Wien – Leben

Foto: Hannah Hauptmann
Foto: Hannah Hauptmann

Machen Sie eigentlich irgendetwas?

10. August 2014 • Leben

Ich meine mich an Anna zu erinnern. Ihr Mann saß neben ihr und rief ihren Namen, dann: „ … den Kredit hamma!“ Und an jene Familie, die über eine Wiese lief. An den Händen einander schwingend. Damals kannte ich Banken nur aus dem Fernsehen. Sie gaben ein vertrauensstiftendes Bild ab. Dazu kamen die Geschenke, am Weltspartag. Heute unterhält die Bank, der ich dieses Vertrauen freiwillig schenke, zwei Filialen in meiner Nähe. In der Zeit der größten Krise, in der sich andere Banken verkleinerten oder ganz verkauften, wurde die zweite aufgemacht. Die neue Filiale ist sehr fesch und stylisch, wie eine Raumstation. Also wie man sich eine Raumstation in der Bankzentrale vorgestellt hatte. Auch ein bisschen was von einer Tauchstation, Aquarium-Feeling für alle, wie in dem Berliner Hotel, in dem der Lobbyaufzug zu den Fischen führt. Einfallsreich und keck verpackt. Alles Orte des Geldes. Die Raumstation-Aquarium-what-ever-Filiale ist noch dazu funky reduziert. „Ihre Theke ist sehr reduziert“, sagte ich daher zu dem freundlichen Angestellten. Erstmals nach mehrmaligen Besuchen benötigte ich etwas wirklich Sinnvolles. Nicht nur das übliche 30-Euro-Geldabheben und Kontoauszug holen. Genaugenommen war das mit der Theke nur eine Entschuldigung. Die Frage, die ich ihm davor gestellt hatte, war vielleicht etwas zu direkt ausgedrückt worden. Dachte ich jedenfalls, weil sie nicht so gut angekommen war. Ich konnte es mir eben nicht selbst beantworten, ob er und seine KollegInnen jetzt „echt“ oder doch nur Attrappen waren. Wie sie so dasaßen. Auf ihren reduzierten Barhockern, hinter ihren reduzierten Laptops, ohne Stapeln an Banktamtam neben ihren gestützten Ellbogen. Keine Kassa! Die Warnung informierte einem bereits beim Eingang, was hier zu erwarten war. Dafür gab es verschiedene Bankfunktionsautomaten und einen für Getränke. Waren die Damen und Herren sogar Kellner oder Hostessen? Es interessierte mich schon seit langem. An jenem Donnerstag, zehn Minuten vor siebzehn Uhr, fand ich es dann heraus. Da schafften es der Kinderwagen und ich gerade einmal noch zur Raumstation.
Nur noch die Theke galt es zu überwinden!
„Ähm, ja, ich will, ich brauche, sagen Sie, machen Sie hier überhaupt irgendetwas?“

 

Ich meinte zu verspüren, wie der Barhocker bebte. Und die Stimme. Die neigte sich zu mir hinunter. „Ja schon! Ich sitze hier ja nicht nur so rum!“
Peinliches Schweigen vor der Entschuldigung. Zumindest einer von uns besann sich seiner Professionalität und bot mir hernach doch noch etwas zu trinken an. Welch großartige Erleichterung! Der Kinderwagen verschob mich konsequent… von dannen, und ich konnte mich anderen Phänomenen meines Alltags widmen. Vielleicht gab es noch irgendwo einen Fisch zu fangen oder eine Möglichkeit, ins All zu fliegen… Ich würde zur Sicherheit gleich nochmals nachfragen!

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