

Von 1. bis 11. Dezember bietet das this human world Filmproduktionen, Podiumsdiskussionen, Workshops und ein breites Rahmenprogramm – die filmische, künstlerische und diskursive Auseinandersetzung mit Menschenrechten und gesellschaftspolitischen Themen ist dabei im Fokus. Gezeigt werden Filme aus verschiedenen Sparten. So zum Beispiel aus „cinema & human rights“ – Perspektiven und Geschichten von flüchtenden Menschen, die in einem fremden Land neu anfangen, sind dabei Thema. Unter „erinnern / vergessen“ präsentiert this human world wiederum Filme, die den Umgang mit Erinnerung, Vergessen, Verbrechen und Völkermord auf individueller und struktureller Ebene zum Inhalt haben. Über Auseinandersetzung von System und Individuum, systematische Menschenrechtsverletzungen und die Rolle institutioneller Einrichtungen handeln die Produktionen der Sparte „institutions“.

 

this human world
1. – 11. Dezember 2016
Veranstaltungen können in verschiedenen Kinos und Locations der Stadt besucht werden.
Das genaue Programm und Tickets gibt es auf www.thishumanworld.com.
Bestimmt auch einen Blick wert sind die Veranstaltungen der täglichen Nightline des Festivals.

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