Wien – Grätzltipps – 5. Margareten

Stadtsafari im Siebenbrunnenviertel

Stadtsafari im 5. Bezirk

3. September 2010 • 5. Margareten, Stadtspaziergänge1 Kommentar zu Stadtsafari im 5. Bezirk

Ein Stadtspaziergang durch ein Stück Stadtgeschichte

Wir begeben uns mit euch auf eine Entdeckungsreise durch Margareten. Vom Siebenbrunnenplatz, hin zu den türkischen Bäckereien, Supermärkten, den Sternstunden des Roten Wiens, bis zum Wiener Greißler ist alles dabei. Fern ab von Boboville gibt es in Wien vieles zu entdecken, kommt mit uns!

 

Siebenbrunnenviertel

Das Viertel versprüht den Charme einer Melange aus ethnischem Quartier und Wiener Proletariat und das Mitten im 5.Bezirk. Entlang der Reinprechtsdorferstraße kann man sich beispielsweise kaum entscheiden welchen türkischen Supermarkt man wählen soll. Ebenso schwierig wird es bei der Entscheidung in welche türkische Bäckerei man sich begeben will. Nicht nur am Brunnenmarkt wird Balkanflair versprüht, sondern auch im Siebenbrunnenviertel, nur eben auf eine ganz andere Art und Weise. Eine Melange ist ja bekanntlich eine Mischung aus verschiedenen Zutaten und zu türkischem Flair kommt hier noch die gründerzeitliche Bebauung und die Ringstraße des Proletariats (des Roten Wiens) hinzu.

 

Der Siebenbrunnenplatz

Der Siebenbrunnenplatz

Der Siebenbrunnenplatz

Wer sich fragt wie der Platz zu seinem Namen kommt, der findet schnell des Rätsels Lösung. Die Siebenbrunner Hofwasserleitung aus der Kaiserzeit ist der Namensgeber des Platzes und der umliegenden Gassen, die klingende Namen wie Siebenbrunnengasse oder Siebenbrunnenfeldgasse haben. Ein Überbleibsel aus jener Zeit ist der Siebenbrunnen in der Mitte des 1999 sanierten Platzes.
Heute wird der Platz von den BewohnerInnen als öffentliches Wohnzimmer genutzt. Man sieht viele spielende Kinder und ältere Menschen auf den Bankerln sitzen.

 

Schanigartenlandschaft am Siebenbrunnenplatz

Schanigartenlandschaft am Siebenbrunnenplatz

Schanigartenlandschaft am Siebenbrunnenplatz

Die Schanigärten am Siebenbrunnenplatz sind gerade um die Mittagszeit ein Treffpunkt für all jene die auf Futtersuche sind, denn der Platz beherbergt gleich drei im Grätzel sehr beliebte Restaurants. Zum einen haben wir das altehrwürdige Café 7-brunnen, welches sicher seit fünfzig Jahren Teil der Caféhauslandschaft im Bezirk ist. Hier bekommt man traditionelle Wiener Küche aufgetischt. Gleich nebenan befindet sich die Pizzeria Maria Rosa, welche demselben Betreiber gehört. Ich kann jedem nur einen Besuch empfehlen, nicht nur wegen der guten Pizza, sondern vorrangig wegen der sehr skurrilen Atmosphäre. Man hat als Gast das Gefühl in einer Mischung aus Geisterbahn und Touristenfalle gelandet zu sein. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber ich liebe es hin und wieder auch ein skurriles Lokal wie dieses aufzusuchen. In beiden Lokalen gibt es übrigens auch günstige Mittagsmenüs. Gegenüber befindet sich das Lokal Siebenbrunnen, wo man Wiener Schnitzel, von Schwein, Pute und Huhn bekommt. Die Qualität ist gut und der Preis stimmt auch.

