Wien – Grätzltipps – 18. Währing

Nepomuk (c) STADTBEKANNT
Nepomuk (c) STADTBEKANNT Zohmann

Stadtspaziergang – Währinger Straße

23. Dezember 2015 • 18. Währing, Stadtspaziergänge

Mehr als nur eine Einkaufsmeile

Zwischen der S-Bahn-Station Gersthof und der U-Bahn-Station Währinger Straße-Volksoper wird nicht nur die Einkaufslust befriedigt, sondern auch dem leiblichen Genuss gefrönt. Auf dem Weg gibt es außerdem eine Menge Wissenswertes zu entdecken.

Man könnte meinen, einfach von Gersthof aus in Richtung Gürtel zu wandern sei ein langweiliges Unterfangen. STADTBEKANNT meint: Mitnichten! Richtet der Passant seine Aufmerksamkeit nämlich auf die richtigen Orte und Fleckchen, so bietet sich rasch ein anderes Bild. Versteckte Grabmäler, kulinarische Schatztruhen, ein bisschen Eis und die Geschichte vom Wilden Mann warten nur darauf, entdeckt zu werden. Einem stimmungsvollen Spaziergang, kombiniert mit etwas Einkaufsspaß, steht also nichts mehr im Wege …

 

Eine Stärkung für Unterwegs

Es ist noch nicht allzu spät, als wir uns in Gersthof aus der rappelvollen S 45 quetschen und aus dem Stationsgebäude hinaus ins Freie treten. Der Magen knurrt bereits bedrohlich und verlangt nach einem Morgenmahl. So führt der allererste Weg einmal zu Szihn Brot. Hier versorgt sich der koffeinbedürftige Währinger mit Kaffee-to-go, hier holt sich der gehetzte Schüler um 5 Minuten vor 8:00 sein Jausenweckerl, hier stehen Pensionistinnen aus der Nachbarschaft tratschend für ihr Brot an. Da letzteres hier besonders famos sein soll, wird der Beschluss gefasst: Ein Laib soll mit auf die Währing-Tour, als Marschverpflegung sozusagen. Wenn nur die Entscheidung nicht so schwer wäre! Da liegen sie, das Roggenbrot mit Oliven, der Dinkellaib, das exotisch anmutende Erdäpfelwalnussbrot und der knusprige Bio-Naturbursch aus Weizen- und Roggenmehl. Wir entscheiden uns für den Naturburschen. Rrrrr!

Naturbursch Szihn (c) Michael Baumgartner - KITO

Naturbursch Szihn (c) Michael Baumgartner – KITO

Den duftenden Kaffeebecher und das feine Brot in der Hand, drehen wir uns noch einmal um und betrachten das Stationsgebäude. Dass es sich heute einigermaßen ansehnlich präsentiert und auch Schnellbahnen hier verkehren, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit: Die einstige Vorortelinie lag nämlich gut ein halbes Jahrhundert brach, ehe sie in den späten 1980ern reaktiviert wurde. Im Zuge der Wiederaufnahme des Fahrbetriebs renovierte man auch das Stationsgebäude, das – wie die meisten historischen überirdischen Stationen in Wien – einst vom Stararchitekten Otto Wagner (1841-1918) entworfen wurde.

 

Nepomuk und die Liebe zum Keks

Ein paar Bissen Brot später setzen wir unseren Weg fort und überqueren die Straße, als uns eine freundliche Figur ins Auge sticht: Es ist Johannes Nepomuk, der es sich in der Fassadennische des sezessionistischen Johanneshofs mit der Nummer 170 gemütlich gemacht hat. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts richtet der in Österreich am dritthäufigsten dargestellte Schutzheilige (Rekordhalter sind Maria und Josef) seine gütigen Augen auf die vorbeieilenden Passanten, die ihrerseits den Brückenheiligen wohl nur selten bemerken. Wir schlendern weiter und schlagen dabei die südöstliche Richtung in die Gentzgasse ein.

Bevor wir den Aumanplatz erreichen, kommen wir an einem liebenswerten Lokal vorbei, das den klingenden Namen Zuckerkringel Keksmanufaktur trägt. Hier gibt es allerlei Süßes für Groß und Klein – und natürlich, wie in Wien kaum zu vermeiden, Kaffee. Eine kleine Warnung sei hier angebracht: Wer einmal von den bunt-putzigen Kekslein gekostet hat, ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit angefixt und wird seine Sucht immer wieder an diesem Ort stillen müssen. Es gibt wahrlich Schlimmeres.

 

Kulinarischer Aumannplatz

aumann Lokal (c) STADTBEKANNT Wetter-Nohl
aumann Lokal (c) STADTBEKANNT

Gleich im Anschluss unterbreitet uns der Aumannplatz sein vielfältiges Angebot: In seinem Zentrum befindet sich der Norbert-Liebermann-Park, in dem ein Waldviertler Granitblock an den Generaldirektor der Wiener Städtischen Wechselseitigen Versicherungsanstalt erinnert. Rundherum findet der möglicherweise hungrige Spaziergänger ausreichend Möglichkeiten, seinen Magen zu füllen. Eigentlich kommt es nur auf die Tageszeit an: Jung und modern präsentiert sich das aumann, in dem den ganzen Tag über gefrühstückt werden kann. Das Mittagsmenü wechselt täglich – wer will, kann dafür jedoch auch ins 12 munchies wechseln, um dort einen pikanten Snack zu sich nehmen. Das Kuchenlokal im modernen Tante-Emma-Ambiente ist aber vor allem für die nachmittägliche Jause empfehlenswert – beim vielfältigen Angebot an Muffins, Brownies, Cupcakes oder Quiches fällt die Wahl allerdings nicht so leicht.

