Wien – Grätzltipps – 8. Josefstadt

Palais Damian (c) STADTBEKANNT Binder
Palais Damian (c) STADTBEKANNT Binder

Quer durch den Achten 2

30. Jänner 2016 • 8. Josefstadt, Stadtspaziergänge

Stadtspaziergang Teil 2 – Vom Schönbornpark zum Durchhaus Lerchenfelder Straße

Nach UniBräu, Alserkirche und Pole Dance Studio geht’s nun weiter quer, aber eigentlich fast ganz gerade durch den Achten.

 

Ein Sommersitz zum Gernhaben

Nach unserem entspannenden Aufenthalt im Schönbornpark wenden wir uns wieder dem Erforschen der Lange Gasse zu. Auf Nummer 53 stoßen wir auf das Palais Damian. Das Palais Damian, dessen Namen uns übrigens eindringlich an einen kleinen Teufelsbraten aus dem Film “Das Omen” erinnert, wurde um 1700 im Barockstil erbaut und diente seinem ersten Hausherren als Sommersitz. Nach mehrmaligen Umbauten und Besitzerwechseln ist hier heute der Österreichische Behindertenverband untergebracht.

Josefstadt Palais Damian (c) STADTBEKANNT

Josefstadt Palais Damian (c) STADTBEKANNT

Tapas, por favor!

Wer staunend vor dem Palais Damian innegehalten hat, braucht sich nur um 180° zu drehen. Denn auf der anderen Straßenseite liegt ein kleines Stück Spanien: Die Tapas Bar Puerta del Sol. Ohne viel Firlefanz ist die Einrichtung gestaltet: Der Anstrich ist freundlich gelb, die hölzernen Sitzmöbel dunkel und gemütlich. In einem Raum ziert eine überlebensgroße, feurige Flamenco-Tänzerin die Wand – stylish! Zu verkosten gibt es hier zahlreiche gute Weine sowie eine reiche Auswahl an authentischen Tapas. Die Mini-Gerichte reichen von der klassischen Erdäpfel-Tortilla über Serranoschinken, Chorizo (spanische Paprikawurst) und lecker gefüllte Empanadas bis hin zu Lammragout und gebratenen Riesengarnelen. Wie im Urlaub!

Puerta del sol Josefstadt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Puerta del sol Josefstadt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Kerzen, Jazz und gute Laune

Nur ein kleines Stück die Lange Gasse abwärts gewandert, und wir finden auf Nummer 51 ein zweites äußerst erwähnenswertes Lokal: Das kleine, feine Jazz Café Miles Smiles. Hier kommen Musikliebhaber und Freunde des urigen Beisl-Flairs voll auf ihre Kosten: Zum einen, weil man dank des beschränkten Raumes an der Musik immer hautnah dran ist, zum anderen, weil die Stimmung durch die Kombination aus Kerzenlicht und Rauch extrem behaglich und romantisch wird. Somit eignet sich das Miles Smiles nicht nur ausgezeichnet zum Jazz lauschen, sondern auch zum Daten.

miles smiles Foto: STADTBEKANNT

miles smiles Foto: STADTBEKANNT

Herrliche Haarmonie

Neue Frisur gefällig? Neue Haarfarbe? Oder einfach nur professionelle, natürliche Pflege für die strohartigen Büscheln, die sich widerspenstig in alle Richtungen strecken? Abhilfe gibt es im Naturfriseursalon Haarmonie in der Lange Gasse 46. Der moderne und schicke Salon bietet alles, was das Haar schöner und gesünder macht. Egal ob eine Haarwäsche mit reinigender Mineralerde, eine Kräuterölkur mit Kopfhautmassage oder eine pflanzliche Färbung mit Indigo, hier tut man seinem natürlichen Kopfschmuck auf jeden Fall etwas Gutes.

 

Ein Gässchen mit Aussicht

Wir ziehen die Lange Gasse weiter abwärts. Irgendwann tut sich zu unserer Rechten ein Gässchen auf und gibt den Blick frei auf einen der schönsten Barockplätze Wiens – den Piaristenplatz. Idyllisch gesäumt von gelben Klostertrakten (heute Volksschule, Gymnasium und Kindergarten), hofiert von einer prunkvollen Mariensäule und zwei Gastgärten, liegt sie, die Pfarrkirche Maria Treu. Wir genießen die Ansicht und setzen unseren Weg fort, vorbei am Josefstädter Bezirksmuseum und der Alten Backstube, bis wir die Josefstädter Straße erreichen.

