Wien – Wienerisch

Maukas Gehen - Maria Antonia Graff
Maukas Gehen - Maria Antonia Graff

Okrotzn in Wean

8. April 2016 • Wienerisch

Gekonnt sterben in Wien

Der Wiener Zentralfriedhof ist gut 2,5 Quadratkilometer groß. Unter der Oberfläche des Areals begraben sind rund 3 Millionen Menschen – mehr, als Wien heute lebende Einwohner hat.

Kein Wunder also, dass das Morbide und Melancholische schon immer in Wien zu Hause war. Selbst heitere Wienerlieder haben oft etwas Schwermütiges an sich – als ob direkt hinter’m Heurigenbankl („Bank in der Weinschenke”) stets drohend der Sensenmann stünde.

Nun ist aber „sterben” ein fades Wort. Immerhin kann man ja auf vielfältige Weise ex gehn. Kompromisslos wie uneinfühlsam sagt man zum Sterben auch krepiern („krepieren”), varreckn („verrecken”), vakumman („verkommen”), eigehn („eingehen”) oder schlicht vagehn („vergehen”). Aber auch über das Hinterteil kann man den Tod einer Person ausdrücken: Wer an koidn Oasch kriagt hot („einen kalten Hintern bekommen hat”), ist ebenso reif für den Zentralfriedhof wie jemand, der si an Oasch auskeglt hot („sich den Hintern ausgekegelt hat”).

 

Hier eine kleine Liste, wie man in Wien stirbt:

de Potschn streckn – die Pantoffel strecken

de Wiama fiadan – die Würmer füttern

ins Gros beißn – ins Gras beißen

si d’Schleifn gebm – sich die Schleife („Grabdekor”) geben

si de Erdöpfe vo untn oschaugn – die Kartoffel von unten betrachten”

si ins Holzpyjama haun – den Holzpyjama („Sarg”) anlegen

in de Kistn hupfm – in die Kiste („Sarg”) springen

a Bankl reißn – eine Totenbank zeichnen (von hist. reißen = ritzen, skizzieren, zeichnen)

mitn Anasiebzga foan – mit der Straßenbahnlinie 71 zum Zentralfriedhof fahren

die Bock aufstöön – die Schuhe aufstellen

an Ogaung mochn – einen Abgang machen

an Leffl ogebm – den Löffel abgeben

da Gwigwi – der Tod, der Knochenmann

maukas gehn – sterben (von jidd. mocho = “ausgelöscht sein”)

 

Wem das nicht reicht, dem sei Roland Neuwirth’s „Echtes Wienerlied” empfohlen – rund 17 Synonyme für’s Okrotzn werden hier besungen!

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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