Wien – Debatte

Der internationale Frauentag Foto: Internationaler Frauentag 1948, Berlin, Bundesarchiv
Der internationale Frauentag Foto: Internationaler Frauentag 1948, Berlin, Bundesarchiv

Pro / Contra Frauentag

8. März 2016 • Debatte

Der internationale Frauentag

Das F-Wort: der Frauentag bietet Anlass für Kontroversen. Wir haben ein kurzes Pro/Contra zu diesem wichtigen Thema verfasst.

PRO (c) STADTBEKANNT

PRO (c) STADTBEKANNT

Erinnerung

Es gibt tausend gute Gründe, den Weltfrauentag zu begehen. Auch abseits vom allgegenwärtigen „Feiern der Weiblichkeit“, zu dem der Weltfrauentag offenbar mittlerweile verkommen ist – der Weltfrauentag hat allein von seiner Definition her schon einen Sinn: Es ist der „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“, der begangen wird, „um an den historischen Kampf für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Frauen zu erinnern“ – ein Kampf, der bis heute weitergeführt wird und werden muss.

 

Gleichstellung?

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist in unserer Gesellschaft nur eine scheinbare und existiert vielleicht höchstens de jure: Diskriminierung von Frauen findet ständig und überall statt und ist zur Normalität geworden. Frauen verdienen bei gleicher Leistung weniger, haben weniger Führungspositionen inne und werden weniger oft eingestellt. Selbst die „Frauen an den Herd“-Mentalität ist gerade in Österreich noch unter vielen Herren der Schöpfung verbreitet. Bei dieser Lage sollte wohl niemand behaupten, der Weltfrauentag wäre unnötig. Und auch wenn der Weltfrauentag die Lage natürlich nicht schnell und auf wundersame Weise ändern wird – zumindest ruft er einmal im Jahr die volle Aufmerksamkeit für die Lage der Frauen in der Gesellschaft hervor und trägt damit dazu bei, die Situation der Frauen nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen – und das ist sehr wichtig. In diesem Sinn: Hoch der Weltfrauentag!

CONTRA (c) STADTBEKANNT

CONTRA (c) STADTBEKANNT

Alles Pseudo

Ja – Pseudo-„Awareness“- und Schönrede-Debatten können wirklich nichts an den Tatsachen ändern, nämlich dass Frauen nach wie vor weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, dass Frauen weniger oft in Führungspositionen kommen und einfach immer wieder an gläserne Decken und Wände stoßen. Selbst in westlichen Gesellschaften, wo die Genderdebatte nun schon seit einer halben Ewigkeit geführt wird, ist „man“ als „Frau“ nach wie vor Bürger zweiter Klasse. Der Weltfrauentag wird nun zwar schon seit dem ersten Weltkrieg begangen, geändert hat er die Verhältnisse allerdings recht wenig.

 

Augenauswischerei

Im Gegenteil: wenn man sich den Weltfrauentag heute ansieht, dann kommt man eher zu dem Schluss, dass seine Funktion sich ins Gegenteil verkehrt hat, dass er den Status Quo einzementieren soll, indem er als Feigenblatt für eine nach wie vor von antiquierten Rollenvorstellungen beherrschte, patriarchalische Gesellschaft fungiert. Sieht man nämlich nach, wo sich der Frauentag im Alltag manifestiert, so kommt man auf „Minus 20 Prozent für Frauen“ beim Shopping, freier Eintritt für Damen überall und ein herzliches „Wir lieben euch Frauen“ von allen Seiten – Demonstrationen, Diskussionen und dergleichen finden eher an den unteren Rändern der Aufmerksamkeitsschwelle oder gleich hinter verschlossenen Türen statt – offenbar verkennen auch viele Frauen den eigentlichen Sinn dieses Tages.

Fast am Schlimmsten ist es, dass manche Männer sich bemüßigt fühlen, den Damen einen „schönen Frauentag“ zu wünschen oder sie noch dazu zu diesem eigentlich Tag des Kampfes zu beglückwünschen, als wäre es ein allgemeiner Muttertag. Und dass die Herren der Schöpfung dann oft gleich nach einem Männertag rufen, ist ebenfalls ein unangenehmes, aber durchaus passendes Nebengeräusch in dieser Debatte.

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