Wien – Leben

WienerGeschichten-Sonntag (c) STADTBEKANNT
WienerGeschichten Sonntag (c) STADTBEKANNT

Sonntags-Blues am Ende von Wien

26. Mai 2017 • Leben

Mögliche Aktivitäten an einem Sonntagnachmittag im Niemandsland Wiens: Big Macs essen, Radio hören und auf den Montag warten

 

Das Wetter draußen ist an diesem Sonntagnachmittag weder gut noch schlecht. Drinnen toben zwei Kinder durch die kleine Spielecke des McDonalds im Auhof-Center, während ihre Eltern über das Geschrei der Kleinen hinweg die Vorzüge der neuen Parteivorstände Österreichs vergleichen. „Den Strache wähle ich nicht mehr“, erklärt der Vater gerade, „denn der hat sich abgenutzt.“ Durch die Lautsprecher des Lokals dröhnt FM4, Heinz Reich liest einen vorgeschriebenen Text über das neue Muse Album ab. So laut wie hier ist es an diesem Sonntag kaum wo in Wien. Die Metropole liegt brach, hält inne, bevor es morgen wieder weitergeht. Vor allem hier in der Peripherie ist alles geschlossen, das riesige Einkaufszentrum hat ausschließlich für die kleine Fastfood-Filiale seine Tore geöffnet, um den Gestrandeten einen Zufluchtsort zu bieten. Sei es für die Eltern, die bei Regenwetter trotzdem nicht in der Wohnung hocken wollen. Oder für die übernächtigen Jugendlichen, die am Nebentisch ihren Rausch vom Vortag mit einem Big Mac Menü aufzutunken versuchen. Und natürlich für mich, der an diesem stillen Sonntag eine Geschichte über stille Sonntage schreibt.

 

Last Exit Auhof

Obwohl man sich mittlerweile eigene Burger zusammenbasteln kann, bestelle ich einen der Klassiker. Man soll nicht zu viel riskieren. Nach einem längeren Musikstück meldet sich Heinz Reich wieder zu Wort und erklärt kleinlaut, dass das von ihm als neu angekündigte Muse Album doch bereits 2015 erschienen ist. Gelächter vom Band wird eingespielt und auch die Kinder aus der Spielecke lachen, aber nicht über den Fauxpas des Journalisten, sondern über den auslaufenden Colabecher, den sie auf den Boden gedonnert haben. Beides wird ohne Konsequenzen bleiben, denn Wien ist nicht New York, hier geht es zwar nicht um nichts, aber doch um viel weniger als sonst wo.

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