Lifestyle – Mode

Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT

Shoe Tossing erobert Wien

29. Mai 2010 • Mode

Irgendwann kommt jede Mode auch nach Wien…

Kennt ihr den Witz, was man tun soll wenn demnächst ein Kommet auf der Erde einschlägt? Dann sollte man nach Kärnten fahren, denn die sind immer 500 Jahre hinten nach… Ein Brüller, ein Schenkelklopfer, was haben wir gelacht.

Dennoch, auch ein schlechter Witz hat ja manchmal einen wahren Kern. Neuerungen kommen nicht überall gleich schnell an. Auch für Wien gilt, was in Berlin oder New York schon wieder ein alter Hut ist, kommt hier manchmal gerade erst an.
So ist es auch mit dem Shoe tossing, also dem Platzieren von Schuhpaaren auf Stromleitungen oder Telefonkabeln, durch das Zusammenbinden der Schnürsenkel und des geschickten Werfens des Schuhpaares auf die Leitung. Wie die Presse berichtet ist diese Zeitgeisterscheinung jugendlichen Übermutes nun auch in Wien angekommen. Im „wilden“ Siebten Bezirk wurden erste Schuhpaare gesichtet und teilweise auch schon wieder entfernt.

Seit vielen Jahren kommt Shoe tossing in den USA vor, später breitete es sich über den Erdball aus. In Wag the Dog war Shoe tossing 1997 erstmals Teil der Handlung eines Films. Schuhmann, genannt Shoe, der von der US-Armee als angeblich von Albanern gefangen genommener Soldat inszeniert wird, löst im Film eine Welle des Schuhwerfens aus. 

Für Shoe tossing gibt es viele Erklärungsversuche, die plausibelste ist es wohl, es für eine Spielart der Streetart zu halten. Allerdings gibt es auch einige zweifelhafte Erklärungsversuche. Angeblich würden Schuhpaare auf ein in der Nähe befindliches Crack House hinweisen. Ähnlich wie die Urban Legend von der Gratisverteilung von Drogen an Kleinkindern – the agressive drug dealer– geht auch diese Legende von der Falschannahme aus, dass es für Drogendealer Sinn machen würde, Aufmerksamkeit auf ihr  verbotenes Tun zu lenken. 
Vereinzelt wurde Shoe tossing auch schon als Mittel einer politischen Demonstration verwendet. Muntader al-Zaid nutzte seine Schuhe um George W. Bush darauf „hinzuweisen“, was er von seiner Irak Politik hielt. Das ist dann aber schon shoe tossing im sehr wörtlichen Sinn.

Eine besonders alte und doofe Form des Shoe tossings ist das Werfen von Schuhpaaren eines unfreiwilligen Opfers auf Bäume, Hausdächer und Leitungen, um diesen zu hänseln. Beispielsweise wurden mir meine Turnschuhe – Gott hab sie selig – im zarten Alter von 10 Jahren von zwei „lieben“ Mitschülern entwendet und auf einen Baum im Schulhof geworfen. Dort sind sie vermutlich immer noch.

Beim entfernen der Schuhe sind angeblich bereits Menschen an Elektroschocks gestorben und das übermäßige Behängen von Elektroleitungen mit Schuhen kann diese reißen lassen. Jedem/r Shoe tosserIn muss klar sein, dass für die MitarbeiterInnen der zuständigen MA 33 das Entfernen der Schuhe weniger lustig und vermutlich auch nicht ganz ungefährlich ist. Insofern unterscheidet sich das Shoe tossing von Graffiti und anderen StreetArt Formen, die zwar manchmal subjektiv als wenig ansprechend empfunden werden können und der Hofratswitwe die Laune vermiesen vermögen, die aber ansonsten keinerlei negative Auswirkungen auf Leib und Leben haben.

Nun kann man zurecht einwenden, dass vereinzelte Schuhpaare ja keineswegs von den Leitungen entfernt werden müssten und eigentlich niemanden stören sollten. Gutes Argument und gegen künstlerisches vereinzeltes Shoe tossing ist wohl kaum etwas einzuwenden. Wem´s Spass macht…Das Zauberwort ist eben auch hier Selbstverantwortung. Shoe tossing als Kunstform mag seinen Platz haben, das mutwillige beschädigen öffentlicher, aus Steuergeldern finanzierter Infrastruktur hat hingegen wenig mit Freiheit, oder Selbstverwirklichung zu tun, sondern ist schlicht blöd. Hier, in Berlin und überall.

Wie sich das ganze in Wien entwickelt, ob Shoe tossing zum Massenphänomen wird, oder ob das Wetter dem ganzen einen Strich durch die Rechnung macht und alles demnächst schon wieder vergessen ist, wird sich zeigen.

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