Wien – Leben

(c) Adamek stadtbekannt
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Stadtbekannt fährt mit dem Moped durch Wien

18. August 2013 • Leben, Unterwegs

Ganz vorne an der Ampel, also noch vor der Autoschlange, steht ein Haufen Zweiräder. Bei grünem Licht wird Gas oder Bein gegeben und alle fahren los. Eigentlich schon bei Gelb, schließlich will man nicht riskieren von grantigen Autofahrern angefahren zu werden. Wer einmal gesehen hat wie sie im Stau ausscheren, nur um einem Fahrrad, Moped oder Motorrad den Weg zu versperren, weiß wozu sie fähig sind. Vermutlich liegt es daran, dass sie in einem Käfig gefangen sind. Wer würde da nicht dem Wahnsinn anheim fallen.

Jedenfalls beschleunigen im Zuge des "Grün-Werdens" alle die da vorne stehen. Und auch wenn es scheint, als regierte das Chaos, kennt der Geschulte das Gesetz der Straße: Erst weiße Kennzeichen, dann Rote. Und die ohne Kennzeichen halten sich sowieso an garnichts. Darüber berichteten wir aber schon an anderer Stelle. Manche sind aber freundliche Gesprächspartner.

Bikergang trotz B-Schein

Mittendrin im Getümmel also wir, auf dem Honda SH 125i. Weißes Kennzeichen, also schon Motorrad, darf aber noch mit dem B-Schein gefahren werden (oder mit A1). Einzige Vorraussetzung dafür ist eine eintägige Schulung am Übungsplatz und der damit erworbene Zusatz B111 im Führerschein. Damit darf dann alles bis 125 Kubikzentimeter gefahren und auch die Autobahn erobert werden. Wobei erobert vielleicht etwas hoch gegriffen ist. Denn die Höchstgeschwindigkeit von 98 km/h verweist das Moped eher auf die rechte Spur. Außer zu Testzwecken besuchten wir die Autobahn aber nie. Stattdessen genossen wir es an stehenden Fahrzeugkolonnen in der Stadt vorbeizufahren und vor jedem Lokal einen Parkplatz zu bekommen. Rush-Hour wird trotz Englisch-Kenntnissen zum Fremdwort. Aber auch längere Etappen auf der Landstraße sind mit dem Scooter kein Problem. Dank der 16-Zoll-Räder ist die Fahrstabilität hoch und bis 80 km/h fährt man nicht aus der Komfort-Zone. Vorne wie hinten ist eine Scheibenbremse verbaut und erstmals ist in dieser Klasse ABS serienmäßig dabei. Über die Arbeitsweise können wir glücklicher Weise nicht viel sagen, denn auch bei starkem Bremsen kamen wir nie in den Grenzbereich.

Sympathisch, fast öko

Ebenfalls neu ist die Start-Stopp-Automatik des Rollers. Nach drei Sekunden im Stillstand dreht sich der Motor ab. Ein grinsender Fahrradfahrer fragte, ob der Motor abgestorben sei. Ich verneinte. "Ganz neu?" Ich zeigte auf den Kilometerzähler und sagte, es wären noch keine 2.000 Kilometer drauf. Eine grüne Ampel unterbrach das Gespräch. Hundert Meter weiter, bei Rot, führten wir es fort. "Aber angenehm leise", meinte er. "Wie weit kommt man denn damit?". Ahnungslos antwortete ich, dass ich schon 150 Kilometer gefahren wäre und der Tank noch halb voll sei. "Optimist!", rief er mir noch zu als die Ampel wieder grün wurde und er abbog.

Stadtbekannt meint

Roller sind für die Stadt gemacht. Nie mehr Parkplatz suchen oder im Stau stehen. Mit etwas mehr als 2,5 Litern auf 100 Kilometer ist der SH 125i noch dazu ein sparsamer Vertreter seiner Art. Seine Beschleunigung reicht, um die meisten Autos bis 60 km/h hinter sich zu lassen, selbst wenn die Sozia mitährt. Wer oft schneller fährt, wird mit dem optionalen Windschild freude haben. Preislich ist der Roller gut aufgestellt. Wer stylischer sein möchte, muss für eine gleichwertige Vespa rund 1.000 Euro mehr ausgeben.

Honda SH 125i ab € 3.290,-
125 ccm – Einzylinder-Viertakt-Motor, max. Leistung 8,7 kW (11,8 PS) bei 8.500 U/min, max. Drehmoment 11 Nm bei 6.500 U/min, CVT-Automatikgetriebe, eine Scheibenbremse vorne und hinten, ABS, Sitzhöhe: 799 mm, Tankinhalt 7,5 Liter, Leergewicht: 135 kg, Verbrauch im Test: ca 2,7l

Christoph Adamek

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