Wien – Grätzltipps – 8. Josefstadt

K.u.K. Kuriositaeten Maske (c) stadtbekannt.at
K.u.K. Kuriositaeten Maske (c) Mautner stadtbekannt.at

Makaberes aus dem Achten

23. März 2016 • 8. Josefstadt

Geschichten zum Gruseln

Nach außen hin glänzt die Josefstadt. Freundliche, wohlgeschmückte Gebäude von gründerzeitlicher Eleganz, gepflegte Läden, Kulturleben und traditionsreiche, kulinarische Genussstätten der alten Wiener Sorte bestimmen das idyllische Bild.

Der Schein trügt. Tief drinnen im Herzen der Josefstadt lebt es, das Böse und Abgründige, sagenhaft wie real. Und wo düstere Geschichte ihren Lauf nimmt, da gibt es auch Geschichten zu erzählen. Wir haben nach den makabersten Josefstadt-Geschichten gegraben und wurden mit Schrecken fündig …

 

Die Heuschreckenplage

Im dunklen Mittelalter, als der Bereich zwischen Lederergasse und Laudongasse noch Buchfeld hieß und von Feldern überzogen war, kam es einst zu einem wüsten Überfall der Heuschrecken. Als riesige schwarze Wolke nahte das Ungeziefer heran, und die Knechte und Mägde flohen in Entsetzen vor der drohenden Plage.

Der Grundbesitzer, ein strenger und grausamer Mann, brüllte seine Untergebenen wütend an, was sie sich denn erlaubten. Er ließ sein Pferd satteln, seine Hunde holen und ritt hinaus, um den Schwarm mit Schwert und Geschrei zu verjagen. Die schwarze Wolke aus surrenden Flügeln und gefräßigen Insektenleibern hatte ihn bald verschlungen.

Als am nächsten Tag der Schwarm weiterzog und das verwüstete Feld preisgab, fanden die Knechte und Mägde den Gutsherrn und sein Pferd – als Gerippe, kahlgefressen bis auf die blanken Knochen!

 

“Wo die Jungfrau zum Fenster hinausschaut”

Nicht immer waren Wiens Spitäler Orte der Genesung. Im Gegenteil: Als um 1410 die Pest in der Hauptstadt grasierte und die Bevölkerung gnadenlos dahinraffte, waren die Spitäler kaum mehr als Häuser des Todes.

Auch das “Spital zu Siechenals” in der Josefstadt war solch ein trister Ort. Nun kam es, dass dem Spital gegenüber ein junges Mädchen wohnte. Tagaus tagein beobachtete sie das Treiben im Spital vom Fenster aus, und so fiel ihr eines Tages ein stattlicher, junger Krankenpfleger ins Auge. Die beiden begannen zu flirten – mit Blicken nur, denn Arbeit und Sittlichkeit verboten alles andere – doch regelmäßig und mit wachsender Leidenschaft.

Eines Tages tobte ein heftiges Gewitter über Wien, so heftig, dass der Alserbach über die Ufer trat und am Haus des Mädchens vorbeilief. Einen Tag und eine Nacht sah sie nichts von ihrem heimlichen Geliebten. Erst frühmorgens, immer noch geduldig am Fenster ausharrend, erblickte sie ihn – tot in den Fluten des Sturzbaches treibend. Der Jüngling war an der Pest gestorben, und weil er sich im Krankenhaus des Diebstahls schuldig gemacht hatte, war er nicht begraben, sondern einfach ins Wasser geworfen worden.

Die erschütterte Jungfrau aber stürzte sich aus dem Fenster in den Bach hinab und ertrank. Es wird erzählt, ihr Geist hätte nie zur Ruhe gefunden. Ab und zu, wenn es gar stark regnet, soll man sie noch heute flehentlich am Fenster stehen sehen.

 

Ein Kopf im Mistkübel

Im Jahr 1960 machte eine stadtbekannte “Müllstierlerin” eine grausige Entdeckung: In dem Mistkübel an der Ecke Florianigasse / Lange Gasse fand sie einige in Zeitungspapier eingewickelte Knochen, an denen noch Fleischreste hingen. Die alte Frau brachte die Knochen nichts ahnend einer Bekannten – für deren Hund, der Knochen ja so liebte. Die Hundebesitzerin wurde argwöhnisch. Irgendwie kamen ihr die Knochen ziemlich groß vor.

Wenig später hatte die Polizei bestätigt, dass es sich um menschliche Gebeine einer jungen Frau handelte. Die Beamten suchten die Mistkübel der Umgebung ab und fanden im Hof des Hauses Florianigasse 17 weitere Teile der Toten, unter anderem den Kopf.

Der Mörder Johann Rogatsch hatte die Leiche nach der abscheulichen Tat mit Axt, Säge und mehreren Messern zerteilt und anschließend in Mistkübeln entsorgt. Aber auch dem Mörder war kein langes Leben beschieden: Er wurde im Gefängnis von einem Mithäftling mit bloßen Händen erwürgt.

 

Die Mörderin mit dem Fleischwolf

Es war im blassen November 1952, kurz nach Mitternacht, als ein einsamer Nachtwächter in der Wiener Alser Straße plötzlich vor einem Delikatessengeschäft innehielt. Das Gitter stand offen. Ein Einbruch? Der Mann sah nach – und machte einen grausigen Fund. Am Boden lag, mausetot und in einer Blutlache, der Geschäftsbesitzer Johann Arthold. Jemand hatte ihn mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen und ihm die Kehle durchgeschnitten.

Indizien und Zeugenberichte brachten die Ermittler auf die Spur einer jungen Frau, und nach und nach setzte sich das Puzzle zusammen: Die Frau hatte eine Affäre mit dem Mordopfer gehabt, die Tat penibel geplant. Als Mordwaffe diente ihr ein Fleischwolf, den sie vorher eigens im Geschäft “vergessen” hatte. Da die Aussagen der Täterin widersprüchlich waren, wurde das Motiv niemals ganz geklärt.

Die berühmte Mordwaffe ist heute im Wiener Kriminalmuseum ausgestellt.

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