Kultur – Bühne

Töchter des Jihad (c) Mark Mosman
Töchter des Jihad (c) Mark Mosman

Theatertipp: Töchter des Jihad

2. Mai 2016 • Bühne

Töchter des Jihad im KosmosTheater

Jihad, Hijra, Niqab: Im Glauben an eine politische und religiöse Utopie ziehen junge Frauen in das Kriegsgebiet des Islamischen Staates, um als Frau eines IS-Kämpfers ein gottesfürchtiges Leben zu führen. Aber was sind ihre Motive? Warum wenden sich junge Frauen extremistischen Ideologien zu? Warum verzichten sie auf die Freiheiten des Westens? Und was hat das mit dem Islam zu tun, wenn es mit dem Islam zu tun hat?

 

Ein szenisch-dokumentarischer Bilderbogen über Kinder, Küche, Kalaschnikoff und das Leben im IS.

Regisseurin Barbara Herold hat sich diesem Thema gestellt und mit „Töchter des Jihad“ ein Stück für die Bühne entwickelt. Sorgfältig recherchiertes dokumentarisches Material dient ihr dafür als szenische Grundlage: Herold verwendet Auszüge aus Blogs, Ratgebern und Facebook-Einträgen von jungen Jihadistinnen. Diese werden gegengeschnitten mit Texten aus der Elternperspektive, journalistischen Sequenzen und Erläuterungen zur islamischen Religion. In collagierter Form werden so die Etappen der ideologischen Indoktrination und das Leben im IS beleuchtet und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet.

 

„Mutiger Löwe mit Kampferfahrung sucht rehäugige Schönheit für ein gottesfürchtiges Leben im Kalifat.“

Bereits mehrere tausend junge Menschen aus Europa haben den Weg nach Syrien angetreten. Etwa fünfzehn Prozent davon sind weiblich. Frauen und Mädchen zwischen 13 und 27 Jahren haben sich zur Hijra, der Auswanderung vom Gebiet der Ungläubigen in den Herrschaftsbereich des Islam, entschlossen um Teil einer neuen multi-ethnischen Gesellschaft zu sein. Dass sich auch Frauen einem asketischen Islamismus verschreiben und sich den Terroristen anschließen, ist ein großer Propagandaerfolg des IS. Für die jungen Frauen selbst bedeutet es Empowerment und die größtmögliche Provokation gegenüber Familie und Gesellschaft: Burka ist der neue Punk.

 

Aufklärung, Sensibilisierung und Warnung

Viele der jungen Menschen, die sich extremistischen Gruppierungen anschließen, befinden sich in einer altersspezifischen Sinn- bzw. Identitätskrise und haben Abwertung und Ausgrenzung erfahren. Auf der Suche nach Anerkennung und Gemeinschaft werden sie leicht Opfer z.B. neosalafistischer Anwerber, die durch ein simplifiziertes Weltbild rasche Lösungsansätze bieten.
Mit „Töchter des Jihad“ wollen Barbara Herold und ihr Team die Pseudo-Utopie des IS entlarven. Durch die intensive Auseinandersetzung sollen mögliche Argumente geliefert werden, um einer zunehmenden Polarisierung in der Zivilgesellschaft vorbeugen zu können.

 

Die Koproduktion des Vereins dieheroldfliri.at, dem KosmosTheater und dem Theater Reutlingen Die Tonne feierte bereits am 17. April im Alten Hallenbad Feldkirch Premiere und ist ab 4.5. im KosmosTheater in Wien zu sehen. Im Anschluss an die Vorstellung am 12.5. steht das Ensemble gemeinsam mit Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Kulturreferent der Islamischen Religionsgemeinde Wiens, für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.

 

Töchter des Jihad
Termine: 4.– 14. Mai 2016 (außer 5. Mai 2016)
Mi – Sa jeweils 20:30 Uhr
Kartenbestellung: 01 5231226
karten@kosmostheater.at
KosmoTheater

KosmosTheater

Siebensterngasse 42
1070 Wien
http://www.kosmostheater.at/

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