Kultur – Bühne

Räuber (c) WERK X
Räuber (c) WERK X

Theatertipp: Räuber

16. November 2015 • Bühne

Räuber – das leben stiehlt auch nur vom tod (SCHREI SCHILLER SCHREI)

Am 5.11.2015 feierte das Stück „Räuber“ im WERK X Meidling Premiere. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht.

 

Wartesaal Europa

Hohe Sichtbetonwände, Neonröhren erhellen den Zuschauerraum mit dem Schriftzug „Embrace or Die“ und auf der beinahe leeren Bühne ist auf von der Decke herabhängenden Papierrollen ein Zitat Karl Lagerfelds zu lesen „Ich will mit Geld nichts zu tun haben.“ – Die fünf SchauspielerInnen, gekleidet in schwarze und silberne Glitzergewänder, reißen den Schriftzug herunter, werfen ihn zerknüllt in eine Ecke des Bühnenraumes und im „Black“ erklingt eine Lautsprecherdurchsage mit der ersten Sicherheitswarnung des Abends. Beinahe schon überwältigt von den zahlreichen Eindrücken sind wir gespannt, was „Räuber“ von Pedro Martins Beja in den kommenden eineinhalb Stunden noch für uns bereit hält und warten.

 

Ist das ein Hase, Franz?

Trotz seiner zeitgemäßen Neuinterpretation und modernen Inszenierung ist der schillersche Inhalt klar festzumachen: Eine Metapher für den (jugendlichen) Drang nach Rebellion und Freiheit, erzählt anhand der Grafenfamilie Moor – dem idealistischen Sohn Karl, der während seines Studentenlebens Schulden angehäuft hat und beim Vater um Vergebung bitten möchte und seinem intriganten Bruder Franz, der dies erfolgreich zu verhindern weiß, um selbst die Gunst des Vaters zu erlangen. Die Ablehnung durch den Vater treibt Karl Moor dazu Räuberhauptmann zu werden und in den böhmischen Wäldern zu brandschatzen und zu morden.

 

Brachiales Poptheater

Reichlich Theaterblut, minutenlang loderndes Feuer, Nacktszenen, Zweikampf, das alte Europa im Rollstuhl, pathetische Musik sowie Vergewaltigung und Tod – Pedro Martins Beja setzt in seiner Inszenierung auf eine sehr körperintensive und geräuschstarke Darstellungsweise. Der Konflikt zwischen Verstand und Gefühl, das Verhältnis von Gesetz und Freiheit, der Wunsch nach Rebellion, die Diskrepanz zwischen Gerechtigkeits- und Freiheitsideal finden zum Ende ihren Höhepunkt in der Europahymne und dem Wunsch „alle Menschen werden Brüder“. Auch der Bösewicht Spiegelberg bittet am Ende um Gnade und „wer wagt zu richten? Das Leben stiehlt auch nur vom Tod!“

Wir sagen: eine beeindruckende Neuinszenierung und empfehlenswert sowohl für Fans des klassischen Schillertextes, als auch die jungen Rebellen unter euch!

 

Räuber – das leben stiehlt auch nur vom tod (SCHREI SCHILLER SCHREI)
nach Friedrich Schiller – Inszenierung: Pedro Martins Beja

Weitere Termine:
Donnerstag, 19.11.2015, 19:30 Uhr, 19:00 Uhr Stückeinführung
Freitag, 27.11.2015, 19:30 Uhr
Samstag, 28.11.2015, 19:30 Uhr
Freitag 04.12.2015, 19:30 Uhr
Samstag 05.12.2015, 19:30 Uhr
WERK X

WERK X

Oswaldgasse 35A
1120 Wien

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