Kultur – Musik

Foto: STADTBEKANNT Mautner
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Tag 2: Die großen vier. Plus: Meeting Dave Mustaine.

27. Juni 2010 • Musik

Als es hieß, die "Großen 4" der Bay Area gingen endlich zusammen auf Tour, kam das einer musikalischen Sensation gleich. Dass sich Dave Mustaine und Metallica angenähert hätten, hat man ja desöfteren gehört, auch in der über weite Strecken sehr peinlich berührenden Metallica-Doku "Some kind of monster" gesehen. Ob man es jetzt glauben will, dass die Tour-Vereinigung von Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax jetzt wirklich eine legendäre Entscheidung aus dem Gefühl, jetzt ginge sowas endlich, oder ob es eben nur aus geschäftlichem Spürsinn (nona) geschah: es passiert nun also.

Eine detaillierte Setlist-Analyse jeder Band sei hier mal außen vor gelassen, ein genereller Eindruck hiermit präferiert. Den Anfang gemacht haben Anthrax, und die hatten mit einem sehr komischen Sound zu kämpfen, mehr noch als Paradise Lost gestern. Vor allem Scott Ian’s backing vocals waren zu laut, das ganze wieder einmal zu basslastig. Anthrax spielten quer durch ihr Schaffen, mit besonderem Augenmerk auf die Anfangstage, das ganze wurde zelebriert und vom Publikum durchaus goutiert – am Ende des Tages blieb ein mittelmäßiger Geschmack. Danach: Mustaine. Megadeth. Damals ja bei Metallica, die Geschichte ist bekannt, überall nachles- und nachsehbar. Frustration, Dämonen, trouble – aus jeder Pore merkt man das bei Mustaine’s Person und genau das macht den Megadeth-Gig so bemerkenswert: bei aller Routine ging es hier um Katharsis, um anger management und um den Tanz mit den eigenen Teufeln – musikalisch perfekt dargeboten.

Megadeth sind technisch eine Macht, spielen tight – und Mustaine: mag kein unglaublich kommunikativer Mensch sein, brilliert aber an Gesang und, vor allen Dingen, an Gitarre. Eine Stunde Megadeth, zu schnell vergangen. Danach kamen Slayer, beziehungsweise: meeting Dave Mustaine. Ein wenig warten hat er auf sich lassen, seine Kollegen hat er mitgenommen, David Ellefson hat das Treffen leider verpasst – mit Sicherheit der Sympathieträger der Band. Ellefson habe ich letztes Jahr bereits kennenlernen dürfen, da hat er mit dem All-Star Projekt "Hail" (u.a. mit Andreas Kisser von Sepultura) auf dem Maifest im Prater gespielt, diesmal hat er leider gefehlt. Mustaine war kurzangebunden, freundlich und charismatisch, leider aber sehr bald wieder weg – ein Bericht dazu an einer anderen Stelle. Danach wieder raus aus dem Backstage zu Slayer.

Diese waren anscheinend gut gelaunt, haben weitaus besser zusammengespielt als man es ihnen nachsagt in letzter Zeit – leider habe ich nur das halbe Set gesehen, da Mustaine sich ein wenig Zeit gelassen hat, spätestens nach Raining Blood aber war wieder einmal klar: nicht umsonst spricht man Slayer SLLLLLAAAAYYYYYYERRRRRRRR aus. Tolles Set! Metallica sind immer so eine Sache, und auch an diesem Abend: hier geht’s um ganz große Songs, um Meilensteine des Metals: nur leider, grooven tut das ganze nicht. Hammet schien miesgelaunt und klang völlig uninspiriert; Lars Ulrich stolperte über Tempi, und das pro Song ein paar Mal: da konnte auch Hetfields obligate Souveränität nichts daran ändern, tight ist was anderes. Energiegeladen war es definitiv, die Feuerwerke ein wenig gar populistisch, die Ansagen sehr pathetisch – und man hätte es nach "Enter Sandman", bei allem Respekt vor dem abschließenden "Seek And Destroy" – wirklich gut sein lassen können: auch wenn Hetfield vom "historical moment" sprach und von der Metallica-Familie, hier wurde einfach etwas runtergespult und das zu offensichtlich – und genau hier waren Megadeth einfach der Act des Tages.

Subjektives Fazit von Metallica: eher enttäuschend. Ein schöner Festivaltag war es, von Metallica hätte ich mir mehr erwartet, von Megadeth war ich positiv überrascht – soweit mein erster Eindruck. Morgen geht’s weiter mit Stone Sour, Alice in Chains und, endlich wieder, Rammstein – einen detaillierteren Bericht wird es mit Sicherheit bald geben – soweit mein Eindruck unmittelbar nach dem Festival. (Markus Brandstetter)

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