Wien – Wienerisch

Wienerisch Wappla (c) STADTBEKANNT
Wienerisch Wappla (c) STADTBEKANNT

Schene Wörter fia schiache Leit

12. März 2016 • Wienerisch

Wie man gekonnt das Äußere diffamiert

Die Samstagnacht ist schon weit fortgeschritten. Unverdrossen zieht eine lustige Partie weiter um die Häuser, auf der Suche nach dem nächsten Tanztempel. Man hat getrunken – einiges. Man ist laut und ausgelassen. Das taugt dem Türsteher so überhaupt nicht. Ebensowenig gefällt dem schwarz gekleideten Herrn die Garderobe der angsoffenen Gäste, die nun um Einlass bitten.

„Ihr kommt hier nicht rein.“, brummt er mit verschränkten Armen. Die Party-Partie wird nervös. „Wos?“, „Woin’s uns vaoaschn?“ ist zu vernehmen. Der Türsteher bleibt hart, wiederholt seine Aussage. Da platzt dem Poldi der Kragen: „Wer glaubst du blada Wappla, dasst bist?“ Der Türsteher lächelt milde. „Pass auf, dass di net vablost, du Handtiachl. Und jetz schleichts eich!“

 

Wichtige Worte

Es ist nicht gerade die feine Klinge des Schimpfens, aber meist äußerst wirkungsvoll: Man nehme das Aussehen des Gegenübers und beleidige es gekonnt. Im Wienerischen gibt es hierzu reichlich Vokabular …

 

Die figurbetonte Beleidigung

Blada /-e – Person feister Konstitution, vor allem um die Körpermitte; abgeleitet von „aufgebläht”, oft auch adjektivisch zur Verstärkung der Beschimpfung gebraucht: blade Blunzn, blada Oasch, blade Schastrommel

Gfüüda /-e – „Gefüllter”, Person von beträchtlicher Leibesfülle

Wompata /-e – dickbäuchige Person, abgeleitet von mhd. wambe (Bauch, Mutterleib, vgl. E. womb), adjektivisch einsetzbar: wompata Wappla, wompate Oide

Auszahda /-e – „auseinandergezogene” Person, folglich jemand, der sehr lang und dünn von Statur ist, entspricht etwa der bundesdeutschen Bohnenstange

Luftgsööchta /-e – „an der Luft geselchte”, sehr magere Person

(langer) Lulatsch, m. – sehr groß gewachsener, aber unbeholfen wirkender Mann

Gsteaml, m. – 1. sehr kleiner Mann, 2. Knirps, kleineres Kind

Gstauchter /-e – „gestauchte” Person, folglich jemand, der klein und untersetzt von Statur ist

Gstutzter /-e – „Gestutzter”, kleiner Mensch

Ozwickta /-e – „Abgezwickter”, kleiner Mensch

Zniachtl, n. – Schwächling; kränklicher, dünner Mensch

Handtiachl, n. – ein Mann, der so dünn und zart gebaut ist, dass er wie das namensgebende Handtuch leicht vom Wind verblasen werden kann

(marods) Gstöö, n. – „kaputtes Gestell”, alte, gebrechliche oder gehbehinderte Person

Scheppata /-e – jemand, der so gebrechlich ist, dass er/sie förmlich „scheppert”

Krischpindl, n. – zarte und sehr zerbrechliche alte Person, Namenspatron für dieses immer seltener werdende Schimpfwort war möglicherweise der Heilige Crispinus

Braadoaschata /-e – Person mit markantem und nicht gerade kleinem Hinterteil

 

Detailverliebte Schimpfer könnten auch daran interessiert sein, wie genau man das Gesicht des Gegenübers auf Wienerisch beleidigt.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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