Wien – Grätzltipps – 2. Leopoldstadt

Vorgartenmarkt (c) STADTBEKANNT
Vorgartenmarkt (c) STADTBEKANNT

Stadtsafari im Stuwerviertel

29. Juli 2012 • 2. Leopoldstadt, Stadtspaziergänge

Zweiter Bezirk Deluxe

Wir haben uns für euch wieder ins städtische Dickicht begeben und dieses Mal das berühmt berüchtigte Stuwerviertel unsicher gemacht.

Wir begannen mit unserer Grätzltour am Vorgartenmarkt, plauderten mit den Marktstandlern und besuchten für euch den Blumenladen Wildwuchs. Wir waren zu Gast bei einem Schuster und haben ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Danach haben wir den Asphaltdschungel unsicher gemacht und die Gasthäuser und Lokale im Grätzl besucht.

Stuwerviertel Neon Brunner (c) STADTBEKANNT

Stuwerviertel Neon Brunner (c) STADTBEKANNT

Das Stuwerviertel und seine Geschichte

Das Stuwerviertel ist in den Medien vor allem durch seinen Ruf als Rotlichtviertel bekannt. Seinen Namen hat das Viertel von Johann Georg Stuwer, der seit den 1770ern bekannt für seine Kunstfeuerwerke wurde. Nach der Vollendung der Donauregulierung 1880 wurde das Viertel baulich erschlossen, deshalb stammt ein Großteil der Bausubstanz aus der Gründerzeit. Auf Grund der Nachbarschaft zum Wiener Wurstelprater wurde das Quartier bald als Rotlichtviertel bekannt, dieser Ruf blieb ihm bis heute. Die ortsansässige Gebietsbereuung versucht seit Jahren etwas dagegen zu unternehmen und die Freier aus dem Viertel draußen zu halten. Beispielsweise mittels einer ausgeklügelten Einbahnregelung, was aber nur mäßig funktioniert.

 

Schuster bleib bei deinen Leisten!

Die Ledermanufaktur von Thomas Posenanski in der Sebastian Kneipp-Gasse gibt es nun schon seit über 10 Jahren. Der gelernte Elektrotechniker beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit Leder und beschloss schließlich seine Passion zum Beruf zu machen. Der Plan ging auf. In der Ledermanufaktur werden sowohl Schuhe, als auch Taschen, Möbeltapezieungen bis hin zu iPhone Taschen angeboten. Bekannte Kunden sind Austrian Airlines, Red Bull oder Do & Co.

Stadtbekannt lies sich vom geduldigen Handwerker erklären, wie ein Maßschuh gefertigt wird. Wir haben den Herstellungsprozess für euch kurz zusammengefasst. Der Spruch „Schuster bleib bei deinem Leisten“ kommt nicht von ungefähr, soviel sei schon verraten.

Zuerst braucht man einen Leisten. Dieser ist ein Fußmodell aus Holz und wird vom Schuster dann noch der Fußform des Kunden nachmodelliert. Danach wird in Absprache mit dem Kunden ein Modellentwurf gemacht und das Leder passend eingefärbt. Aufbauend auf diesem wird das Leder zugeschnitten und bearbeitet. Danach werden die einzelnen Teile am Leisten zusammengezwickt und genäht. Am Ende wird der Absatz an den Schuh geschraubt und genagelt. Schließlich wird er dann noch aufpoliert und bekommt Schnürsenkel verpasst.

Ledermanufaktur (c) STADTBEKANNT

Ledermanufaktur (c) STADTBEKANNT

Gast bei Wildwuchs

Beim Betreten des Geschäftslokals hat man das Gefühl eine Kunstinstallation zu betreten. Die Wände sind in babyrosa und blau gehalten und in der Mitte des Raums befindet sich ein rosa Plüsch-Adventkranz, welcher von weißen Stoffratten geschmückt wird. An den Wänden hängen Bilder von kotzenden Weihnachtsengeln und Jesus der eine Pressekonferenz gibt.

