Wien – Grätzltipps – 7. Neubau

Gasthaus Witwe Bolte (c) STADTBEKANNT
Gasthaus Witwe Bolte (c) STADTBEKANNT

Makaberes und Prominentes aus dem Siebensternviertel

4. Juli 2016 • 7. Neubau, Gut zu wissen, Leben

Kunst, Prostitution, Kultur, Mord und Totschlag

Von seinen bescheidenen Anfängen bis heute hat das Siebensternviertel über die Jahrhunderte so einiges erlebt: Kunst, Prostitution, Kultur, Mord und Totschlag, berühmte und weniger berühmte Personen und Taten. Auch über morbid-grausliche Begebenheiten, weiß das Geschichtsbuch zu berichten.

Wir haben gründlich zwischen die Seiten und unter den Teppich geschaut und sind fündig geworden …

 

„Aus diesem Thor im Bogen …”

Zu Zeiten Kaiser Josephs II. war der Spittelberg nicht gerade als das sittsamste Stadtviertel verschrien. Immerhin befanden sich hier, mehr oder weniger versteckt in den engen, verwinkelten Gässchen, zahlreiche Bordelle. Auch der Kaiser war des Öfteren zu Gast bei den Freudenmädchen – inkognito, versteht sich. Als der sparsame Joseph einmal den geforderten Preis nicht zahlen wollte, wurde er gewaltsam aus dem Etablissement entfernt.

Noch heute erinnert eine Tafel im Haus Gutenberggasse 13 (Gasthaus „Witwe Bolte”) an dieses denkwürdige Ereignis: „Aus diesem Thor im Bogen ist Kaiser Joseph II. geflogen.”

 

Die Krankheit, über die keiner sprach

Das heutige Siebensternviertel hat viele Katastrophen gesehen: Brände, Überflutungen, Kriege und Seuchen wie die alles vernichtende Pest trafen die Vorstadt immer wieder hart.

Doch auch im 19. Jahrhundert noch zog eine Seuche ihre Spur durch das Gebiet Spittelberg: Die Syphilis, eine damals recht häufige Geschlechtskrankheit, die die Befallenen langsam aber sicher entstellte und in einigen Fällen gar tötete. Grund für die vielen Infektionen waren die zahlreichen Bordelle und Vergnügungslokale sowie die allgemein schlechte Hygiene. Dazu kam, dass man damals noch nichts von Antibiotika wusste, die die Syphilis heute unkompliziert heilen können.

Prominente Opfer der „Lustseuche” waren Goethe, Schubert oder Beethoven; auch unter den Habsburgern forderte die Krankheit ihren Tribut.

 

Wer war´s?

Es ist schon fast historisches Brauchtum, unliebsame Dinge wie Krankheiten dem politischen Feind in die Schuhe zu schieben – weshalb die Syphilis je nach Land als die französische, italienische, spanische, englische oder polnische Krankheit bezeichnet wurde …

 

Noch nicht genug?

Wer nun noch nicht gesättigt ist von Tod, Gewalt und Grind, kann sich in dem netten kleinen Bücherladen Mord & Musik (befindlich in der Lindengasse 22) die Seele schwarz lesen. Ob mit einem extra grauslichen Krimi, einem fetten Fantasy-Schmöker oder mit avantgardistischer Musik aus anderen Sphären – hier kann man sich perfekt in dunklen Welten verlieren.

 

Alle guten Dinge kommen aus dem Siebten

Wer kennt das St. Anna Kinderspital im neunten Bezirk? Es war das erste Kinderspital Österreichs und wurde von Ludwig Wilhelm Mauthner im Jahre 1837 gegründet. Das Spital hatte damals nur 12 Betten. Der Name St. Anna kommt von Kaiserin Maria Anna (Gattin Ferdinands I.), die 1840 sechs Betten stiftete. Und wo war das Spital – na im Siebten – in der Kaiserstraße 49 – natürlich!

 

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