Kultur – Musik

Naked Lunch "Amerika"

Naked Lunch im Stadtsaal: ein Konzertbericht.

13. April 2011 • Musik2 Kommentare zu Naked Lunch im Stadtsaal: ein Konzertbericht.

Walking on water wasn´t built in a day“ hat Jack Kerouac einmal in seine Notizbücher geschrieben, jener Kerouac der mit seinem berühmten Roman  „On The Road“ Amerika als eine Projektionsfläche, als ein Sehnsuchtsbiotop geschaffen hat, das gefühlsmäßig jenem von Naked Lunch auf deren aktuellem „Amerika“-Album (das wir an dieser Stelle schon für super befunden haben) nicht unähnlich ist. Hoffnung, Verzweiflung, Verwunderung, Befremdung und Erschöpfung – und am Ende vielleicht erneut die Hoffnung.

Und genau um jenes am Wasser gehen wollen ging es dann auch gleich beim Auftakt des erinnerungswürdigen Konzerts des Klagenfurter Quartetts rund um Sänger und Songschreiber Oliver Welter, nachdem Schauspieler Robert Stadlober eine gute halbe Stunde aus Kafkas „Amerika“ vorlas. Begleitet von Stefan Deisenbergers spärlichen Klavierklängen eröffnete dieser mit dem Albumopener „Let Me Walk Upon The Water“ den ausverkauften Abend im Stadtsaal. „Bring on a new sensation“ – ein Abend im Zeichen von neun (und es blieb bei neun) großartigen und an sich grundverschiedenen Stücken, denen man – wohlwissend um den nicht immer unproblematischen Lebenslauf der Band – nur allzu gerne Autobiographisches zuschreibt. Geschunden wie Kerouacs in Notizbücher und auf Endlospapier geschriebene Koffer („our battered suitcases were piled on the sidewalks again, we had longer ways to go. But no matter, the road is live”) ist auch die Protagonistenstimme (bzw. Stimmen), die durch den Songzyklus führen. Goldschürfer, Schmerzensmänner, Taschenspieler.

Alleine waren Naked Lunch auf der Bühne an jenem Abend nur selten – bat man doch Schauspieler des Ensembles, mit dem Naked Lunch das Stück am Klagenfurter Stadttheater aufführen, auf die Bühne – als Gastsänger und Duettpartner. Das funktionierte nicht nur bestens, sondern gab dem Abend zusätzlich noch einmal eine Theatralik und den Songs zum Teil eine etwas andere Klangfarbe. So wurde „First There Was A Desert“ dank der gastierenden Bassstimme noch mal ein Stück mehr zur roadmovieesken „At The Crossroads“-Elegie – am meisten profitiert hat von den Duetten allerdings mit Sicherheit „Fight Club“, dessen aggressiver, treibender Refrain, rausgeschrien im Duett mit einer Ensembleschauspielerin, einer der intensivsten Momente des Konzerts war.

Neun Songs, und dann war Schluss. Solo und mit Akustikgitarre beendete Welter den Abend mit einer intensiven Version von „The Last Waltz“, ehe am Ende des Songs die Band auf die Bühne kam und den Song mit einem melancholischen Instrumentaloutro ausklingen ließ. Apropos Welter: dieser glänzte an jenem Abend mit seinen humoristisch-grantelnden Ansagen. Vorallem prangerte er die unzureichende und unproportional zum Biergusto der Band stehende Größe des Backstage-Kühlschranks an.

Ein Abend mit Rock´n´Roll, Geschichtenerzählerei und Theatralik, der zwischendurch beinahe etwas Musicalhaftes hatte. Und sollte es den einen oder anderen Leser bzw. die eine oder andere Leserin in nächster Zeit nach Klagenfurt verschlagen, sei ein Besuch der „Amerika“-Aufführung sehr empfohlen.

Danke an dieser Stelle an monkey.

Markus Brandstetter

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2 Antworten auf Naked Lunch im Stadtsaal: ein Konzertbericht. – Verstecken

  1. tommy sagt:

    naked lunch rules
    super band, und danke für den tollen artikel.

  2. thisatomheartofours sagt:


    they built this evening with their bare hands.

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