Kultur – Musik

Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger
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song of the day: Don’t Look Back In Anger von Oasis

27. April 2013 • Musik

Where were you when they were getting high?

Postmoderne Beliebigkeit? Bollocks! Bei OASIS, und das machte die Band nicht nur musikalisch großartig sondern auch noch unfassbar lustig in Interviews, ging es immer völlig ironiefrei zur Sache, vor allen Dingen wenn es um den konsequent zelebrierten Narzissmus der beiden Gallagher-Brüder ging – von Noel, dem Smarteren, im Laufe der Zeit manchmal sogar mit einem kleinen Augenzwinkern, von Liam (eher mit dem Hausverstand durchs Rockstar-Leben navigierend), völlig ironiefrei und zum Teil zum Brüllen komisch.

Bei Oasis ging es eben nie um Selbstzweifel, um fragile Psychen oder um irgendeinen Kleinscheiß – wie so viele britische Bands stand das Quartett vor allem für Attitüde, Lebensgefühl, Hedonismus, Narzissmus. Eine ganze Zeit lang standen sie sogar ganz weit vorne, in erster Reihe, beinahe uneinholbar. "Maybe I don’t really wanna know how your garden grows / cause I just wanna fly" heißt es ja bekanntlich in "Live Forever", und die haben das schon ernst gemeint, diese alten Rock’n’Roll-Epikureer.  Also,"Where were you when we were getting high?".

Kleckern statt klotzen, Hymnen statt nur Lieder, familiar to millions, Cigarettes & Alcohol. Boom, das hat von Anfang an gesessen, seit "Definitely Maybe" rauskam, und als wäre das Album noch leicht zu toppen gewesen, "What’s The Story, Morning Glory". Mit dem so wunderbar von Lennon geklauten Intro zu "Don’t Look Back In Anger", und wer ist eigentlich Sally? Ist auch egal, zumindest weiß jeder Mensch, der in den letzten 20 Jahren den Planeten musikrezipierend bewohnt hat, dass Sally warten kann.

Auch wenn nicht jedes Album im Laufe der Karriere eine Supernova war, ein richtig schlechtes Album hat es nie gegeben. Mit dem letzten, sehr Riff-orientierten Album waren sie sogar wieder richtig in Hochform, nur leider eben verkracht, und zwar ein wenig tiefgründiger als man sich dachte. Der Auslöser, der das Fass dann endgültig zum Überlaufen brachte war angeblich, dass Liam Noels Gitarre zerschlug. Der Depp. Das war dann endgültig zu viel anscheinend, Noel zog den Hut und sagte Adieu.

Und weil für mich heute, nach einem recht belebten Wochenende, OASIS-Montag ist und ich heute nicht wirklich etwas anderes hören will, ist Sally heute Song of the day, "Don’t Look Back In Anger", der alte Gassenhauer aus der Blütezeit von dem, was man „Britpop“ genannt hat, damals als sich die Gallaghers und Damon Albarn von Blur ständig per Medien den Mittelfinger zeigten.

Wo wir gewesen sind, als sie high waren? Wir haben Ihnen dabei zugeschaut und zugehört und es war fookin‘ godlike, wie Liam sagen würde.

(Markus Brandstetter)

Unbedingt sehenswert ist auch diese Gänsehaut-Version von "Don’t Look Back In Anger":

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