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Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
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Nationalfeiertag – Stadtbekannt zeigt wie man diesen gebührend begeht.

25. Oktober 2011 • Skurriles8 Kommentare zu Nationalfeiertag – Stadtbekannt zeigt wie man diesen gebührend begeht.

Heute Abend wird uns unser Bundes Hei-Fi wieder mit seinem elegischen Jammern beehren. Er wird davon erzählen, wie stolz wir sein dürfen, stolz auf unser kleines, großes Österreich. Doch bevor wir uns dieser Selbstbeweihräucherung hingeben, sollte erst einmal der Nationalfeiertag gebührend gestaltet werden. Denn schließlich sind wir heute, mehr als sonst, Österreicher, also benehmen wir uns auch so. Stadtbekannt zeigt, wie man den Nationalfeiertag am besten begeht.

9:00 Uhr Kronen Zeitung lesen.

Am liebsten lässt sich der Österreicher seine Meinung bilden, und das vorzugsweise vom heimlichen Souverän Österreichs. Die Kronen Zeitung ist die breite Schulter des imaginären großen Bruders, an der sich Herr und Frau Österreicher ausheulen können, wenn wieder einmal etwas nicht seinen oder ihren Vorstellungen entspricht. Und wenn der Österreicher einmal nicht weiß, was er bei der nächsten Nationalratswahl ankreuzen soll, macht nichts, die Krone gibt‘s schon vor. Wie sagte es der verstorbene Schlingensief einmal so schön: „Die wahre Partei sind die Boulevardblätter“.

12:00 Uhr Wiener Schnitzel essen.

Raus aus dem Pyjama, rein in die Lederhosen und die Pfannen mit Öl einfetten. Denn was, wenn nicht ein goldbraun gebackenes Wiener Schnitzel kommt auf des Österreichers Teller. Und wehe, es handelt sich dabei um ein Schnitzel Wiener Art oder ein Frankenstein-Schnitzel á la Wiener Schnitzel vom Schwein, das sind alles nur jämmerliche Imitationen der Cholesterin–Schleuder made in Italy. Aber das verschweigen wir Österreicher immer gerne.

13:00 Uhr Cordoba gucken.

Um dem eigenen Minderwertigkeitskomplex, den der Österreicher scheinbar seit dem Fall der Habsburger Monarchie pflegt und mittlerweile fast lieben gelernt hat, zu entgehen, beruft man sich immer wieder gerne auf Ereignisse zurück, in denen sich der Österreicher als Gallier unter Römern fühlen darf. Österreich, die Spaßnation, der Reststaat, den keiner wollte. Das einzige, was blieb, ist die Bürokratie von damals. Aber es gibt ein Ereignis, wo allein der Name des Ortes, an dem es sich abgespielt hat, jeden vor Ehrfurcht erstarren lässt: Cordoba. Es reicht allein, es auszusprechen – „Cordoba.“ – und der Österreicher schnalzt vor Entzückung die Zunge. „I werd narrisch“ wurde praktisch zu einem kollektiven Ausdruck österreichischer Siegermentalität, auch wenn es nichts zu feiern gibt. Österreich kam trotz des Sieges über Deutschland bekanntlich nicht weiter in die nächste Runde der Fußball Weltmeisterschaft, doch das scheint den Österreicher bis heute nicht zu interessieren, Hauptsache ist doch, wir ziehen jemanden anderen mit in den Abgrund. Und wenn’s die Deutschen sind? Umso besser. Dies geht übrigens einher mit …

13:00 Uhr Den Deutschen hassen.

Nichts ist einem so zuwider als das, was einem gleicht, und darum hasst der Österreicher den Deutschen. Um sich also so richtig österreichisch zu fühlen, muss der Deutsche als Lieblings-Feindbild herhalten. Diese Les Fritz, diese Krauts, mit ihren bis zum Bersten nach oben gespannten Tennissocken, wie sie uns die Studienplätze wegnehmen und sich einfach nicht assimilieren wollen, diese opportunistischen Gummihälse. Diese Piefke!

14:00 In Erinnerung an bessere Zeiten.

Thomas Bernhards Bücher verbrannt und den Bruno Kreisky Altar beweihräuchert, schwelgt der Österreicher besonders gerne in längst vergangenen Zeiten. Schließlich war „damals“ alles besser. Jaja, auch das ist der Österreicher, ein Ewig-Gestriger, der am liebsten gestern schon im vorgestern gelebt hätte. Denn schließlich gab’s da einen Kreisky. Einen echten Sozialdemokraten. Den findet sogar der Strache leiwand. Und das mag ja was heißen. Damals, als noch nicht jeder studieren konnte, und die Jugendlichen noch was "gscheids" gelernt haben, anstatt sich auf den Unis ihren Weltverbesserer-Träumen hinzugeben und in den Tag hinein zu leben. Ja, damals, als es noch den Schilling gab. Damals, als wir noch aufschauen konnten zu unseren Politikern und es noch Ikonen gab, wie einen Krankl, wie einen Prohaska. Damals, als wir noch Sirs im Show Business hatten, wie einen Udo Jürgens oder Peter Rapp. Jaja, damals.

15:00 Uhr Ski kaufen

Nun den ganzen Ballast, der auf der kleinen österreichischen Seele haftet, am Deutschen abgeladen und die Gegenwart verflucht, ist es an der Zeit, des Österreichers liebstem Hobby nachzugehen. Da es aber leider noch etwas zu früh ist, um die Pisten herunter zu wedeln, begnügen wir uns erst einmal mit dem Kauf eines Paares Skier. Natürlich Fischer, der Hausmarke des letzten Monarchen Österreichs, Kaiser Franz Klammer.

19:48 Uhr Das Grande Finale

Die Seligsprechung vom Papa der Nation. Während du dein Fähnchen schwenkst und die Bundeshymne vor dich hin murmelst, schickt dich unser Bundes-Papa mit gewohnter Föhnmatte und beglückwünschend, dass du Österreicher bist, in den wohlverdienten Feierabend. Ganz schön anstrengend, Österreicher zu sein. Naja, aber zum Glück nur einmal im Jahr. Bis zum nächsten Jahr, wenn wir alle wieder für einen Tag Österreicher sind.

(Philipp Köstenberger)

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8 Antworten auf Nationalfeiertag – Stadtbekannt zeigt wie man diesen gebührend begeht. – Verstecken

  1. haha sagt:

    hahahaa
    muaaahahaha… DANKE!

  2. felix sagt:


    und was mach ich nach 19:48???

  3. wienerin sagt:

    @felix
    wieder schnitzi essen 😉

  4. an sagt:

    Ski kaufen?
    Dürfte an einem Feiertag bei geschlossenen Geschäften schwierig werden 😀

  5. @ski kaufen sagt:


    naja gibt ja immerhin noch onlinevertrieb ^^

  6. hirs sagt:

    @felix
    nach 19:45 ist familienabend im keller

  7. terror sagt:

    ha!
    zeit fürs schnitzel!!

  8. Cerbot sagt:

    Schi fahren.
    kann man auch zuhause. Einmal rund ums Wohnzimmer.

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