Kultur

Pantha du Prince
Pantha du Prince

Pantha du Princes

20. Mai 2013 • Kultur1 Kommentar zu Pantha du Princes

Elektroakustische Mystik

Hört man „elektronische Clubmusik“ denken die meisten an amphetamin-getriebene, verschwitze Körper, die bei pulsierendem Stroboskopgewitter zu treibenden Beats wie in Trance tanzen. Das elektronische Clubmusik aber auch ein elektroakustisches Gesamtkunstwerk, eine konzeptualistische Tonlandschaft sein kann, das beweist Hendrik Weber, besser bekannt als Pantha du Prince.

Namen und Pseudonyme hat Hendrik Weber einige. Mal ist er Panthel, manchmal Glühen oder er ist Mitglied der Band Stella. Die meiste Zeit aber ist er Pantha du Prince. Pantha du Prince, das ist musikgewordener Eskapismus, eine Idee von Klanglandschaften in denen man sich verläuft und verliert, reverieartige Tanzmusik und romantische Selbstvergessenheit. Was im ersten Moment nach einem eremitischen Klangneurotiker und Soundtüftler klingen mag, der fernab des Weltgeschehens seine Symphonien komponiert, den täuscht der erste Eindruck. Webers Kompositionen sind nämlich durchaus clubtauglich. Allerdings läuft so ein Abend dann anders ab, statt treibender Technobeats, tobender Menge und greifbarem Exzess wiegt sich ein ruhiges Publikum andächtig-entrückt zu Webers Klangkulisse. Weber, der zumeist schwarz gekleidet wie ein Zeremonienmeister oben, hinter dem DJ-Pult steht, und selbstvergessen am Laptop seine Klangwelten kreiert: Das sind mal konkrete Melodien, dann wieder lässt er die Menge sich in seinen schwebenden Klangnebel verlieren, dazwischen ein kaum hörbares Geästel aus Glöckchen und schüchternem Knacksen: Hendrik Weber materialisiert das eigentlich Unhörbare, konkretisiert ein fast mystisches Erleben von Musik. Was seine Musik so einzigartig, so anders macht als das, was man sonst auf dem elektronischen Markt zu hören bekommt? Vermutlich seine Neuinterpretation eines verstaubten Genres: Der Musique Concrète.

 

Im Wechselspiel des Bruchs

Musique concrète, diese etwas in Vergessenheit geratene Musikrichtung, bei der Klänge aus Natur, Technik und Umwelt in vivo mit einem Mikrofon eingefangen und die dann durch Montage, Loops und Bandschnitten verfremdet und Teil einer Komposition werden. Und jene Technik machte sich Hendrik Weber für sein zuletzt erschienen Album „Black Noise“ zueigen: In den Schweizer Alpen, genauer in dem kleinen Dörfchen Atzmännig, fing er die raue Natur ein, von den tiefsten Tälern bis zu den einsamen Bergspitzen. Einem Feldforscher gleich nahm er diese akustischen Bodenproben mit in sein Klanglabor, um sie dort auf ihre Beschaffenheit hin zu untersuchen. Was in den Bergen als Geräuschkulisse, als Klangwand wahrgenommen wird, spaltet Weber in seine Einzelteile auf, er sondiert jedes Knirschen, Rascheln, Säuseln und Knacken. Und dieses Destillat dient ihm als Baustein für seine akustischen Hybride, er verquickt durch die Verwendung fragmentierter Naturaufnahmen und synthetischen Beats Natur und Technik, verwebt Analoges und Digitales. Das daraus resultierende Klangerlebnis ist ein akustisches Kippbild, ein Wechselspiel des Bruchs zwischen Naturklängen und technoiden Tönen. Und genau an dieser Bruchstelle wird etwas hörbar, was Hendrik Weber als „Black Noise“, also schwarzen Lärm bezeichnet: nämlich das Ungehörte und Unerhörte erfahrbar zu machen, eine für den Menschen unhörbare Frequenz zu vertonen, ein Dazwischen hörbar zu machen.

Und dieser liebevolle Umgang mit jedem Geräusch, jedem Ton macht Hendrik Webers Musik so einzigartig. In Zeiten von Retortentechno und Instantsounds zelebriert er die Unantastbarkeit und Aura des Originals, bringt in eine steril gewordene Musikszene so etwas wie Leben zurück.

Laura Windhager

Weitere Artikel

Eine Antwort auf Pantha du Princes – Verstecken

  1. Mark sagt:

    PdP
    Schöner Artikel. Toller Musiker. Morgen wird sicher schön.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »