Wien – Debatte

Fondue
Fondue

Stadtbekannt Kontrovers: das Anti-Fondue-Raclette-Manifest

30. Dezember 2012 • Debatte

Das klassische Party-Menü

Silvesterzeit ist Fondue- und Raclettezeit – auch heuer werden in den Heimen dieser Welt wieder literweise heißes Fett oder Käse erwärmt und geschmolzen, und sogar einige Restaurants bieten ihren Gästen diese Art von Erlebnis an. Aber was ist dran am (Fett-)Fondue und (Käse-)Raclette?

 

Die Einladung zum Raclette-Abend

Das „Wir laden euch zum Essen ein!“ klingt ja noch freundlich und aufregend – das darauf folgende „Es gibt Fondue/Raclette“ darauf aber wie ein Schlag in die Magengrube: man bekommt nämlich damit perfiderweise eine Einladung, sein Essen bei den Gastgebern selbst zu kochen. Denn bekocht wird man beim Racletteabend ja nicht, der Gastgeber stellt zwar die Zutaten und das Geschirr, tut sich aber sonst nichts an – außer vielleicht ein paar Saucen oder Salat vorzubereiten. Niemand würde auf die Idee kommen, die Gäste mit den Worten „Es gibt heute Schweinsbraten mit Knödel, die Küche ist die dritte Türe links, die Zutaten sind im Kühlschrank – ruft mich wenn es fertig ist“ empfangen. Während diese Aufforderung wohl eher für lange Gesichter sorgen würde ist die Raclette-Einladung völlig in Ordnung.

 

Das Fondue und Raclette-Essen selbst

Sitzt man erst einmal bei Tische – vor einem selbst entweder ein Topf mit heißem Fett und ein paar Fondue-Gabeln oder ein lächerlicher kleiner Elektro-Grill für den Raclettekäse – dann kann die „Geselligkeit“ also endlich beginnen – was vor allem eines bedeutet: Stress. Denn wie beim Kochen einer vollen Mahlzeit muss man genau aufpassen, was man tut: Denn wer mehrere Fonduegabeln benutzt, muss den Überblick behalten und hat damit großen Stress: Welches Fleisch kann ich wann essen? Wo steckt welches Stück Fleisch, und welches war jetzt schon lang genug in der Brühe? Ist der Käse jetzt schon weich genug, noch zu kalt oder gar schon verbrannt? Und welche Fonduegabel gehört überhaupt mir? Da bleibt kaum Zeit oder Aufmerksamkeit für Geselligkeit oder zum Plaudern, da wird der Dinnertisch zum Schlachtfeld: denn es heißt strategisch vorgehen! Am besten man übt das Ganze schon einige Tage vor dem großen Abend zu Hause.

Wer nur eine Fonduegabel sein Eigen nennt muss hingegen fünf Minuten auf ein Miniatur-Fleischstück warten, welches weder satt, noch glücklich macht – und will man einmal mehr als nur ein Stück auf einmal, dann hat man nach zwanzig Minuten ganze vier Ministeaks, die dafür aber kalt sind. Und womit füllt man sich dann zwischen zwei Fleischstücken den Magen? Mit Brot und Essiggurkerl – die wohl traurigste Jause die man sich vorstellen kann.

 

Fazit

Sind nach einem Raclette- oder Fondueabend dann alle satt (was etwa nach einer Zeitdauer von vier bis fünf Stunden der Fall ist) wird es Zeit für ein Fazit: trotzdem man kaum etwas zu sich genommen hat, schmerzt der Bauch danach meist schrecklich: zu viel Brot, Käse und zu viele Essiggurkerl – und meistens auch zuviel Bier. Denn fünf Stunden sind eine lange Zeit, und wenn man nichts zum Essen bekommt, muss man sich eben betrinken. Prost.

Raphael Maria Dillhof

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