Kultur – Bühne

Reigen (c) Chloe Potter
Reigen (c) Chloe Potter

Theatertipp: Reigen

25. März 2016 • Bühne

Reigen im Theater WERK X

Am 10. März feierte das Stück „Reigen (the making of a post porn schnitzler)“ im WERK X Meidling Premiere. Wir waren live dabei.

„Geschrieben hab ich den ganzen Winter über nichts als eine Scenenreihe, die vollkommen undruckbar ist, … aber, nach ein paar hundert Jahren ausgegraben, einen Theil unsrer Cultur eigentümlich beleuchten würde.“ – A. Schnitzler über „Reigen“, 1897

 

Der Reigen

Ein Stück bestehend aus 10 Szenen gespielt von 10 DarstellerInnen, die einander in Paarkonstellationen begegnen (jeweils ein Mann und eine Frau) und intime Dialoge führen, die vor respektive nach dem Sex stattfinden – der Akt selbst wird dabei jedoch gänzlich ausgespart. Nach jeder Szene wird einer der Partner ausgetauscht bis in der finalen Szene der letzte Darsteller auf die erste Darstellerin trifft und sich der Reigen schließt.
Das Prinzip des schnitzlerschen Reigens ist auch im WERK X anzutreffen – schnell wird jedoch bereits beim Betreten des Raumes klar, dass die Rechnung nicht ganz aufgehen wird – 7 Damen stehen lediglich 3 Herren gegenüber.

 

Spiel mit dem eingeübten Blick auf normative Geschlechtercodes

Der Bühnenraum ist verdunkelt, im Zentrum steht leicht erhöht eine Guckkastenbühne, rechts und links davon jeweils drei Schminktische an denen die DarstellerInnen bereits Platz genommen haben und sich für ihren Auftritt herrichten. Walzerklänge und gedämpftes Licht schaffen eine schummrig-intime Atmosphäre. Das erste Paar betritt die Bühne auf der Bühne und schnell wird klar, dass alleine der Text sich am Original orientiert. Die Inszenierung nimmt keinerlei Rücksicht auf die vom Stück zugeschriebenen stereotypen Geschlechterrollen, lediglich das Stubenmädchen, die junge Frau und der Graf bewahren ihr reales Geschlecht. Doch darauf kommt es auch nicht an – vielmehr dient die Schnitzler’sche Handlung nur als Rahmen dessen, was in den Pausen zwischen den Szenen passiert.

 

Ich seh in dein Gesicht – ich erkenne es (nicht)

Schnitzlers Dialoge erzählen von Begehren und Zurückweisung, Macht und Verführung. In den Momenten, in denen die DarstellerInnen die Welt Schnitzlers verlassen und an ihre Schminktische zurückgekehrt sind, wenden Sie den Blick ans Publikum und offenbaren ihr wirkliches Selbst. Die Damen und Herren verschiedenster sexueller Orientierungen erzählen nun ihre persönlichen Geschichten über Sexualität, alternative Geschlechtsidentitäten, die Liebe abseits gesellschaftlicher Konformitäten und das Leben im Allgemeinen. Diese Erzählungen bieten dem Publikum Einblick in private Erlebnisse, Einstellungen und Lebensweisen der PerformerInnen, die sich allesamt der Queer-Szene zuschreiben. Dem aufmerksamen Zuhörer fallen einige Parallelen zu den vorher gehören Szenendialogen auf.
Auch in ihrem Äußeren nähern sich die DarstellerInnen immer mehr der Schnitzler’schen Vorlage an bis sich schließlich zum Ende hin die jeweilige Rolle im Kostüm widerspiegelt und der Schlusschor „Ich seh in dein Gesicht – ich erkenne es (nicht)“ eine doppelsinnige Erkenntnis bringt.

 

Theatertipp: Reigen
Donnerstag, 24.03.2016, 19:30 Uhr
Donnerstag, 31.03.2016, 19:30 Uhr
Freitag, 01.04.2016, 19:30 Uhr
Donnerstag, 28.04.2016, 19:30 Uhr
Freitag, 29.04.2016, 19:30 Uhr
WERK X

WERK X

Oswaldgasse 35A
1120 Wien

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