Wien – Gut zu wissen

(c) STADTBEKANNT Mautner
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Monster im Kleiderschrank

16. Mai 2014 • Gut zu wissen

Kleine Monster im Kleiderschrank, so lautet der deutsche Titel einer Greenpeace-Studie über giftige Chemikalien in Kinder- und Babybekleidung aus dem Sortiment bekannter Markenhersteller. Die im Rahmen der Detox-Kampagne im Januar 2014 veröffentlichte Studie belegt: Bei der Herstellung von Textil und Lederprodukten werden gesundheitsgefährdende Chemikalien eingesetzt. Schädliche Verbindungen lassen sich noch lange nach der Produktion in den Kleidungsstücken nachweisen.

Insgesamt wurden 82 Kleidungsstücke der Marken American Apparel, C&A, Disney, GAP, H&M, Primark, Uniqlo, Adidas, LiNing, Nike, Puma und Burberry in 25 Ländern und Regionen weltweit zu Untersuchungszwecken erworben. Die Analyse erfolgte in verschiedenen unabhängigen Laboren. Das Ergebnis: In allen untersuchen Produkten ließen sich Chemikalien nachweisen, die mit negativen Folgen für die Gesundheit in Verbindung gebracht werden. Nicht immer jedoch in Konzentrationen, die gängige Grenzwerte und Richtlinien überschreiten.

Diese Chemikalien sollten gemieden werden

Verdächtige Chemikalien in Kleidungsstücken müssen nicht zwangsläufig krank machen. Ab wann ein Stoff ein gesundheitliches Risiko darstellt, ist bei vielen in der Textilindustrie eingesetzten Chemikalien jedoch nicht ausreichend geklärt. Die in der Greenpeace-Studie nachgewiesenen Werte variierten zwischen eher vernachlässigbaren Mengen und problematischen Konzentrationen. Im Zusammenhang mit einer Beeinträchtigung der Gesundheit werden vor allem folgende Chemikalien diskutiert:

Weichmacher (Phthalate)

Bei Phthalaten handelt es sich um chemische Verbindungen, die als Weichmacher in der Kunststoffproduktion eingesetzt werden. In der Textilindustrie finden sich diese Verbindungen zum Beispiel in Stoffaufdrucken. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) werden unterschiedliche Phthalate mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht. Mögliche Folgeschäden sind Veränderungen im Hormonsystem und Unfruchtbarkeit. Zudem zeigten Phthalate im Tierversuch einen schädigenden Einfluss auf die Schilddrüse und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Umso erschreckender sind die Befunde der Greenpeace-Untersuchung, bei der in einem in Deutschland vertriebenen Kinder-T-Shirt von Primark mehr als das Zehnfache des in der EU zugelassenen Phthalate-Grenzwertes für Kinderspielzeug gefunden wurde.

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC)

Unter der Bezeichnung PFC werden mehr als 800 verschiedene Stoffe zusammengefasst. In der Textilindustrie werden PFC vor allem aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften eingesetzt. Dennoch gelten perflourierte Chemikalien als krebserregend. Laut EU-Richtlinie darf in Textilien zum Beispiel maximal ein Mikrogramm Perfluoroctansulfonat pro Quadratmeter Stofffläche verwendet werden. Dass die von Greenpeace beauftragten Labore in einem Adidas-Produkt mehr als die fünfzehnfache Menge dieser Substanz fanden, erschreckte nicht nur die Umweltforscher.

Zinnorganische Verbindungen

Als Desinfektionsmittel für Textilien, Leder und Papier werden Zinnorganische Verbindungen weltweit in großen Mengen eingesetzt. Die für Wasserorganismen hochgiftigen Chemikalien, können in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben und stellen auch für den Menschen ein gesundheitliches Risiko dar. Ein längerfristiger Kontakt mit einer höheren Konzentration Zinnorganischer Verbindungen kann laut BfR eine Schädigung des Immun- und Hormonsystems nach sich ziehen.

Nonylphenolethoxylate(NPE)

Da NPE in erster Linie als Reinigungsmittel eingesetzt wird, kommen Rückstände dieser Verbindung mitunter auch in Kleidungsstücken vor. Eine für den Menschen schädliche Wirkung von NPE-Rückständen in Kleidungsstücken ist bisher jedoch nicht belegt. Die Chemikalie reichert sich jedoch im Wasserkreislauf an und kann dort den Hormonhaushalt empfindlicher Wassertiere stören. Die EU-hat daher einen Grenzwert von 0,1 Gramm NPE pro Kilogramm festgelegt.

Auch bei beim Schaukauf ist Vorsicht geboten

Ein Stoff, der vor allem bei der Schuhproduktion zum Einsatz kommt und aufgrund gesundheitsschädlicher Rückstände im fertigen Produkt immer wieder von sich reden macht, ist Chrom-VI. Als Reaktionsprodukt aus dem Gerbprozess findet sich Chrom-VI vor allem in Lederprodukten wie Schuhen und Uhren-Armbändern. Neben Nickel und verschiedenen Duftstoffen gehört die Verbindung zu den häufigsten Kontaktallergenen. Hohe Chrom-VI-Konzentrationen in Lederschuhen sorgen immer wieder für Aufsehen. So musste beispielsweise der Online-Versandhändler Zalando Anfang des Monats 1.500 Paar Schuhe der eigenen Kollektion aufgrund einer zu hohen Schadstoffbelastung zurückrufen. Laut einem Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 enthielt jeder fünfte von der Stiftung getestete Kinderschuh einen so hohen Chom-VI-Gehalt, dass er nie in den Handel hätte gelangen dürfen.

 

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