 

Türkische Supermärkte

Gleich gegenüber vom Cafe 7-brunnen, nach dem man die Reinprechtsdorfer Straße überquert hat, befindet sich ein bisschen versteckt der erste etwas kleinere Supermarkt Aycan. Er zeichnet sich vor allem durch sein großes Angebot an frischem Ost und Gemüse und die freundliche Bedienung aus. Spaziert man weiter in Richtung Naschmarkt die Reinprechtsdorfer Straße entlang, kommt man zur nächsten türkischen Einkaufsmöglichkeit dem Aycan Supermarkt. Dieser ist um einiges größer als der andere und hat vor allem ein größeres Angebot an Lebensmitteln. Hier findet man auch alle Zutaten um Hommus zuzubereiten. Beide Geschäftslokale verfügen über eine große Fleischtheke. Die Supermarktkette Aycan wurde übrigens in Wien schon vor über zwanzig Jahren von türkischen Betreibern gegründet.

 

Bäckerei Aslan

Bäckerei Aslan

Bäckerei Aslan

Lust auf türkische Süßigkeiten? Egal ob Baklava, Feingebäck, Krapfen oder verschiedenste Sorten von Grießkoch und Pudding (muhallebi) in der Bäckerei Aslan findet ihr alles was das Herz begehrt. Es gibt auch ein großes Angebot an Börek (mit Schafskäse, Spinat und Schafskäse, mit Fleisch,..), sowie sowohl dunkles als auch helles Brot. Die Bäckerei Aslan gibt es seit fünf Jahren und alle Backwaren werden in der hauseigenen Backstube selbst gemacht. Sie verfügt über zwei Niederlassungen, eine direkt in der Arbeitergasse und eine in der Siebenbrunnengasse.
Öffnungszeiten: Mo bis So 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr

 

Das Viertel der türkischen Bäckerein

Natürlich gibt es im Grätzel nicht nur eine Bäckerei, sondern viele. So findet ihr gleich hinter dem Siebenbrunnenplatz die Bäckerei Anadolu, welche ein türkisches Traditionsunternehmen ist, das vor 25 Jahren in Wien gegründet wurde. Das Sortiment reicht von Brot, über Börek, Kebab, bis hin zu Baklava.

 

Auf den Spuren der Ringstraße des Proletariats

Auf den Spuren der Ringstraße des Proletariats

Auf den Spuren der Ringstraße des Proletariats

„Wenn wir einst nicht mehr sind, werden diese Steine für uns sprechen.“
Karl Seitz

Ausgangssituation
Ende des 19. Jahrhunderts war die Wohnsituation der ArbeiterInnenschicht in privaten Mietshauskasernen unzumutbar. Zur Linderung der Wohnungsnot entstanden um die Jahrhundertwende erste Ansätze eines ArbeiterInnenwohnbaus in Form von Werkswohnungen. Die 1917 beschlossenen Konzessionen zur MieterInnenschutzverordnung, Mietzinsstopp und Einschränkung des Kündigungsrechtes bildeten unter anderem die Voraussetzungen für den späteren sozialen Wohnbau. Wien wurde im Jahr 1922 ein selbständiges Bundesland. Die Stadt Wien erwarb bald darauf geeigneten Baugrund, welchen sie mit der von Hugo Breitner 1923 eingeführten zweckgebundenen Wohnbausteuer erwerben konnte.

 

Der älteste Gemeindebau Wiens

Der älteste Gemeindebau Wiens

Der älteste Gemeindebau Wiens

Der Metzleinstaler Hof

Der Metzleinstaler Hof ist der erste Gemeindebau Wiens und wurde von Robert Kalesa und Hubert Gessner erbaut. Wenn man vor dem Prachtbau aus dem Jahr 1923/24 steht, kann man kaum glauben, dass es sich hier um einen Gemeindebau handelt. Mit viel Liebe zum Detail wurden hier buntbemalte Keramikfliesen an der Fassade angebracht. Die Wohnungen verfügen über wunderschöne kleine Balkone und hohe Räume. Betritt man den Innenhof glaubt man in einer anderen Zeit gelandet zu sein.

Tipp: Wer mehr über die Geschichte des Roten Wien erfahren möchte sollte einmal die Seite www.dasrotewien.at besuchen.

