Kultur – Bühne

Foto: Orlando (c) Bettina Frenzel
Foto: Orlando (c) Bettina Frenzel

Theatertipp: Orlando

28. Mai 2014 • Bühne

Im Theater Scala findet dieser Tage Virginia Woolfs Roman „Orlando“ in der Adaption und Inszenierung von Marcus Ganser den Weg auf die Bühne.

Zunächst äußerst kurzweilig, im letzten Drittel ob der vielen Stationen etwas atemlos begleitet man Orlando durch seine 400 Jahre andauernde Biografie. Die ansich etwas simple lineare Erzählung verdichtet sich dabei zunehmend zu einem eindrücklichen Bild gesellschaftlicher Veränderung und sich wandelnder Geschlechterrollen.

 
Die Ironie von Geschlechterrollen

Die Bühnenfassung bleibt der Ironie und Leichtigkeit der Romanvorlage nichts schuldig. Johanna Withalm als Orlando und Johanna Rehm als Sascha sind ein wunderschönes Paar. Getragen von einem kraftvollen Männerensemble (Randolf Destaller, Christian Kainradl, Matthias Kofler) in einem ebenfalls bunten Potpourri an Rollen spielen sie mit Erwartungen und Klischees, die ständig bewusst gebrochen oder bedient werden. Besonders eindrucksvoll Hermann J. Kogler als Queen Elisabeth.

 

Das Bühnenbild von Walter Vogelweider unterstützt humorvoll das physische Gleiten von einer Figur zur nächsten und von einer Zeit in die andere. So erfährt Virginia Woolfs „Liebeserklärung“ an die Individualität des Menschen jenseits von festgeschriebenen Geschlechterrollen eine sehenswerte, dynamische Aufführung, die sich mit dem Songcontest bedingten, momentan starken wieder Aufflammen des Themas trifft.

 

Orlando
Termine: 28., 29. und 30. Mai
Theater Scala
Wiedner Hauptstraße 108, 1050 Wien

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