Kultur – Bühne

Regained Paradise Lost (c) Wiener Spielwut
Regained Paradise Lost (c) Wiener Spielwut

Theatertipp: Regained Paradise Lost

9. Mai 2017 • Bühne3 Kommentare zu Theatertipp: Regained Paradise Lost

Ergreifendes Theaterstück über den Faschismus

Mit der Inszenierung des Stückes „Regained Paradise Lost“ des Autors Fabio Zoccola in der Galerie „Die Schöne“ schafft das Theaterkollektiv „Wiener Spielwut“ unter der Regie von Lisa Maier ein bereits oft bearbeitetes Thema neues Leben einzuhauchen: Faschismus, in seinen unterschiedlichen Ausformungen von 1945 bis 2017, ist das Thema, sowie die (nicht stattgefundene – so die These des Stücks) Aufarbeitung der faschistischen Periode in Zentraleuropa. Text, Regie – und Bühnenbildkonzept greifen perfekt ineinander und ergänzen sich ausgezeichnet: Über fünf Bilder schafft es Wiener Spielwut ein dynamisch konzipiertes, fesselndes und mitreißendes Theaterstück zu gestalten, das bewusst aneckt und neuen Wind in ein abgearbeitetes Feld der europäischen Geschichte einbringt.

 

Im Jahre 2017 können wir erneut eine erschreckende Bilanz ziehen: In nahezu allen europäischen Ländern und weit darüber hinaus können wir ein Erstarken rechtradikaler Parteien konstatieren, und die steten Versuche einiger Demagogen, die schwer erarbeitete Demokratie subversiv zu demontieren, indem sie die tendenzielle Demokratiemüdigkeit der Menschen für sich ausnutzen. Mit dieser Radikalisierung geht ein Phänomen einher: der Diskursverlust und die Absage an das Gespräch.

Regained Paradise Lost (c) Wiener Spielwut

Regained Paradise Lost (c) Wiener Spielwut

Genau diese Problematik wird in „Regained Paradise Lost“ thematisiert. Aus einer neomarxistischen, Adorno-nahen Perspektive wird in fünf Bildern dargelegt, wieso es heutzutage für rechtsradikale Parteien möglich ist, noch immer eine derartige Wirkmächtigkeit zu entfalten und wieso Menschen sich so leicht radikalisieren lassen und ganz gezielt den Diskurs mit anderen Gruppen verweigern. Besonders interessant ist hierbei die Zyklizität der Struktur des Stückes, die aufzeigt, dass eine tatsächliche Aufarbeitung der Vergangenheit nie stattgefunden hat.

 

Mit der Inszenierung von „Regained Paradise Lost“ ist „Wiener Spielwut“ ein großartig umgesetztes, anspruchsvolles Projekt gelungen, das eine Vielzahl an komplexen Themen zur Erklärung heutiger Phänomene darlegt, zugleich aber niemals in eine Selbstzweck-Inszenierung abgleitet, sondern stets spannend und aufregend bleibt.

 
Regained Paradise Lost
Regie: Lisa Maier
Textbuch: Fabio Zoccola
Produktion von Wiener Spielwut in Zusammenarbeit mit STUTHE
12., 13. und 14. Mai 2017
jeweils um 20:00 Uhr, Einlass um 19:30 Uhr
Karten kosten ermäßigt 6,- Euro, normal 10,- Euro
Reservierungen: Facebook Page „Wiener Spielwut“
Galerie die Schöne
Kuffnergasse 7, 1160 Wien

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3 Antworten auf Theatertipp: Regained Paradise Lost – Verstecken

  1. Pauline sagt:

    Ein kleiner aber feiner Aspekt wurde bei der Beschreibung dieses ausgezeichneten Stückes ausgelassen – die musikalische Untermalung, die durch die Anpassung von Stil und Text an die jeweilige Epoche und durch die unverkennbare Stimme der jungen (und feschen) Sängerin, das Tüpfelchen auf dem i bildet.

    • Maria sagt:

      Ich fand es bezaubernd, wie so junge Menschen etwas so großartiges auf die Beine stellen konnten, immer weiter so!
      Mein Mann und ich hatten einen wunderbaren Abend!

  2. Anna sagt:

    Ich habe mir das Stück schon 3x angesehen und werde es dieses Wochenende nochmals ansehen!
    Man entdeckt immer wieder andere Feinheiten und staunt jedes Mal aufs Neue was die Gruppe von Studierenden auf die Bühne gebracht hat! Die musikalische Untermalung ist wirklich besonders schön!

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