Josefstadt Piaristenkirche Maria Treu (c) STADTBEKANNT

Josefstadt Piaristenkirche Maria Treu (c) STADTBEKANNT

Die Fromme Helene

Eigentlich handelt es sich bei der Frommen Helene um ein tragisches Geschöpf aus der Feder des Satirezeichners Wilhelm Busch (wer sich erinnert, die Gute stirbt bei einem Unfall im Alkoholrausch). Nicht weniger Ruhm als die Helene aus dem Buche verdient aber das Gasthaus Fromme Helene an der Ecke Josefstädter Straße / Lange Gasse. Gute Wiener Küche trifft hier auf gemütlich-stilvolles Ambiente und illustre Kundschaft, zu der zahlreiche Schauspieler zählen. Besonders nett ist auch der Gastgarten, eine lauschige grüne Oase im Innenhof des traditionsreichen Gebäudes. Tipp: Je nach Saison warten in der Frommen Helene auch besondere Köstlichkeiten wie Wild oder Gansl …

Fromme Helene (c) Mautner stadtbekannt.at

Fromme Helene (c) Mautner stadtbekannt.at

Bitte Bio!

Gut gestärkt mit einer deftigen Mahlzeit verlassen wir die Gastwirtschaft und tauchen sogleich in die Welt der Marktgenüsse ein. Ein Markt in der Josefstadt? Ja, das ist seit Frühling 2014 Realität. Zwischen Josefstädter Straße und Josefsgasse verwandelt sich die Lange Gasse jeden Samstag in eine attraktive Einkaufs- und Flaniermeile. Der Bio- und Spezialitätenmarkt bietet Feinschmeckern mit Gewissen saisonale und regionale Köstlichkeiten aus nachhaltiger Landwirtschaft. So etwa Bio-Fisch aus dem Waldviertel, g’schmackiges Gemüse oder feine Weine aus Wien und Niederösterreich. Das rege Getratsche zwischen Verkäufer und Kunde und die wie zufällig platzierten Bierbänke schaffen eine familiäre Atmosphäre und verwandeln die Lange Gasse mit ihren schönen niedrigen Häusern und Balkonen in einen Ort der Begegnung.

Definitiv eine Bereicherung für den Bezirk, finden viele Bio-Liebhaber aus der Nachbarschaft.

Josefstadt Biomarkt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Biomarkt (c) STADTBEKANNT Zohmann

G’schichten aus der Lange Gasse

Theaterkenner genießen den Abschnitt Josefstädter Straße bis Josefsgasse doppelt. Zumindest, wenn sie Ödön von Horváths tragikomisches Stück “G’schichten aus dem Wienerwald” kennen und die darin vorkommende “Stille Gasse” korrekt als die Lange Gasse identifizieren. Sogar die Häuser von damals stehen noch. So etwa das gelb gestrichene Haus Nummer 29 mit seinem schwarzen Gitter-Balkon. Es ist der Balkon des Zauberkönigs, dessen Tochter Marianne im Mittelpunkt des Stückes steht. Horváth kannte sich nicht zufällig so gut in der Gegend aus: Er wohnte nur wenige Gehminuten entfernt, erst in der Piaristengasse, dann im Hotel Zipser in der Lange Gasse.

 

Späte Ehrung

Wo sich Lange Gasse und Josefsgasse schneiden, befindet sich ein kleiner Platz mit Baum, Bankerl und Litfaßsäule – der Hugo-Bettauer-Platz. Benannt ist er nach dem Journalisten und Schriftsteller Hugo Bettauer, der in den 1920er Jahren mit seinen sozialkritischen Romanen und aufklärerischen Zeitschriften für Aufregung sorgte. Seine Redaktion befand sich in der Lange Gasse. 1925 wurde er hier von einem Nationalsozialisten erschossen – der Mörder kam beinah ungestraft davon. Erst im Jahr 2010 wurde Bettauer durch die Benennung des Platzes späte Ehre zuteil, auch eine Gedenktafel wurde angebracht.

