Wien

100 Jahre Republik Österreich - Teil 1 (c) STADTBEKANNT
100 Jahre Republik Österreich (c) STADTBEKANNT

Mutig in die neuen Zeiten?

10. März 2018 • Wien

100 Jahre Republik Österreich: 1918 – 2018

In unserem abschließenden Artikel zum Jubiläum der Republik erforschen wir ein paar Dinge, die 1918 wie 2018 im österreichischen Trend liegen bzw. lagen – und wagen einen Blick in die Zukunft.  

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: Unkraut vergeht nicht. So gibt es gewisse Trends und Moden, die einfach nicht totzukriegen sind. Nicht einmal nach über 100 Jahren. Ein paar davon seien hier erwähnt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

 

Bärte: Anno 1918 ein absolutes Must-Have für den eleganten Herren, heute ein hippes Accessoire, gerne kombiniert mit dicker Brille und zu kurzen, engen Hosen.

Berittene Polizei: Anno 1918 kostengünstig und State of the Art, heute Steckenpferd von hochrangigen Politikern. Eher unschöne Historie im Einsatz gegen Menschen.

Deppert reden: Damals wohl eher im Wirtshaus oder auf der Straßendemo, heute im virtuellen Fäkaliensturm. Das immer noch gültige Motto: Wer am fleißigsten schreit, schimpft und verunglimpft, hat Recht!

Nationalismus: Nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates erlebten 1918 national-chauvinistische Bewegungen regen Zulauf – ähnlich wie heute. Die Zutaten: Ein bisserl Hass gegen „Fremde”, Fahnen, Lieder(bücher) und ganz viel kollektiver Stolz auf die nationale Vergangenheit.

Ski-Leidenschaft: 1918 war das Skifahren zwar ungleich mühsamer (die Gondeln und Sessellifte fehlten), aber fast ebenso populär wie heute. Viele Soldaten des 1.Weltkrieges hatten das Skifahren im Gebirgskrieg gelernt und betrieben es nun zum Spaß mit ihren Familien weiter. Erste Ski-Legenden wurden ähnlich frenetisch verehrt wie heute Marcel Hirscher.

Kaffeehauskultur: Heute wie damals liegt das Kaffeehaus nachhaltig im Trend. Heute wie damals nutzen Literaten, Studierende und Naschkatzen seinen Flair. Einziger Unterschied: der heute allgegenwärtige Cappucino war im Wien von 1918 wohl noch ein Kapuziner.

 

Und wie geht’s weiter mit der Republik?

Das Jubiläum der Republik ist ein schöner Anlass zum Feiern. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack: Nicht alle 100 Jahre hindurch war Österreich eine Demokratie. Vielmehr erwies sich die Demokratie als fragiles Gut, leicht unterwandert und gestürzt von zeitgeistigen Erscheinungen wie Nationalismus, Neid, Hass und Revanchismus. Für diese Agenden wurde einst Stück für Stück die Freiheit verkauft. Jahre später waren Millionen Menschen tot; ermordet oder im Krieg umgekommen.

Diese Geschichte lehrt uns, dass demokratische Grundrechte und soziale Errungenschaften nichts sind, das man bereitwillig aufgeben sollte. Schon gar nicht aufgrund temporärer Launen und hitziger Emotionen. Vielleicht gelingt es uns dann, dass Österreich für die nächsten 100 Jahre – und diesmal hoffentlich nonstop – eine Republik bleibt. Die Verantwortung dafür liegt bei uns allen.

 

Spuren bis in die Gegenwart

Vieles, das 1918 Gemüter erregte und die Geister beschäftigte, ist auch 2018 noch Gesprächsstoff. Aus diesem Grund gibt es folgende Schwerpunktartikel zum Republiksjubiläum:

Wie der Phönix aus der Asche
Über die Geburt, den Tod und die Wiedergeburt der Republik Österreich.

Viva la Emancipación!
Über die Durchsetzung des Frauenwahlrechts 1918 und politische Anti-Emanzipations-Bewegungen, die bis heute aktiv sind.

Gehässige Töne, verheerende Wirkung
Über Hasspropaganda von anno 1918 und heutige Fäkalstürmen im Internet, die sich damals wie heute mit Vorliebe gegen Minderheiten und die Demokratie richte(te)n.

Arbeitnehmerrechte: Ja bitte / Nein danke
Über den harten Kampf für mehr Arbeitnehmerrechte anno 1918 und die scheinbar bereitwillige Aufgabe selbiger Rechte anno 2018.

 

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