Wien – Wienerisch

Wienerisch - Sauprolet (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Sauprolet (c) STADTBEKANNT

Proleten, Gsindl, gspritzte Bagage

25. April 2016 • Wienerisch

Schimpfen kann man lernen

„A so a Sauprolet!”

In der zur überhöhten Selbstwahrnehmung tendierenden Wiener Mittelschicht ist es nicht unüblich, Menschen aus der (vermeintlichen) Unterschicht mit Schmachworten zu bedenken. Der Klassiker: Prolet.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff Proletariat allgemein die Klasse der Hackler („Arbeiter”) und wurde zum marxistischen Kampfbegriff („Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”). Die Verwendung des Proleten als Schimpfwort ist vergleichsweise jung und erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts üblich. Aber auch die Bedeutung hat sich verschoben: Wer jemanden als Prolet / Sauprolet / Prolo bezeichnet, möchte nicht primär dessen Schichtzugehörigkeit anprangern, sondern ihm vor allem Kulturferne, Geschmacklosigkeit oder vulgärungehobeltes Verhalten unterstellen. Für alle, die nicht genau wissen, was damit gemeint ist: Das Privatfernsehen strotzt vor haarsträubenden Geschichten über diese Schichten (siehe RTL 2-Sozialpornos aka Dokusoaps).

Apropos Populärkultur: Ein Prolet wird zwar immer noch eher einem niedrigen sozioökonomischen Status zugerechnet, doch es gibt auch Proleten mit Geld. Diese haben finanziell ausgesorgt, zeichnen sich aber nach wie vor durch klischeehaftes Auftreten und Materialismus (Markenkleider, Styling, getunte Autos, protzigen Schmuck etc.) aus. Viele Geldproleten schaffen es dauerhaft in die Klatschspalten diverser Medien und erheitern uns mit ihren Eskapaden. Manche kandidieren sogar für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Aber nun zu einem anderen Thema.

Während Ex-Politiker Stefan Petzner den Trend des Übernachtens im Solarium in Kärnten populär machte, war der Prolotoaster in Wien bereits längst Standardinventar und in aller Munde. Vor allem jugendliche Proleten der Vorstadt schmeißen sich gern in einen solchen, um ihm mit orangefarbenem Gesicht und Verbrennungen 1. bis 2. Grades wieder zu entsteigen.

Übrigens, prolo wird auch als Adjektiv verwendet, etwa in Sätzen wie: „Schau her, dera ihr Tigerkleidl, des is so prolo!”

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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