Josefstadt Hugo-Bettauer-Platz (c) STADTBEKANNT

Josefstadt Hugo-Bettauer-Platz (c) STADTBEKANNT

Sehenswert am Bettauer-Platz ist aber auch ein Kunstwerk, das Eulen-Fans erfreuen wird. Direkt an der Fassade des Baus Lange Gasse 21-23 prangt ein von Josef Seger geschaffenes Mosaik, das drei Exemplare der intelligenten Nachtvögel zeigt.

Josefstadt Eulenmosaik (c) STADTBEKANNT Zohmann

Josefstadt Eulenmosaik (c) STADTBEKANNT Zohmann

Wo Fuchs und Eule sich gute Nacht sagen

Weiter geht es mit den Eulen – und zwar bei Esca in der Lange Gasse 19. Wer allgemein eine Schwäche für Waldtiere und kunstvoll gestaltete Märchenmotive hat, sollte hier vorbeischauen. Der Designerladen, der übrigens von zwei Geschwistern betrieben wird, besticht mit liebevoll und präzise bedruckten T-Shirts, Kleidern, Schmuck und Accessoires. Ob Eule, Fuchs, Luchs, freundlicher Blaubart, Oktopus mit Schnurrbart, Schlingpflanze oder Grinsekatze – die Ideen für coole Prints scheinen hier niemals zu versiegen.

Esca (c) STADTBEKANNT Moser

Esca (c) STADTBEKANNT Moser

Tapas, once again!

Wir sind nun schon eine ganze Weile unterwegs, und langsam ist ein Ende der Lange Gasse absehbar. Wie wäre es nun, sich noch einmal kulinarisch zu stärken? Eine gute Möglichkeit dazu bietet die Taquería los Mexikas, das zweite Tapas-Lokal auf unserem Weg, diesmal mit mexikanischem Einschlag. Rustikal, bunt und atmosphärisch wirkt der Innenraum, und wir fühlen uns sofort wohl. Noch wohler fühlen wir uns, als wir die feurigen Tacos probieren und die ersten Schlucke kühlen Gerstensaftes zu uns nehmen. Und hier, bei Tacos und Bier, endet unser Spaziergang der unendlichen Möglichkeiten… Fast.

Taquiera los Mexikas Josefstadt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Taquiera los Mexikas Josefstadt (c) STADTBEKANNT Zohmann

Durch das Haus aus dem Achten hinaus

Was für ein Tag! Die letzte Mahlzeit ist beendet, und es geht langsam aber sicher nach Hause. Die ruhige untere Lange Gasse mündet in die breite Lerchenfelder Straße. Wir überqueren sie und finden – zur Krönung des Abends – einen architektonischen Schatz: Das Durchhaus Lerchenfelder Straße 13. Wer diesen Weg einschlägt, gelangt durch drei idyllische Innenhöfe mitten in den Siebenten und entdeckt dabei allerlei Interessantes. Aber mehr davon später, für heute ist Schluss. Immerhin: Auch unsere nächsten Spaziergänge stecken voller Genuss!

Durchhaus Lerchenfelder Straße 13 (c) STADTBEKANNT Zohmann

Durchhaus Lerchenfelder Straße 13 (c) STADTBEKANNT Zohmann

 

Quer durch den Achten Teil 2

 

Route

Ausgangspunkt: Schönbornpark
Endpunkt: Durchgang Lerchenfelder Straße 13
Start: Schönbornpark -> die Lange Gasse immer geradeaus bis zur Lerchenfelder Straße

 

Josefstädter Hotspots 2

Palais Damian – Lange Gasse 53
Puerta del Sol – Lange Gasse 52
Miles Smiles – Lange Gasse 51
Haarmonie Naturfrisör – Lange Gasse 52
Blick auf Maria-Treu
Fromme Helene – Josefstädter Straße 15
Biomarkt Lange Gasse
Hugo Bettauer Platz
Esca – Lange Gasse 19
Taquería los Mexikas – Lange Gasse 12
Durchhaus Lerchenfelder Straße 13

 

Quer durch den Achten Teil 1

Josefstädter Hotspots 1

UniBräu
Höfe im Alten AKH
POC – People on Caffeine
Alserkirche
Confiserie Engelecke
Tischtennis-Center
Pole Dance Studio Elfenbein
Österreichisches Museum für Volkskunde
Schönbornpark

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