Wien – Grätzltipps – 6. Mariahilf

Esterhazypark Sitzbank (c) STADTBEKANNT
Esterhazypark Sitzbank (c) STADTBEKANNT

Stadtspaziergang Mariahilf – Teil 2

7. Juli 2016 • 6. Mariahilf, Stadtspaziergänge

Zerschmettert in Stücke, im Frieden der Nacht

Wir setzen unseren Spaziergang durch den 6. Wiener Bezirk fort und staunen nicht schlecht. Neben zahlreichen Geschäften, Lokalen, Bars und Grünflächen, hat der Bezirk auch so einiges in Sachen Geschichte zu erzählen.

Unser Weg führt uns in den Esterházypark, der Standort einiger geschichtlichen Dunkelperioden ist.

 

Esterházy-Pause

Beginnen wir mit dem markanten Kunstwerk, das sich am Dach des Haus des Meeres, im Esterházypark befindet. „Smashed into pieces (in the still of the night)” ist dort in deutscher und englischer Variante zu lesen. Der amerikanische Künstler Lawrence Weiner schuf dieses kritische Werk im Rahmen der Wiener Festwochen im Jahr 2001 um ein klares Statement gegen Nationalsozialismus und Faschismus abzugeben. Dadurch wurde der ehemalige Flakturm, der im zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt wurde, vom Kriegsrelikt zum Mahnmal gegen die Gräueltaten dieser Zeit. Auch eine Dauerausstellung im Haus des Meeres und viele Informationen zur früheren Nutzung des Flakturms befinden sich im Inneren.

Flakturm Haus des Meeres In the still of the night (c) STADTBEKANNT

Flakturm Haus des Meeres In the still of the night (c) STADTBEKANNT

Eine weitere Dunkelperiode kann gleich nebenan im Wiener Foltermuseum erforscht werden. Dort wird die Geschichte von Folter und „Strafgesetz” in Österreich erzählt und anschaulich dargebracht. Ein Must-See für Geschichte-Fans!

 

Mehr als nur Meer

Die alternative Nutzung des Flakturms ist mit der Erschaffung des Haus des Meeres wahrlich gelungen. Heute tummeln sich hier Kinder, Eltern und Interessierte um mehr über Meerestiere und Reptilien zu lernen. Auf 10 Stockwerken befinden sich Aquarien, Fischbecken, Affen und Vögel, Terrarien für Schlangen und Insekten und jede Menge kinderleicht aufbereitete Information. Ganz oben, im 11. Stockwerk befindet sich das Café ocean’s sky, das mit der Dachterrasse einen unbeschreiblichen Überlick über Wien bietet.

Rund um das Haus des Meeres kann man aber auch im Esterházypark sehr viel entdecken. Der Park ist das Überbleibsel des einstigen Sommerpalais Albrechtsburg, das 1814 in den Besitz der Familie Esterházy überging und schließlich von der Stadt Wien im Jahr 1868 gekauft und öffentlich zugänglich gemacht wurde. Heute finden sich dort sowohl ein Kinderspielplatz und eine Kletterwand als auch eine eigene Hundezone.

Kletterwand Flakturm Haus des Meeres (c) STADTBEKANNT

Kletterwand Flakturm Haus des Meeres (c) STADTBEKANNT

Das Sport Epizentrum der Gumpendorfer Straße

Durchquert man den Esterházypark, so findet man im südwestlichen Eck einen kleinen Stiegenabgang zur Gumpendorfer Straße beziehungsweise zur noch kleineren Blümelgasse. Genau an diesem Eck kann es vorkommen, dass durch Glasfenster schweißgetriebene Menschen zu sehen sind, die sich beim Crossfit im Crossfit ACE an ihre Grenzen treiben.

Schräg gegenüber – an der anderen Straßenseite – sieht man zwar nicht direkt hinein in die Räumlichkeiten, aber auch dort geht es sportlich zu. Die Karate Union Wien trifft sich fast täglich hier, um Kampfsport in allen Schwierigkeitsstufen zu betreiben.

Wir haben aber noch nicht genug von den schweißtreibenden Aktivitäten und so passt auch Yoga ganz gut ins Bild. Aber nicht nur irgendein Yoga. Hot Yoga Vienna. Das bedeutet, dass während der Yoga Übungen der Raum auf eine Temperatur von über 30°C aufgeheizt wird und somit ganz andere Voraussetzungen für eine Yoga-Einheit bestehen. Da braucht man dann garantiert keine Sauna mehr.

Hot Yoga Vienna (c) stadtbekannt.at

Hot Yoga Vienna (c) stadtbekannt.at

A, wie auf ins Apollo!

Für die etwas Gemütlicheren unter uns muss es aber auch nicht unbedingt Sport sein. Schließlich ist es schon längst an der Zeit, ausgiebige Ess-Einheiten als Olympische Disziplin anzuerkennen. Etwas weiter die Gumpendorfer Straße stadteinwärts kann man für diese Spiele schon einmal üben, denn da befindet sich das AJ’s American Diner, wo Burger, Fries und Hotdogs für den großen Hunger angeboten werden.