Wir wandern die Währinger Straße entlang stadteinwärts und beobachten, wie sich ringsum die Geschäfte immer dichter aneinander reihen. Bald kommen wir auch an der Bio-Greißlerei Liebstöckel vorbei, wo sich Feinschmecker und alle, die Wert auf hohe Lebensmittelqualität legen, mit Köstlichkeiten eindecken können. Schräg gegenüber geht es gleich weiter mit den Köstlichkeiten: Gefrorenes – Eis wie Damals bietet süße Eclairs aus Eis in allen Varianten. Da schmilzt das Herz!

 

Kontrastreich: Grabmalhain und belebter Markt

Währing Grabmalhain Eingang (c) STADTBEKANNT

Währing Grabmalhain Eingang (c) STADTBEKANNT

Wir passieren nun das Bezirksamt, das mit seinem markanten, selbstbewussten Uhrturm auf sich aufmerksam macht und gelangen weißter zum Schubertpark. Hier befand sich einst der ehemalige Währinger Ortsfriedhof, an welchem unter anderem Ludwig van Beethoven und Franz Schubert begraben wurden. Ihre letzte Ruhe konnten sie an diesem Ort allerdings nicht finden: Im Jahr 1924 wurden die Bestatteten auf andere Friedhöfe überführt und ließen einen verlassenen Grabmalhain zurück. Damit bleibt dem heutigen Besucher lediglich ein Blick durch das verrostete Friedhofsportal auf die von hohen Bäumen umgebene Kreuzigungsgruppe. Dicke Mauern trennen den Hain von der angrenzenden städtischen Parkanlage. Geheimnisvoll und sogar ein bisschen schauderhaft!

Der Kutschkermarkt (c) STADTBEKANNT

Der Kutschkermarkt (c) STADTBEKANNT

Weg vom totenstillen Grabmalhain, hin zum belebten Kutschkermarkt: Am Fuße der Kirche Sankt Gertrud betreten wir das bunte Durcheinanderland der Marktstände: Blumen, Obst und diverse Genussartikel präsentieren sich stolz und farbenfroh. Der Flanierer genießt das rege Treiben und passiert unter anderem Lokale wie Maggies Feinkostladen, in dem das Angebot von Weinen und Gewürzen über Marmeladen bis hin zu Schokolade reicht. Ein ganz besonderer Tipp am Kutschkermarkt ist auch Pöhl’s Käsestand, wo es von Kümmelkäse, Graukäse über Bergkäse bis hin zum Pfefferkäse so gut wie alles gibt, was dem Connaisseur mundet.

 

Nostalgisch: Die Legende vom Wilden Mann

Restaurant Wildermann (c) STADTBEKANNT

Restaurant Wilder Mann (c) STADTBEKANNT

Zum Abschluss unserer Tour kehren wir ins Restaurant Wilder Mann ein und begeben uns dabei  auf die Spur jener Legende aus dem 15. Jahrhundert, der das Lokal den Namen verdankt: Nachdem sich ein Landknecht mit dem Teufel angelegt hatte, musste er sieben Jahre lang ein Bärenfell tragen und Steine sammeln. Trotz seines wilden Aussehens verliebte sich die Tochter eines wohlhabenden Gastwirts in ihn und als die sieben Jahre vorüber waren, legte der Knecht sein Fell ab und sah freudig, dass sich die gesammelten Steine in Gold verwandelt hatten. Wohlhabend, wie er nun war, durfte er endlich seine Geliebte heiraten und die beiden erwarben den Gasthof in der Währinger Straße 85, wo sich heute das Restaurant im schlichten Ambiente präsentiert und seine Gäste mit Wiener Charme und traditioneller Hausmannskost verwöhnt. Mahlzeit!

 

STADTBEKANNT meint

Sogar eine belebte Einkaufsstraße wie die Währinger Straße kann mit abwechslungsreicher Kulinarik und stimmungsvollen Orten aufwarten: Zwischen Gersthof und Währinger Straße-Volksoper gibt es nämlich einiges zu verkosten und entdecken. Ob Brot, Kekse, Muffins, Bio-Lebensmittel, gefrorene Köstlichkeiten oder Käse – je nach Geschmack sollte hier niemand zu kurz kommen! In Parks trifft man auf Oasen der Ruhe und stößt auf Gedenksteine und leere Grabmäler. Nicht zuletzt erzählt die Gegend um die Währinger Straße auch Legenden aus längst vergangener Zeit.

 

Einige Hotspots in der Währingerstraße

Szihn Brot – Gersthofer Straße 2
Mo – Fr: 6:00 – 18:30 Uhr
Sa: 6:00 – 17:00 Uhr

Kekswerkstatt Zuckerkringl – Gentzgasse 127
Mi – So: 10:00 – 18:00 Uhr

aumann – Aumannplatz 1
Mo – So: 8:00 – 1:00 Uhr

12 munchies – Türkenschanzstraße 2
Di – Fr: 09:00 – 17:00 Uhr

Bio Greißlerei Liebstöckel – Währinger Straße 133
Mo – Fr: 8:00 – 19:00 Uhr
Sa: 8:00 – 16:00 Uhr

Restaurant Wilder Mann – Währinger Straße 85
Mo – So: 11:00 – 24:00 Uhr

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