 

Ein Stück Geschichte im Gemeindebau – Das Rote Wien

Die radikale Besteuerung von Immobilieneigentum führte in Wien innerhalb kurzer Zeit zur Zerschlagung des privaten Immobilienmarktes. Dadurch konnte die Gemeinde Wien nun eine Vielzahl von Grundstücken zu erschwinglichen Preisen erwerben. Bis 1922 verzehnfachte sich der Grundbesitz der Gemeinde Wien und Anfang 1924 verfügte sie bereits über 2,6 Millionen Quadratmeter Bauland. Im 5. und 12. Bezirk entstanden die so genannten Superblocks und mit ihnen die Ringstraße des Proletariats. Ihren Namen trägt sie, weil sie entlang des Gürtels wie der Ring, eine sehr repräsentative Wirkung entfaltet. Innerhalb eines Jahrzehntes wurden 382 Gemeindebauten erbaut. Es wurden damit 65.000 neuen Wohnungen geschaffen. Die Miete für eine Gemeindewohnung betrug für eine/n ArbeiterIn c.a. vier Prozent des ArbeiterInnenlohns.Karl Seitz war von1923 bis 1934 Bürgermeister von Wien und stand mehr als zehn Jahre lang an der Spitze des großen kommunalen Aufbauwerkes, er war eine der prägendsten Figuren des roten Wiens.

 

Der Matteottihof

Wir spazieren nun weiter die Siebenbrunnengasse entlang und kommen zum Matteottihof, welcher 1926/27 nach Plänen von Heinrich Schmid erbaut wurde und als Erinnerung an den italienischen Sozialisten Giacoma Matteotti, welcher im Kampf gegen den Faschismus starb, diesen Namen erhielt.. Der burgartige Bau bildet den Kern der Ringstraße des Proletariats. Der Bau gliedert sich in verschiedene Höfe. Diese beherbergen, die für die Bauten des Roten Wiens typischen Gemeinschaftsräume, wie eine Waschküche und einen Kindergarten. Früher beherbergten die Superblocks neben Kindergärten auch Veranstaltungs- und Versammlungssäle, Werkstätten Volksbibliotheken, Lebensmittelgeschäfte (Konsum), Vereine, Fürsorge- und Gesundheitseinrichtungen.

 

Das erste Hochhaus der Stadt Wien

Das erste Hochhaus der Stadt Wien

Das erste Hochhaus der Stadt Wien

Matzleinsdorfer Hochhaus

Als Prachtbau kann man es wohl kaum bezeichnen. Eher skurril anmutend ragt es, umgeben von anderen nicht weniger hässlichen Gemeindebauten aus den 50iger Jahren, heraus. Aber es ist ein Zeitdokument – das erste Hochhaus der Gemeinde Wien. Nein wir verwechseln es nicht mit dem Ringturm, welcher ja das erste Hochhaus der Stadt war. Das Matzleinsdorfer Hochhaus wurde in den Jahren 1954 bis 1957 unter dem Bürgermeister Franz Jonas erbaut.

Der Greißler ums Eck

Der Greißler ums Eck

Der Greißler ums Eck

Es gibt sie noch die Greißler und Tante Emma Läden der Stadt. Gerade in diesem Grätzel lohnt ein Spaziergang durch die Gassen rund um die Reinprechtsdorfer Straße.
Die Greißlerei Hoi befindet sich in der Jahngasse, bietet Produkte aus der Steiermark feil und erinnert an die Fünfziger Jahre. In den benachbarten Straßenzügen gibt es auch eine ganze Reihe von Wiener Gasthäusern.

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Eine Antwort auf Stadtsafari im 5. Bezirk – Verstecken

  1. Alex sagt:

    Ein hässlicher Platz
    Ringsum hässliche Pizzerias, Kebabbuden und beschäftigungslose arme Menschen.

    Ein trauriger Ort, der bestimmt mal schön war, heute es aber nicht mehr ist.

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