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Ausblick über Wien (c) STADTBEKANNT
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Macht Geld glücklich?

16. Mai 2010 • Lifestyle

Der Wohlstand eines Landes wird im Allgemeinen über finanzielle Faktoren definiert. Je reicher ein Land ist, desto besser sollte es den Menschen gehen. Maßstab dafür ist das Bruttoinlandsprodukt, also die Summe aller Einkünfte einer Volkswirtschaft pro Jahr.

Das kann man allerdings auch ganz anders sehen…
Aber wer sagt eigentlich, dass mit steigendem BIP auch das Wohlbefinden der Menschen anwächst? 
Diese Frage warf auch Jigme Singye Wangchuk auf, der seinerseits König von Bhutan war, bis er 2006 zugunsten seines Sohnes abdankte. Auf den Vorwurf hin, die Wirtschaft des Königreichs Bhutan würde sich zu langsam entwickeln, erklärte der König in den 70ern: „Gross National Happiness is more important than Gross National Product“. 

Und damit prägte er den Begriff „Bruttonationalglück“, nunmehr kollektives Ziel des Königreichs Bhutan.

BIP-Wahn des Westens
Die Festlegung auf vom Westen geprägte Wohlstandsindikatoren blendet, laut Centre for Bhutan Studies, andere, viel wichtigere Faktoren völlig aus. Kulturelle und soziale Werte, Umwelt oder Vielfalt geraten durch die Fixierung auf Monetäres völlig in den Hintergrund, oder werden sogar zerstört.  

Geld allein macht demnach nicht glücklich – wie also messe ich Glück?
Da man Glück ja nun auch kaum staatlich verordnen kann, definierten eigene „Glückexperten“ vier Säulen der Entwicklung, an welchen man sich orientieren will: wirtschaftliche Entwicklung, Schutz von Kultur und Tradition, Schutz der Umwelt und „good governance“, also „gute Regierungsführung“. 

Diese vier Kernbereiche sind wiederum in neun Dimensionen eingeteilt (Kultur, Gesundheit, Bildung, psychologisches Wohlbefinden, Lebensstandard,…) und die Dimensionen erneut in über 70 Einzelfaktoren zerstückelt.

Anhand der diversen Einzelfaktoren führte das Centre for Bhutan Studies Umfragen durch. Die Befragten mussten einem 72 Seiten langen – teils recht kuriosem – Fragenkatalog standhalten. 
Nachgefragt wurde in so ziemlich allen vorstellbaren Bereichen des Lebens: 
Haben Sie nachts Angst vor Geistern? Lesen Sie bhutanesische Sagen? Wie werden Sie von den Menschen ihrer Gemeinschaft behandelt? Wie oft waren Sie im letzten Monat neidisch/frustriert/zufrieden…?

Konsequenz?
Schwer zu sagen. 
Was tun mit der Information, dass – Hausnummer – 3 von 10 Bhutaner im Dunklen Angst vor Geistern haben? Was, wenn die Zeit nicht reicht um sich regelmäßig der Sagenwelt Bhutans hinzugeben? 

Das Streben nach Glück ist in der praktischen Umsetzung dann doch, so scheint’s, eine Herausforderung. 

Laut eigenen Angaben waren 2005 zumindest 45% Bhutaner „sehr glücklich“ und 52% „glücklich“.

 

Wie das wohl in Europa aussähe?

Eine Diskussion um die Messung von Wohlergehen ist zumindest auch in unseren Breitengraden entbrannt. Eine Expertenkommission unter Führung der Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz und Amartya Sen wurde beauftragt, einen neuen Wohlstandsindikator zu entwickeln, der sich nicht nur an ökonomischen Richtlinien orientiert.

Man darf gespannt sein.

 

The Centre for Bhutan Studies über Gross National Happiness

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