Wien – Leben

Laufen im Prater (c) Mautner stadtbekannt.at
Laufen im Prater (c) Mautner stadtbekannt.at

Sag mir wo die Inlineskater sind …

18. Juni 2013 • Leben

Hat Wien seine Skater verloren?

Inlineskaten war die Trendsportart der 1990er. Seit Jahren sieht man jedes Jahr weniger InlineskaterInnen auf Wiens Straßen. Skateboarden war die Trendsportart der 1980er, doch daran kann man sich kaum mehr erinnern. Wo sind nur die SkaterInnen hin?

Inlineskaten ist ein toller Sport. Man kann es als Laufen+ bezeichnen – Laufen, aber mit mehr Spaß. Kein Wunder, dass sich das Sportgerät, das ein Eishockeyspieler 1979 erfand, um auch im Sommer trainieren zu können, rasch weltweit verbreitete.

In den 90ern fuhr eigentlich jeder mit Inlineskates. HobbysportlerInnen, Profis, SeniorInnen, Eltern mit Kinderwägen, PolitikerInnen und viele mehr. Die Behörden waren sich unklar, was sie mit dem Gerät, das man als Spielzeug und nicht als herkömmliches Verkehrsmittel klassifizierte, anfangen sollten.

Aber die Überlegungen erwiesen sich rasch als sinnlos, denn alle, die eben noch begeistert inlineskateten, hatten rasch wieder die Schnauze voll. Die einen wendeten sich den Rollern zu, die sich aber als unpraktische und wesentlich weniger mobile Variante der Inlineskates erwiesen. Die anderen waren begeistert als Funk und Fernsehen berichteten, Segways seien die Zukunft der Mobilität.

 

Mein Skateboard ist nicht wichtiger als Deutschland

Zehn Jahre davor gab es schon eine andere Zukunft der Mobilität, Skateboards. Die Einstiegshürde erwies sich jedoch als hoch, die Alltagstauglichkeit durch vermehrtes Transpirieren als gering und solcherart verschwand das Skateboard rasch wieder in den Spielzeug und Freizeitbereich. Die Terrorgruppe behielt nicht recht, Deutschland erwies sich als nachhaltig wichtiger als die Mobilitätsfunktion des Skateboards.

 

Die Zukunft der Mobilität

Welch ein Irrtum. Denn auf Rollern sieht man nur noch vereinzelt alternde Bobos in Neubau und der Josefstadt vor sich hin rollen, mit Segways verkehren ein paar TourIstInnen und Inlineskaten wird immer mehr zur Randsportart. Die „Zukunft der Mobilität“ war nichts davon.

Woran liegt das? Spätestens ab den 1990ern greift auch in Wien der Diskurs, dass Autos nicht die Zukunft der Mobilität sind. Fast spielerisch probieren
erwachsene Menschen verschiedenste Fortbewegungsmittel aus und trennen sich von diesen, sobald die mangelnde Funktionalität erkannt wird.

 

Das Fahrrad – einfach praktischer?

Der Sieg des Rades als einziges verbliebenes nichtmotorisiertes Massenverkehrsmittel, kann als steigende Ernsthaftigkeit in der Debatte über die Mobilität der Zukunft gelesen werden. Denn wer mit Inlineskates im Alltag verkehrt, verhält sich kaum anders als jemand, der im Alltag joggt. Schweißflecken auf dem Hemd sind die direkte Folge und die machen sich im Büro, der Uni oder dem Beisl eben nicht so gut. Kein Wunder also eigentlich, dass, sobald die sanfte Mobilität auch im Alltag jenseits der sportlichen Betätigung begann eine Rolle zu spielen, Inlineskates und Roller dem Fahrrad nichts entgegen halten konnten.

Das Fahrrad ermöglicht eine raschere und mühelosere Fortbewegung, als es mit Skates, Skateboard oder Roller möglich ist. Je mehr jedoch die nichtmotorisierte Mobilität den Bereich der Freizeit und des Sports verlässt und im Alltag Präsenz gewinnt, desto wichtiger ist ihre Funktionalität. Bis auf weiteres hat sich in Punkto Funktionalität das Fahrrad gegen all seine Konkurrenten durchgesetzt. Zwar ist es nicht so handlich wie ein Roller oder Skates, aber Bequemlichkeit in der Mobilität schlägt Handlichkeit im Transport eines Gerätes, das eigentlich selbst dem Transport dient und möglichst wenig transportiert werden sollte.

So wird es wohl auch bleiben, zumindest bis jemand die Hooverboards aus „Zurück in die Zukunft“ zur Marktreife bringt.

Inline skaten

Inline skaten

Die Zukunft der Inlineskates

Während das Fahrrad beständig seinen Siegeszug fortsetzt, verschwinden Inlineskates aus dem Bereich des Alltags und kehren zurück in die Welt des Hobby- und Freizeitsports. Dort matchen sie sich mit Rollern, Skateboards und anderen Vehikeln um die knapp bemessene Zeit der FreizeitsportlerInnen. Im Alltag sieht man Inlineskates fast nur mehr entlang der Laufstrecken und beim Nightskating der Wiener Grünen.

Da ist es doch an der Zeit, für Inlineskates eine Lanze zu brechen. Denn im Kurzstreckenverkehr, beispielsweise von der Wohnung zum Supermarkt oder für andere Besorgungen in der näheren Umgebung sind Inlineskates unschlagbar. Schneller, komfortabler und bequemer kommt man anders kaum voran. Im Supermarkt wird man zwar zwischen Regalen herumrollend vielleicht seltsam angesehen,  aber davon geht die Welt nicht unter.

Es wäre an der Zeit, in den Dachboden/ Keller / Abstellkammer zu gehen und die alten verstaubten Inlineskates hervor zu kramen. Denn die vier- oder mehrrolligen Gefährte haben eine zweite Chance verdient!

Daniel Steinlechner

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