Wien – Gut zu wissen

Staatsvertrag Gedenkmünze

Österreich ist frei!

3. Mai 2013 • Gut zu wissen

Wie war das genau mit ,,Österreich ist frei“? 

Es war vor allem ganz anders. Denn die zwei vielleicht wichtigsten Momente der Fernsehgeschichte in der Zweiten Republik sind gleichermaßen identitätsstiftend wie falsch überliefert.

Der eine datiert vom 15. Mai 1955. Nach Weltkrieg und zehn Jahren Besatzung erlangte Österreich endlich Unabhängigkeit, wurde ein souveräner Staat. Schon die Geschichten, die sich um die Entstehung dieses Momentes ranken, zeigen seine Bedeutung: Julius Raab, bis heute gerne als „Staatsvertragskanzler“ bezeichnet, soll gleich nach dem Tod Stalins mit der österreichischen Delegation nach Moskau gereist sein und die Russen zu ihrer Zustimmung überredet haben. Am Vorabend der Unterzeichnung in Wien habe er dann den sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow mit Zithermusik betört, während der trinkfeste Außenminister Leopold Figl quasi im Trinkspiel die Streichung des Hinweises auf Österreichs Kriegsmitschuld aus der Präambel erwirkt habe. Figl soll Raab ins Ohr geflüstert haben: „Raab – jetzt noch d’Reblaus, dann sans waach!“ Ob die sowjetische Delegation wirklich wegen der „Reblaus“, dem berühmten Heurigenlied, „weich wurde“, ist nicht bewiesen, die Passage wurde jedenfalls aus dem Staatsvertrag gestrichen.

Bewiesen ist hingegen, dass die Unterzeichnung des „Staatsvertrages, betreffend die Wiederherstellung eines unabhängigen und demokratischen Österreichs“ im Schloss Belvedere anders abgelaufen ist, als alle glauben: Nachdem die Außenminister der Besatzungsmächte – Molotow (Sowjetunion), Harold Macmillan (Großbritannien), John Foster Dulles (USA) und Antoine Pinay (Frankreich) – sowie deren Hochkommissare den Vertrag unterschrieben hatten, schloss Figl seine Dankesrede im Marmorsaal mit den spontanen, im Protokoll nicht vorgesehenen Worten „Österreich ist frei!“. Da aber die Wochenschau in ihrem Beitrag zeigte, wie Figl den Vertrag auf dem Balkon dem Volk präsentiert und diese Stelle mit besagtem Satz untermalt ist, glaubt nahezu jeder, dass er ihn vom Balkon ins Volk gerufen hat. Hat er nicht.

Mindestens genauso wichtig wie die wiedererlangte Freiheit ist, dass Österreich im WM-Fußballspiel 1978 in Cordoba Deutschland 3:2 geschlagen hat. Dieser Geburtsmoment ewigen Stolzes ist untrennbar mit der Stimme des Sportreporters Edi Finger verbunden, der bei Hans Krankls Siegestreffer „Tor, Tor, Tor! I’ werd narrisch!“ intonierte. Allerdings im Radio. Der legendäre Freudenschrei wurde später über die Fernsehbilder gelegt und heute weiß keiner mehr, dass erstens Robert Seeger das Match im TV kommentierte. Zweitens das Belvedere nicht nur sehenswert ist, wenn davor die Advents-Punschhütten aufsperren. Und drittens wie die „Reblaus“ anfängt.

„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag. 

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