Lifestyle – Im Gespräch

Petra Berger (c) STADTBEKANNT Michael Grabner
Petra Berger (c) STADTBEKANNT Michael Grabner

Petra Berger im Gespräch

16. September 2013 • Im Gespräch

Stadtbekannt hat die junge Wienerin zum Gespräch gebeten!

Petra Berger, ihres Zeichens die Hälfte des Wiener Visual Duos „Mottenlicht“, mischt seit einigen Jahren die Zunft der Videokünstler in der Hauptstadt ordentlich auf. Clubs, Konzerte, Open Airs oder Vernissagen wurden bereits visualisiert. 

 

Stadtbekannt: Servus Petra! Jetzt bist du schon fast fünf Jahre als VJ aktiv. Erzähl doch bitte mal wie du dazu gekommen bist.

Petra Berger: Wo soll ich da anfangen? Also mich haben ehrlich gesagt in Clubs die Visuals fast mehr interessiert als die Musik. [Lacht] Wenn es denn welche gab. Ich hab das immer ganz großartig gefunden, wenn das musikalische visualisiert wurde und ich bin ganz gefesselt mit offenem Mund dagestanden. Und eine Bekannte von mir hat das damals noch bei Studentenheim Partys gemacht und ich war so begeistert, dass ich sie drauf angesprochen hab und sie hat mich dann einfach auf einer Party mit Kurzeinführung machen lassen. Mir hat es gleich total gefallen und kurze Zeit später haben wir dann schon gemeinsam in Clubs visualisiert.

Stadtbekannt: Liebe auf den ersten Clip also. Hast du damals erwartet, dass du so lange und erfolgreich visualisieren wirst?

Petra Berger: Ich hatte nie den Anspruch da total erfolgreich zu werden, mir macht es einfach Spaß und jeder Gig ist eine spannende Herausforderung und Ansporn wieder etwas Neues zu produzieren. In erster Linie ist mir wichtig, dass es nicht zur lästigen Fließbandarbeit wird und wir Freude dran haben uns bildlich auszutoben, wie wir wollen und uns nicht viel rein geredet wird, obwohl wir uns thematisch auch gern an die Veranstaltung anpassen.

Stadtbekannt: Wo liegen da die Unterschiede? Wie unterscheiden sich beispielsweise die Bilder einer von euch visualisierten Vernissage und einer Clubnacht?

Petra Berger: Es hängt natürlich sehr von der Musik ab, die dort läuft. Welche technischen Gegebenheiten vorhanden sind, was man selbst organisieren muss, von den Veranstaltern und auch dem Publikum. Aber in erster Linie inspiriert natürlich die Musik. Es gibt kaum spezielle Wünsche. Meistens nur thematische und da hat man ja auch wieder große Interpretationsfreiheit.

Stadtbekannt: Das eure Interpretation immer passend ist, habt ihr ja schon oft genug bewiesen. Woher bekommt ihr eigentlich die Clips und Materialien aus denen eure Sets bestehen? Self made?

Petra Berger: Wir produzieren am liebsten auf unseren Reisen und lassen uns von dem fremden Ambiente motivieren. Da ist man immer wieder überrascht, wie ganz einfache Dinge, ganz groß auf der Leinwand rüberkommen. Was wir auch sehr gerne machen, ist mit Live-Kamera arbeiten und Live Kollagen aus Zeitungsschnipsel zusammenbasteln und das wiederum mit anderem Material mischen. Weiters den DJ dann noch integrieren oder das Publikum interaktiv einbeziehen und sie Live schreiben, kritzeln oder zeichnen lassen.

Stadtbekannt: Krass. Da sind der Fantasie ja praktisch keine Grenzen gesetzt. Ein Set richtig von vorne bis hinten durchzuplanen dürfte in diesem Fall ja unmöglich sein. Wie sieht eure Vorbereitung auf einen Gig denn aus?

Petra Berger: Ja, das ist fast unmöglich. Das hatten wir bis jetzt nur bei einer Release-Tour, wo wir genau die Abfolge der Songs kannten. Aber meistens wissen wir gerade in etwa die Abfolge der DJs und Musiker und die musikalische Richtung und da wird man oft auch noch überrascht und man bekommt statt elektronischen Klängen Hip-Hop geliefert. Aber das ist auch die Kunst und das Aufregende, dass man sich dann völlig spontan auf den Auftritt einlässt. Davor basteln wir meistens noch ein paar neue Clips und bauen gemeinsam mit bestehendem Material samt Evergreens ein Set aus vielen, vielen Clips und spielen während dem Gig dann völlig spontan aus dem Set. Das bedeutet, wir arbeiten während dem Gig eigentlich sehr flexibel.

Stadtbekannt: Verschiedene Klänge. Interessanter Aspekt. Gibts irgendwelche Präferenzen eurerseits? Was visualisiert ihr denn am liebsten?

Petra Berger: Also ehrlich gesagt schon zu elektronischer Musik. [Lacht] Sie lässt sehr viel Spielraum offen. Für provokantes oder verträumtes, für verspieltes oder düsteres. Aber auch für politisches oder lyrisches und episches usw. Wir sind aber trotzdem sehr offen für viele andere Musikrichtungen, die auch echt gut funktionieren.

Stadtbekannt: Wie kommt ihr zu euren Gigs? Macht ihr viel Eigenpromotion? Oder funktioniert das anders?

Petra Berger: Mit Eigenpromotion sind wir bis jetzt noch ziemlich faul. Gigs ergeben sich alle immer irgendwie. Die Anfragen kommen meistens über Connections oder über Mund zu Mund PR. Einiges bekommen wir auch von Sound:frame zugeschanzt. Promotechnisch haben wir eigentlich nur unsere Facebook Seite, wo wir auf Shows hinweisen, bei denen wir visualisieren. Und natürlich unsere Homepage zu Infozwecken, dass sich Leute, die es interessiert, ein Bild von uns machen können.

Stadtbekannt: Wie steht ihr dazu, dass VJs oft sehr unterschätzt und unterbezahlt werden? Ihr bekommt ja für eine ganze Nacht Arbeit oft nur so viel Gage wie ein DJ für ein oder zwei Stunden.

Petra Berger: Das freut uns natürlich nicht! Visuals gehören zwar mittlerweile zu einem professionellen Partykonzept dazu, aber sie werden als eher zweitrangig gesehen und die finanziellen, zeitlichen als auch örtlichen Umstände für Visualisten, unter denen sie arbeiten sollen sind oft ziemlich prekär. Aber wir vertreten die Ansicht, dass sich niemand unter seinem Wert und seinem Aufwand verkaufen soll. Freude über Gig hin oder her. Wenn wir da nicht wertgeschätzt werden, was sich auch sehr über die Gage zeigt, dann arbeiten wir nicht. Weil, das wirkt sich ja auf alle Visualisten negativ aus.

Stadtbekannt: Schön gesagt! Zum Abschluss noch die Frage nach deinem bisher besten Gig? Gabs irgendeinen, der dir in besonderer Erinnerung geblieben ist? Warum?

Petra Berger: Schwierigste Frage. [Lacht] Ich muss sagen, es macht natürlich für einen selbst am meisten Freude, wenn man für Musiker oder Musikerinnen was macht, die man auch selbst ziemlich gut findet und noch besser, wenn von denen dann auch noch ein cooles Feedback auf unsere Arbeit kommt.

Stadtbekannt: Petra, ich bedanke mich ganz herzlich für deine Zeit und wünsche alles Gute!

Petra Berger: Gerne!

Michael Grabner

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