Wien – Leben

(c) adamek stadtbekannt
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Mazda, Gunther und Gieselher

25. August 2013 • Leben, Unterwegs

Ez wuohs in Burgonden ein vil edel magedîn… So beginnt die erste Aventüre des Nibelungenliedes in der St. Gallener Handschrift, die man in der Stiftsbibliothek St. Gallen findet. Wer nicht ganz so weit fahren möchte, kann seine Mittelhochdeutschkenntnisse auch im 15. Wiener Gemeindebezirk aufpolieren. Zwischen Gablenzgasse, Vogelweidplatz, Hütteldorfer Straße und Stutterheimerstraße befindet sich ein baumreiches Grätzl, dessen Straßennamen von Figuren aus dem Nibelungenlied stammen. Der schönste Platz trägt natürlich den Namen der Protagonistin: Kriemhild. Und nur eine Ecke davon entfernt, hängt auch schon die Tafel mit den ersten Zeilen der ersten Aventüre. Wir setzen uns ins Auto und rezitieren die Verse. Und werden von den Anrainern angesehen wie Irre. Das ist einer der Nachteile eines Roadsters. Wer Coolness will muss auf Privatsphäre verzichten.



Wir sind Siegfried!

Wir werfen einen Blick auf die zugehörigen Straßen. Welch Frevel, dass Siegfried fehlt! Während die Mörder und Verräter in Wiens Straßen verewigt sind, geht er leer aus. Und wer ist Allio? Wir sind empört. Sehet Hagen und Gunther, jetzt vertreten wir Siegfried! In Ermangelung eines Schlachtrosses reiten wir im MX-5 durch die Gassen. Wie Siegfried geht es uns nicht um Ruhm und Ehre. Das überlassen wir den teuren Nobelkarossen, die sich etwas darauf einbilden. Ganz unprätentiös erfüllt der Mazda einfach seine Pflicht offen zu fahren und dabei Spaß zu machen.

Drachen erlegen ist dazu nicht notwendig und den Alberich mit Tarnkappe würden wir einfach umfahren. Für den Schatz der Nibelungen ist der Kofferraum ohnehin zu klein.
Die Herolde würden uns ankündigen und die Knappen Standarten und Fahnen schwingen. Wie praktisch also, dass genau in diesem Viertel als seltenes Kleinod ein Flaggengeschäft ansässig ist. Schnell ein Leintuch mit einem oder zwei großen Schlüsseln bedrucken lassen und schon kann Sympathie für Burgund oder Xanten zum Ausdruck gebracht werden.

Stärker als Brünhild?

Siegfried hat Gunther, dem Verräter, zum Sieg gegen Brünhild verholfen. Ohne ihn hätte der Schwächling die Walküre niemals im Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf besiegt. Ob wir im Mazda eine Chance hätten, wissen wir nicht. Mit 9,9 Sekunden auf 100 km/h bleibt er aber unter der magischen 10-Sekunden-Grenze und die 194 km/h Spitze sind offen sehr aufregend und hierzulande ohnehin nicht erlaubt. Auf Brünhilds Heimatinsel, Island, gilt sogar eine Höchstgeschwindigkeit von nur 90 km/h. Da lachen wir ihr mit dem MX-5 ins Gesicht, bis wir in Schnee und Schotter stecken bleiben und von ihrem Speer getroffen werden. Auf Asphalt kann uns die Gute allerdings wenig anhaben. Wotans Tochter kann vielleicht weit springen, aber ein kleiner Drift in feuchten Kurven dank Heckantrieb, würde selbst sie neidisch machen. Und bevor es zu viel wird, greift das ESP ein und bewahrt davor von einer Walküre, deren Aufgabe es war die Toten in zu geleiten, nach Valhalla gebracht zu werden.

Stadtbekannt meint

Der MX-5 ist ein Roadster wie er im Buche steht. Seine wichtigste Tugend ist die Einfachheit. Das Dach öffneten wir manuell in drei Sekunden und damit schneller als jedes Elektrische es vermag. Das Navi hilft zwar bei der Wegfindung, die Bedienung ist aber etwas umständlich, es ist nicht besonders schnell und stört den Purismus im Innenraum. Ansonsten ist der MX-5 der Bifröst in die Roadster-Welt. Nur Sleipnir, Odins achtbeinigem Ross, ist er dann doch nicht gewachsen.

Mazda MX-5 1.8 Takumi II Navi, ab € 28.790,-
Länge: 402 cm, Gewicht: 1.121 kg, Kofferraum: 150 l, 1,8-Liter 4-Zylinder-Benzinmotor, 5-Gang-Schaltgetriebe, Heckantrieb, 93 kW (126 PS), 167 Nm, 0-100 in 9,9 s, Vmax 194 km/h, MVEG-Verbrauch: 9,8/5,6/7,1 (N), CO2 167 g/km, Verbrauch im Test: 8,2 l

Christoph Adamek

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