Eines steht fest, Wildwuchs ist mehr als nur ein Blumenladen. Seit 2004 ist Wildwuchs ein wichtiger Bestandteil der lokalen Ökonomie im Viertel. Sein Betreiber Wolfgang Keck Rauber kommt ursprünglich aus der Werbebranche und hat das Geschäft als Experimentierfläche konzipiert. Das Geschäftslokal wird von ihm immer wieder aufs Neue umgestaltet. So auch die jährlich wechselnde Weihnachtsdeko. Rauber nimmt mit seiner Installation Weihnachten mit viel Liebe zum Detail augenzwinkernd aufs Korn. Neben seiner Tätigkeit als Florist, gestaltet er die Inneneinrichtung von Hotels und für Privatkunden. Fürs leibliche Wohl wird bei ihm auch gesorgt, man bekommt hier handgeschöpfte Schokolade und österreichischen Biowein. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall.

Wildwuchs Blumenladen (c) Mautner stadtbekannt.at

Wildwuchs Blumenladen (c) Mautner stadtbekannt.at

Der Vorgartenmarkt

Der Vorgartenmarkt verbreitet rustikalen 60er Jahre Scharm. Hier gibt es noch den Gemüsehändler ums Eck, Wurst- und Fleischwaren, einen Geflügelhändler und natürlich eine Bäckerei. Beim Besuch des Vorgartenmarktes merkt man, dass er schon bessere Zeiten erlebt hat. Das zeigt sich auch im Gespräch mit den Marktstandlern. Die Verkäuferin aus der Bäckerei Strauß erzählt uns, dass früher am Markt mehr los war. Aber die Leute bleiben weg und gehen in den Supermarkt einkaufen. Viele Marktstände stehen im Moment leer was daher kommt, dass keine Konzessionen für die Vermietung frei gegeben wurden.

Die MacherInnen der silo mARkT Galerie erzählen uns im Gespräch, dass für den Markt eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen geplant sind und zum Teil auch gerade umgesetzt werden. Aus diesem Grund werden nur noch die schon sanierten Marktstände vermietet. Für die beiden KünstlerInnen ist es sehr wichtig, dass der Markt nicht einfach „aufgehübscht“ wird sondern die alten Marktstrukturen neu adaptiert und neue Konzepte gemeinsam mit den Marktleuten entwickelt werden. Den Grundstein haben sie mit ihrem Projekt Silo am Vorgartenmarkt schon im Sommer gelegt. Es wurde eine Reihe von künstlerischen Interventionen und Projekten durchgeführt. In Absprache mit den Marktstandbetreibern wurden einige Marktstände von Street Art Künstlern umgestaltet.

Vorgartenmarkt Obststand (c) STADTBEKANNT

Vorgartenmarkt Obststand (c) STADTBEKANNT

Wo kann man im Stuwerviertel gut essen?

Die lokale Gastronomie im Stuwerviertel ist eher traditionell angehaucht. Es gibt hier einige Alt-Wiener Gaststätten, in denen man deftige traditionelle Wiener Küche aufgetischt bekommt wie im Wohlmutstüberl, wo man wochentags einen Mittagsteller mit z.B. einer Zwiebelsuppe und als Hauptspeise Gordon Bleu mit Salat um 5,90€. Beispielsweise im Lindwurm Stüberl, wo ihr z.B. ein kleines Gulasch um 4€ bekommt oder Berner Würstel mit Pommes und Garnierung um 5,50€.

Auch zu empfehlen ist ein Besuch in einem der Lokale am Vorgartenmarkt, wie dem Café Maria oder dem Geflügelstand wo man ein halbes Grillhuhn für 3€ bekommt, oder bei Yonka Feinkost wo es den „Türkenteller“ um 5€ gibt.

Ein moderner Klassiker hat sich mit dem Tewa aufgetan. Gemütliche Atmosphäre und herrliches Essen!

Vorgartenmarkt Tewa Tische (c) STADTBEKANNT

Vorgartenmarkt Tewa Tische (c) STADTBEKANNT

Leben im Gemeindebau

Bei einer Stadtsafari darf natürlich auch der Besuch in einem Gemeindebau nicht fehlen. Wir waren im Wachauerhof. Einem architektonischen Kleinod aus dem Roten Wien der 1920er Jahre. Beim Betreten des Baus fühlt man sich ein bisschen wie ein Eineindringling. Die Bewohner mustern einen neugierig. Mit viel Liebe zum Detail wurden Bauplastiken, wie zwei Weintrauben tragende Bauern, an der Fassade angebracht.

Wachauerhof (c) STADTBEKANNT

Wachauerhof (c) STADTBEKANNT

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