Wandern wir den Weg nun noch ein Stückchen weiter, so kommen wir wieder an jenen Ort zurück, wo wir vorhin an der Barnabitengasse herausgekommen sind. Links von uns der Treppenaufgang zum Haus des Meeres mit den 4 Statuen, die 1896 von dem Lazanskyhaus übertragen wurden. Das Haus befand sich am Stock-im-Eisen-Platz 1 am Stephansdom und wurde 1896 abgerissen. Schräg gegenüber das Café Pierre und ein Blick in die Windmühlgasse und rechts das Apollo Kino. Das Gebäude wurde 1904 errichtet und beheimatete damals noch das Apollo Theater. Heute ist es mit dem IMAX das größte innerstädtische Kino Wiens. Gerne würden wir uns jetzt gleich in einem der 11 Säle im Apollo Kino niederlassen und unsere Füße entspannen, aber wir haben noch viel vor uns!

Gumpendorferstraße (c) stadtbekannt.at

Gumpendorferstraße (c) stadtbekannt.at

Von der Gumpendorfer in die Gumpendorfer

Der Weg führt uns ums Kino herum, die Magdalenenstraße rein und gleich wieder in die Eggerthgasse, wo wir Lotte einen Besuch abstatten. Lotte näht nämlich und die Dinge, die sie in ihrer liebevollen Handarbeit fabriziert sind so lieb, da kann man nicht vorbeigehen. Kinderbekleidung und kleine Stofftiere, die nicht nur kuschelig, sondern auch noch praktisch sind, weil sie gleichzeitig als Nackenstütze zu gebrauchen sind zum Beispiel.

Die Eggerthgasse hat ihren Namen von einem gewissen Herrn Josef Eggerth, der 1852 in der Querstraße das Esterházybad errichtete. Es war das 1. Dampfbad, oder „Heilluftbad” Wiens und mit mehreren Wannen ausgestattet. Die Luftbadgasse erinnert uns noch heute an diese Zeit.

Für uns geht es jetzt aber weiter durch die Dürergasse bis zur Joanelligasse. Don Cölestin Joanelli hieß übrigens der Barnabit, der 1660 das Gnadenbild Mariahülf spendete – wisst ihr’s noch? In der Joanelligasse angekommen, wandern wir diese links hinaus bis wir schließlich wieder an der Gumpendorfer Straße herauskommen.

Ein Blick nach links lässt uns zweierlei hippe Lokalitäten entdecken. Auf der einen Straßenseite das Kellerwerk, wo Upcycling Möbel verkauft werden und Designobjekte aus recyceltem Material die Ausalgen schmücken. Zum anderen der Eissalon Joanelli, der aber ganz und gar kein Eissalon ist. Hier werden eher Bargetränke und lustige Abende angeboten – und das in hipsterisch, coolem Ambiente.

Kellerwerk (c) STADTBEKANNT Moser

Kellerwerk (c) STADTBEKANNT Moser

Für uns geht’s nach rechts, wo uns das Natsu ins Auge sticht. Hier gibt’s bewährt günstig-gutes Sushi, das auf der dauerhaften „Rabattkarte” angepriesen wird. Durch die günstigen Preise herrscht meist auch ein relativ reges Treiben und so ist der Fisch frisch und die Kunden sind glücklich.

 

Folgt der Stiege ohne Stufen bis zur Brücke ohne Ketten

Weit gehen wir aber gar nicht, denn schon bei der nächsten Querstraße biegen wir wieder rechts ab und gehen die Stiegengasse hinunter – keine Angst, es wird nicht zum Treppensteigen kommen. Der Name rührt daher, dass die Stiegengasse früher einmal fast zur Gänze aus Stufen bestand. Heute hat sich dieser anstrengende Teil auf das Stück oberhalb der Gumpendorfer Straße beschränkt und der Teil der Straße, der zum Naschmarkt führt, wurde vollends begradigt.

Wir können also erleichtert nach unten wandern. Am unteren Ende dieser Gasse, finden wir die Inoperable Gallery. 2006 zuerst in der Lindengasse, dann in der Burggasse und seit 2014 hier in der Stiegengasse zu finden. Im Mittelpunkt steht Urban Contemporary Art; zahlreiche Street Artists haben schon mit der Galerie zusammengearbeitet. Darunter auch der aus Ghent stammende Künstler ROA, der 2013 das Tierkunstwerk in der Schadekgasse erschuf, das wir vorhin schon bewundert haben.

 

STADTBEKANNT meint

Nach diesen vielen Lokalen, Shops, Sehenswürdigkeiten und Schritten, die wir hinter uns gebracht haben, ist es keine Schande, wenn man sich freut nach Hause zu kommen. Zum Glück ist die U4 Station Kettenbrückengasse in fast greifbarer Nähe! Die Kettenbrücke, die der Station den Namen verliehen hat, ist jedoch genau wie die Straßenstiege in der Stiegengasse heute nicht mehr zu finden.

 

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