Kultur

Phänomen Facebook Ueberreuter
Phänomen Facebook Ueberreuter

Stadtbekannt rezensiert: Phänomen Facebook

26. November 2010 • Kultur, Literatur

Phänomen Facebook

Der Kurier Journalist Jakob Steinschaden zeichnet in seinem Buch „Phänomen Facebook“ die Entstehungsgeschichte von Facebook nach und widmet sich detailliert der Fragestellung wie der Konzern aus Palo Alto (Kalifornien) binnen weniger Jahre die zweiterfolgreichste Homepage der Welt (nach Google) etablieren konnte.

Steinschaden widmet sich zunächst den technischen Grundlagen von Facebook. Anschließend liefert er Antworten auf die Fragen wem Facebook gehört, wie die Firma funktioniert, berichtet von seinen Besuchen bei Facebook und im Silicon Valley, widmet sich der Frage warum sich Mark Zuckerbergs Firma gegen alle konkurrierenden Social Networks durchsetze konnte und klärt in zwei abschließenden Kapiteln über die Gefahren von Facebook, die Datenkrake zu der es sich entwickelt hat und die Bedrohung der Privatsphäre auf.

Nüchterner Blick

Steinschaden zeichnet ein nüchterner Blick auf den Social Network Giganten aus. Weder lässt er sich vom omnipräsenten Alarmismus zu einer kulturpessimistischen Suada hinreißen, noch biedert er sich als Fanboy dem Konzern an. Gefahren, Risken und Nebenwirkungen werden nüchtern geschildert, der Autor verliert dabei jedoch nie die prinzipielle Veränderbarkeit unserer sozialen Umwelt aus dem Auge.

Sein Blick auf Facebook ist durch eine kritische Distanz gekennzeichnet, die nicht hinter dem Berg hält mit der simplen wie erschreckenden Erkenntnis, dass Facebook aus der Verwendung, Weitergabe und Verarbeitung unserer sozialen Beziehungen, unserer Kommunikation, unserer Vorlieben und Verhaltensmuster sein Geschäftsmodell gezimmert hat.

Besser als ebook?

Problematisch an „Phänomen Facebook“ ist der, wenn auch notwendige, extrem breite und niederschwellige Zugang zum Thema. Wer sich selbst einigermaßen auskennt mit Faceook wird nicht umhin kommen von den technischen Erklärungen vor allem im ersten Teil des Buches oft gelangweilt zu sein. Ein Umstand der noch verstärkt wird durch die Barriere zwischen dem offline Buch und der Beschreibung eines online Netzwerks. Insbesondere der erste Teil des Buches gewinnt als ebook (als solches ist es auch erhältlich) sicherlich an praktischem Nutzen. Aber auch dann bleibt die Frage welchen Nutzen Menschen, die Facebook nicht benützen, aus diesen Informationen beziehen ebenso offen, wie die Frage des Nutzens für diejenigen, die es benützen.

Störend ist auch die Neigung des Autors zum Name Dropping. Einerseits beweist er damit zwar seine gründliche Recherche, die er für dieses Buch geleistet hat und weiß mit unzähligen Hintergrundgesprächen die er geführt hat, durchaus zu überzeugen. Teilweise nervt das Name Dropping aber auch und lenkt von den eigentlichen zentralen Inhalten ab.

Fundierte Kritik

Die starken Seiten des Buches sind sicherlich die detaillierte Schilderung des Innenlebens von Facebook. Die Eigentumsverhältnisse, über die auf Grund der Tatsache dass Facebook kein börsennotierter Konzern ist wenig bekannt ist, werden ebenso beleuchtet wie der vermutlich steigende Druck auf den Konzern an die Börse zu gehen. Die detaillierte Schilderung des auf vielen Säulen fußenden Geschäftsmodells von Facebook ist ebenso beachtenswert. Insbesondere Steinschadens These der es für unwahrscheinlich hält, dass alle Services die heute gratis angeboten werden dies notgedrungen für immer bleiben müssen. Aber auch seine Schilderungen der verschiedenen Quellen aus denen Facebook seine Einnahmen erzielt, von micropayments über Werbung bis hin zu Facebooks Versuch mit Facebook Credits ein eigenes „Währungssystem“ zu etablieren sind durchaus erhellend.

Mit Verve widmet sich der Autor auch den kritischen Seiten am Phänomen Facebook. Von der Bedrohung der Privatsphäre bis hin zu den Abgründen des Like Buttons wird vieles beleuchtet. Steinschaden macht dabei stets klar, dass privat im eigentlichen Sinn auf Facebook nichts ist, weil zumindest der Konzern selbst immer Zugriff auf alle Daten hat. Zu einem klaren ja oder nein zu Facebook kann sich Steinschaden nicht durchringen, vielmehr plädiert er für einen verantwortungsvollen und überlegten Umgang mit dem Netzwerk. Ein besonderes Anliegen ist es ihm den sorgsamen Umgang mit Social Networks in den Schulunterricht einfließen zu lassen.

Steinschadens Buch bietet insgesamt einen sehr sorgsamen und umfassenden Überblick über Facebook und seine Werdensgeschichte. Der österreichische Fokus gewährleistet durch zahlreiche Textpassagen, in denen er die Gespräche mit heimischen Social Media ExpertInnen schildert, kommt dabei nicht zu kurz. Lediglich die sehr basale Schilderung des Social Networks zu Beginn des Buchs stört das Lesevergnügen etwas.

Stadtbekannt verlost 2 Exemplare des Buches „Phänomen Facebook“ – bitte HIER klicken.

Phänomen Facebook ist erhältlich beim Ueberreuter Verlag

Rezension von Daniel Steinlechner

, , , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »