Kultur – Bühne

Constanze Passin (c) Yasmina Haddad
Constanze Passin (c) Yasmina Haddad

Theatertipp: Macht und Rebel

16. März 2017 • Bühne

Rebellion gegen Konsens- und Toleranzkultur

Mit der Theaterfassung von „Macht und Rebel“, dem politisch inkorrekten Roman-Schocker von Matias Faldbakken, gelingt dem WERK X ein famoses Spektakel, das auf Wiens Bühnen derzeit seinesgleichen sucht. Ali M. Abdullahs Regie schafft es spielerisch, sich die Zumutungen des Textes mit Augenzwinkern vom Leib zu halten und trotzdem die Zügel schießen zu lassen. Das Resultat: schnelles, lautes, schrilles, Action-geladenes und ziemlich versautes Theater!

 

Die Popkultur der Gegenwart liegt in Agonie. Das fetischisierte „Wogegen?“ Ihr ist schon vor längerer Zeit abhandengekommen. Auch das Ding mit der Provokation will nicht mehr wirklich funktionieren. Alles schon dagewesen – und nicht nur am Theater: Nazi-Punks, sexuelle Devianz am Rande des Strafrechts, Ego-Boosting auf Kosten so genannter „Opfer“, Konsum von allem bis zum Umfallen. Die Anti-Pose gibt’s heute als poppig aufgeladenes Gleitmittel des Globalkapitalismus im Online-Versand. Schlechte Zeiten für Rebellen also.

Ein Befund, den der norwegische Künstler und Literaturberserker Matias Faldbakken bereits um die Jahrtausendwende erhoben hat. In seiner Romantrilogie „Skandinavische Misanthropie“ bringt er deshalb alles in Stellung (auch buchstäblich!), womit sich die hegemoniale Toleranzkultur vielleicht doch noch aus der Reserve locken ließ.

In der Trilogie erstem Teil, „The Cocka Hola Company“ (österreichische Bühnenpremiere: Drama X, 2008) eröffnet eine Pornoproduktionsfirma die letzte Möglichkeit für ein entspanntes und unangepasstes Leben. Die Helden des Romans sind sexbesessen oder impotent, süchtig oder abstinent. Aber sie haben ein gemeinsames Ziel: sich der herrschenden Konsenskultur zu entziehen. „Unfun“, Teil drei der „Misanthropie“ (Garage X, 2011) ist eine moderne Gewaltgroteske, angelehnt an das Blacksploitation-Kino der 1970er. Ein Onlinezocker und „violence intellectual“ sucht sich ausgerechnet seine anarchistische Exfreundin als Opfer seiner Internetphantasien aus.

Dazwischen Faldbakkens vielleicht härtester Roman – „Macht und Rebel“: ein vor Nihilismus und obsessiver Menschenfeindlichkeit strotzender Text, der in sarkastischer Manier nur mehr das Brechen letzter verbliebener Tabus als Auflehnung gegen ein saturiertes Anything-Goes vorsieht. Seit Februar steht „Macht und Rebel“ in der Bühnenfassung von Ali M. Abdullah und Hannah Egenolf auf der Bühne des Meidlinger WERK X. Abdullah gelingt nach „The Cocka Hola Company“ und „Unfun“ auch mit dem Mittelteil der Trilogie eine fulminante Bühnenversion. Er lässt das Personal des Romans von fünf Schauspielerinnen verkörpern und entgeht damit den von Falbakken obsessiv ausgelegten Affirmationsfallen: Misogynie, Nazi-Parolen, tiefster Antisemitismus und zum Drüberstreuen ein Schuss Analpenetration mit Minderjährigen.

 

Macht und Rebel
17. März 2017
22., 27. und 28. April 2017
6. und 7. Mai 2017
2. und 3. Juni 2017
19:30 Uhr

Skandinavische Misanthropie
18. März 2017
17:00 Uhr

WERK X
Foto: Constanze Passin (c) Yasmina Haddad

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WERK X

Oswaldgasse 35A
1120 Wien

 

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