Wien – Wienerisch

Prater Schlafender Radfahrer (c) Mautner stadtbekannt.at
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Nixtuan in Wean

11. Mai 2016 • Wienerisch

Von Owezahrern, Tachinierern und anderen faulen Hawarern

Die Wiener Gemütlichkeit ist sprichwörtlich und macht auch vor dem Berufsleben nicht Halt.

Alles zackig und schnellstmöglich erledigen? Naa, nur net hudln. Bekanntlich ist ja übermäßige Eile (hudln = „hetzen”, „sich extrem beeilen”) auch nicht gesund.

Steigert sich die Gemütlichkeit weiter in Richtung Faulheit, spricht man vom Owezahn (wörtl. owe = „herunter”, zahn = „ziehen”). Das Owezahn bezeichnet ein dezitiert langsames, unaufgeregt-unmotiviertes Arbeiten, das nah am Nixtuan („Nichtstun”) ist, aber dann doch ein bisserl nach Arbeit ausschaut. Jemand, der so nachlässig hackelt („arbeitet”), ist ein Owezahrer (m.) oder ein faules Trumm (f.).

Nun kann es aber sein, dass jemand gar nicht am Arbeitsplatz erscheint – vielleicht, weil er wirklich krank ist, vielleicht aber auch, weil er tachiniert („Arbeitsunfähigkeit oder Krankheit simuliert”). Das Wort Tachinierer (vermutlich von Rotwelsch tarchener = „Bettler”, „Betrüger”) war früher vor allem in der Soldatensprache gebräuchlich und bezeichnete Heeresangehörige, die sich mit irgendwelchen kunstvollen Ausreden vor dem Dienst drückten. Jemand, der tachiniert, leidet sprichwörtlich an Tachinose oder Tachinitis.

Auch unter Schülern ist die Tachinitis häufig. Um Schui stangeln („Schule schwänzen”) zu können, wird Kopfweh, eine böse Fußverstauchung oder schlicht Übelkeit simuliert – und schon kann im Freibad gepöözt (wörtl. „gepelzt” = auf der faulen Haut herumgelegen) werden, anstatt im Klassenzimmer zu hocken. Ob aus Schuistanglern später einmal notorische Pööza und Owezahrer werden, steht aber in den Sternen …

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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