Wien – Grätzltipps – 13. Hietzing

Hofpavillon Hietzing (c) STADTBEKANNT Engstler
Hofpavillon Hietzing (c) STADTBEKANNT Engstler

Pavillon des k. u. k. Allerhöchsten Hofes

24. Juni 2014 • 13. Hietzing, Wien

Wer von den Stadtkindern sich einmal an den Rand der Stadt zu wagen traut, bei der U4 Station Hietzing Halt macht, nach oben geht, und den Blick Richtung stadteinwärts schweifen lässt, erblickt ihn sofort, den frisch renovierten Otto Wagner-Hofpavillon. Nach zweijähriger Renovierung erstrahlt dieser nun wieder in seinem neuen, alten Glanz und ist als Außenstelle des Wien Museums für die Öffentlichkeit zugänglich. Und es lohnt sich, diesem Gebäude einen Besuch abzustatten – und zwar nicht nur für Architekturfans.

 

Für Franz Joseph, aber nicht wirklich von diesem genutzt

Mit Ende des vorvorherigen Jahrhunderts wurde die Wiener Stadtbahn massenverkehrstauglich. Damit beauftragt, den Stationen einen besonderen Glanz zu verleihen, wurde der Architekt Otto Wagner, der wohl allen Wienerinnen und Wienern ein Begriff ist. (Für all jene, denen dieser Name kein nichts sagt, gilt: unbedingt nachlesen um Geschichstlücken zu schließen.)

 

Gebaut wurde der Pavillon dann eben im Zuge des besagten Stadtbahn-Ausbaus im Jahr 1899, und zwar als Haltestelle für unseren damaligen Kaiser und den „Allerhöchsten Hof“. Prunkvoll sollte es werden und angelehnt an den Stil und die Bauweise des Schönbrunner Schlosses in der Nähe. Wenn man der Legende glaubt, hat der Kaiser den Pavillon allerdings nur zwei Mal benutzt. Eigentlich sehr schade für Franzl, denn dieses Gebäude war und ist immer noch ein wunderschönes Juwel der (damaligen) Wiener Baukunst – „im modernsten Styl der Gegenwart“ (Neue Freie Presse).

Foto: STADTBEKANNT Hofpavillon Hietzing

Foto: STADTBEKANNT Engstler

Wo sind denn nur die Möbel hin? Und andere erwähnenswerte Besonderheiten

Der „Pavillon des k. und k. Allerhöchsten Hofes“ ist wohl der schönste unter den noch erhaltenen Haltestellen Otto Wagners. Warum? Aufgrund einer schmiedeeisernen Auffahrt und Außenbeleuchtung und einer ziemlich schicken Innenausstattung mit vergoldeter Mahagoni-Vertäfelung, wunderschönen Tapeten, einem riesengroßen Teppich sowie einem Stadtplan aus dem Jahr 1899. (Das Parlament sucht man auf diesem übrigens noch vergebens.) Auch die Originalmöbel wurden von Otto Wagner entworfen, sind aber leider verschollen.

Zwei heute nicht mehr vorhandene Abgänge führten zu den „Perrons“. Auch hier hatte sich der Architekt etwas Besonderes für den Kaiser einfallen lassen. Da dieser nämlich die Bahnsteige der „Otto-Normal-Reisenden“ benützen musste, plante Wagner ein Segel aus rotem Samt unter dem Bahnsteigdach, um den Kaiser von den übrigen Reisenden abzuheben.

Foto: STADTBEKANNT Hofpavillon Hietzing

Foto: STADTBEKANNT Engstler

Die verschiedenen geschichtlichen Stationen

Nach dem Ende der Monarchie wurde der Pavillon dann nicht mehr als Haltestelle verwendet und so zog für mehrere Jahre der Bildhauer Josef Haberl-Calo ein. Herr Haberl-Calo nützte den Pavillon als Wohnung und Atelier. Ein wunderschöner Ort um zu wohnen und arbeiten, wenn ihr mich fragt, zumal dort zu dieser Zeit noch nicht 10.000te Autos täglich vorbeigerast sind.

Im Jahr 1923 wurde der Pavillon und die Stationen Alser Straße und Schönbrunn unter Denkmalschutz gestellt. Zurecht und zum Glück!

Später dann wurde das Gebäude für 30 Jahre an das Österreichische Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum vermietet.

Danach wurde Ende der 1980er Jahre zum ersten Mal saniert und eine Außenstelle des Wien Museums eingerichtet. 2011 wurde der Pavilllon wieder geschlossen – schwere bauliche Mängel waren dafür verantwortlich. Danach wurde nochmals saniert – diesmal richtig, grundlegend und umfassend.

Foto: STADTBEKANNT Hofpavillon Hietzing

Foto: STADTBEKANNT Engstler

Der Diebstahl

Für Aufregung im Rahmen der zweiten Renovierung sorgte der Gold-Diebstahl vom Dach des Gebäudes im Wert von mehreren Tausenden Euros. Ziemlich große Reichsinsignienäpfel mit Kreuz und zwei vergoldete Kordeln wurden da aus der Verankerung gerissen und mitgenommen. Über das Baugerüst gelangten die Diebe zu deren Beute. Wie das vermutlich recht große und schwere Diebesgut abtransportiert wurde, darüber kann nur gemutmaßt werden. Seitdem sind, neben den Möbeln, eben auch die goldenen Äpfel und Kordeln verschwunden. Es gilt abzuwarten, ob die Beute jemals wieder auftaucht (Wir erinnern uns an die Saliera.), denn auf dem Kunstmarkt gilt dieses Diebesgut als schwer verkäuflich.

 

Und heute?

Seit dem 21. Juni erstrahlt der Hofpavillon nun wieder in seinem früheren imperialen Glanz, viele Originalelemente wurden aufwändig renoviert und sind somit erhalten geblieben. Auf einen architektonischen Laien wirkt das Gebäude jedenfalls als gelungen renoviert.

Als Dependance des Wien Museums kann der Pavillon nun wieder besucht werden und zwar jeweils an Sams- und Sonntagen von 10.00 – 18:00 Uhr und an jedem 1. Sonntag im Monat kostenlos. Die Geschichte des Gebäudes sowie der Stadtbahn wird anhand von Plänen und Fotos erklärt. Für all jene, die noch mehr darüber erfahren möchten, gibts auch Führungen.

Pavillon des k. und k. Allerhöchsten Hofes

zwischen Schloss Schönbrunn und U-Bahnstation Hietzing
1130 Wien

Öffnungszeiten
Sa – So: 10:00 – 18:00 Uhr
an jedem 1. Sonntag im Monat kostenlos

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