Kultur – Bühne

Nora (c) Marc Lins
Nora (c) Marc Lins

Theatertipp: Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft

24. März 2015 • Bühne

Grelles Licht, bissiger Wortwitz, intensives Schauspiel und ungeschönte Wahrheiten erwarten den Zuseher nach Ostern im WERK X.

 

Elfriede Jelineks frühes Drama und freie Fortschreibung von Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“ geht mit der feministischen Emanzipation hart ins Gericht und lässt dem Publikum in der Inszenierung von Ali M. Abdullah kaum Zeit sich zwischen den wahnsinnig intensiv gespielten Szenen zu erholen. Rollenbilder werden aufgegriffen, verformt, neu definiert und in einem emanzipatorischen Dauerrausch auf der Bühne ausgelebt.

 

Zwischen Sadomaso und Komik

Das Ensemble liefert eine eindrucksvolle Performance ab, speziell die heftige Sadomaso-Szene bleibt stark in Erinnerung und lässt einem den Schauer über den Rücken laufen. Dennis Cubic und Marc Fischer überzeugen als patriarchale und kapitalistische Klischeebilder eines Mannes und sorgen im Laufe des Abends für einige lautstarke Lacher. Als schräg-schöner Sidekick bringt das Duo „Wir haben uns lieb bis eine heult“ (Verena Dürr und Ulla Rauter) die Geschichte rund um Nora musikalisch auf den Punkt.

 

Die theatralische Wundertüte

Nach 90 Minuten wundern, entsetzen, staunen, ärgern und lachen, verlässt man nachdenkend das Theater. Erfahren bürgerlich-feudale Werte und Rollenmuster in unserer Gesellschaft eine Renaissance? Unterwirft sich vor allem das weibliche Subjekt weiterhin archaischen Rollenbildern?

 

Diese Antworten können wir leider nicht liefern, aber den Besuch von „Was geschah…“ können wir auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Ein Abend mit viel Charme und Witz, der einen nur schwer kalt lässt.

 

Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft
9., 10., 23. und 25. April 2015, 19:30 Uhr
WERK X

WERK X

Oswaldgasse 35A
1120 Wien

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