Kultur

Wien Ausblick (c) STADTBEKANNT
Wien Ausblick (c) STADTBEKANNT

Lokalaugenschein im Swingerclub

28. Mai 2010 • Kultur

Aufregungen rund um die Wiener Secession

In den letzten Tagen und Wochen geisterte in den Medien die Meldung um den Kunstskandal herum. Jeder fühlte sich bemüßigt seine Meinung diesbezüglich kund zu tun. Die Bezirksvorsteherin des ersten Bezirkes Ursula Stenzl sprach sogar von Betrug und dem Missbrauch von Fördergeldern. Diese hatte sie selbst noch Wochen zuvor selbst genehmigt und will nun nichts mehr davon wissen. Quer durch alle Printmedien wird darüber diskutiert, ob es sich um Kunst handelt oder, dass hier öffentliche Förderungen missbraucht werden. Auf ATV konnte man in der Sendung „Am Punkt“ die Diskussion zwischen der Kunstsprecherin der FPÖ und Gerald Matt, dem Museumsdirektor der Kunsthalle, verfolgen.

In der Diskussionsrunde vertrat dabei der Sprecher der ÖVP die Meinung, dass Kunst von öffentlicher Hand gefördert werden müsse, wenn es sich denn um Kunst handle. Gerald Matt vertrat den Standpunkt, dass Kunst frei sei und im Rahmen der gesetzlichen Regeln ohne Zensur agieren müsse. Hubsi Kramer pflichtete dem bei und meinte, in der Diskussion fühle er sich in die Zeit der entarteten Kunst zurückversetzt. Matt brachte auf den Punkt was das Projekt zur Kunst mache: Es bringt einen gesellschaftlichen Aspekt an die Oberfläche und rückt diesen in die gesellschaftliche Mitte, in den öffentlichen Raum – das Museum.

Schließlich begab ich mich an den Ort der Empörung und wollte mir selbst ein Bild machen. Was ist dran an dem Kunstprojekt des Schweizer Künstlers, dass u.a. vom Förderkreis der Schweizer Helvezia gesponsert wird?

Wie der Club Element 6 selbst im Pressetext schreibt: „Schau´n Sie sich das an!“

Tief durchatmen und durch! Unter diesem Motto tauchte ich in das nächtliche Treiben der Swinger ein. Schon beim Eingang des Kellerlokals in der Secession, kam die erste Überraschung. Um in den in die Secession verlegten Club Element 6 eintreten zu können muss frau die Klingel betätigen und wird von einem freundlichen Türsteher begrüßt. Der Eintritt für Paare beträgt schlappe €15,-, für einzelne Swinger, wird es aber wesentlich teurer. Beim Eintritt in den Swingerclub – die nächste Überraschung, es sieht aus wie in einem ganz normalen Club. Mit dem kleinem Unterschied, dass das Völkchen der Swinger zu einem guten Teil durch den Dresscode erkennbar ist. Vor allem die weiblichen Nachtschwärmer hoben sich durch ihren Look ab, welcher vom durchsichtigen Netzbody, über Hotpants bis zu Dessous reichte. Die männlichen Szenegänger hielten sich im Anzug verdeckt. Das Interieur war in knalligem Rot gehalten und wurde von „erotischer“ Kunst in Form von kitschigen Spargel- und Muschelbildern untermahlt. Und – oh Überraschung, das Klischee vom typischen Swinger stimmt nicht, sondern man kann von einem Querschnitt der österreichischen Bevölkerung sprechen. Viele kamen natürlich aus Neugierde um zu sehen, was sich denn in dem ominösen Club so abspielt.

Die Erwartungen der Schaulustigen konnte nicht erfüllt werden, an der Stange im Hauptraum – gähnende Leere. Im Hinterzimmer, welches mit einem Frauenarztstuhl und einem mittelalterlichen Zwinger ausgestattet war, ein paar schaulustige Besucher am Sofa, mit einem Glas Prosecco in der Hand. Skandal – Fehlanzeige. Aber wie die Clubbetreiber schon auf der Homepage aufmerksam machen, ihr müsst euch euer eigenes Abenteuer machen! Der Höhepunkt der „Ausstellung“ waren die Séparées, welche aber nur von Museumsbesuchern bevölkert wurden. Diese waren zum Großteil durch Vorhänge abgetrennt und mit Pölstern mit Leopardenmuster bestückt. Der einzige Hingucker war ein Softporno, welcher in einem der Räume lief.

Einer der Stammgäste des Element 6 lieferte tiefere Einblicke in die Szene. Er meinte, der Club hätte im Original nur ein Drittel der Größe. Wir sollten überhaupt, wie er meinte, wenn wir etwas erleben wollten, einmal in einen richtigen Club gehen. Er erzählte, dass in den Clubs unterschiedliche Regeln herrschen. In manchen gäbe es strenge Dresscodes, wo man nur in Dessous erscheinen könne und das Element 6 sei in diesem Zusammenhang sehr unorthodox. In den meisten Lokalen gäbe es das Problem, dass ein extremer Männerüberhang besteht. Es wären an einem normalen Abend 70% alleinstehende Männer und 30% Pärchen umtriebig. Nach zwei Stunden im Swingerclub war es genug der Impressionen. Zum Abschied des Besuches erfuhren wir noch, dass wir knapp Richard Lugner versäumt haben, Zeit zu gehen….

Fazit: Ein Besuch im Swingerclub lohnt sich im leicht alkoholisierten Zustand oder wenn der Preis keine Rolle spielt und alle anderen Lokale schon geschlossen sind. Spannend war es trotzdem, das Eintauchen in eine andere Welt.

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