Kultur – Musik

(c) PanOptika - Fotolia.com
(c) PanOptika - Fotolia.com

song of the day. „Garden Of Simple“ von Ani DiFranco

22. April 2013 • Musik

Da steht sie also, ganz banal, in irgendeiner amerikanischen Frühstücksbar, wo irgendein Spinner eine Statue aus Butter geschnitzt und diese ausgestellt hat – sie funktioniert und schaufelt das Cholesterin in sich rein wie jede/r andere, der Hund wartet derweil auf sie im Auto, noch schnell ein bisschen was in die Tasche stopfen und dann raus. Sie setzt sich ins Auto, putzt noch einmal die Frontscheibe, alles Routine, fährt auf den Highway und auf einmal überkommt sie ein Traum, und der ganze routinierte Trott ist auf einmal weg: 

Im „Garden of Simple“ steht sie also, mit dem kategorischen „you“, und hat eine Maschine erfunden, die SILENCE erzeugt, das ganze sinnentleerte Geschnatter, die ganzen Meinungen, die ganzen Egos, all das saugt die Maschine einfach auf, und auf einmal hat jeder was besseres zu tun als in Gänsereihe an der Kasse zu stehen und der Esel zu sein: „there were no people on the payroll, and there were no monkeys on our backs / and I said baby, show me how you look like without skin“

Die Wissenschaft, die jagt dem Geld hinterher, sagt DiFranco, und das Geld jagt wiederum eh nur seinen eigenen Schwanz hinterher, während die besten Geister ihrer Generation nicht einmal die verdammte Kaution stellen können (eine Anspielung, nehme ich an, auf die eröffnende Zeile von Allen Ginsberg’s Gedicht „Howl“).

Dass die ganzen Altlasten, die einem so das Kreuz brechen während man sie durchs Leben schleppt, in Wirklichkeit aber völlig unnötig oder überhaupt nur eingebildet sind, das wird einem plötzlich klar, in diesem aufs Nötigste reduzierten Zustand, dem „Garden Of Simple“, wie man den Koffer so niederlegt und plötzlich wieder freihändig ist.

Und mittlerweile ist es früh am Morgen, und irgendwo anders ist es früher Nachmittag, und leicht wird es sowieso nie sein, aber wie auch immer, und dann hat sie noch eine schöne Durchhalteparole parat:

The big plan is just to keep spinning / cuz the big bang is only just beginning / and sometimes it’s all that we can do just to hang on“.

Das wesentliche, was sie aber sagen will, meint sie, und gibt dem kategorischen „du“ einen kleinen Kuss, „which means I’m thinking of ya, which means I’ve been thinking of you all along“.

„Garden Of Simple“ ist politisch und spirituell (ohne jeglichen unangenehmen Esoterik-Beigeschmack) und kann sogar als Love-Song durchgehen. Der Song beweist wieder mal, wie intelligent und gefühlvoll Ani DiFrancos Songs sein können, und deshalb ist „Garden Of Simple“ unser heutiger Song of the day.

(Markus Brandstetter)

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »