Essen & Trinken

Cafe Weimar Pianist (c) STADTBEKANNT
Cafe Weimar Pianist (c) STADTBEKANNT

Künstler, Literaten und sonstige Gäste

20. Mai 2015 • Essen & Trinken

Eine Institution – Das Wiener Kaffeehaus

„Das Wiener Kaffeehaus stellt eine Institution besonderer Art dar, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann“.

Stefan Zweig (1881-1942), Wiener Schriftsteller

 

Das Kaffeehaus als Wohnzimmererweiterung

In Wien ist das Kaffeehaus bekanntermaßen mehr als nur ein Ort, an dem man gemütlich seine Tasse flüssiges Glück genießt. Es ist eine Institution – und zwar nicht bloß eine kulinarische, sondern auch eine kulturelle. Schon vor über hundert Jahren wussten Künstler, Literaten und Intellektuelle aller Interessensgebiete das Kaffeehaus als Wohnzimmererweiterung zu schätzen: Hier ließ es sich ungestört schreiben, lesen, Karten spielen, rauchen, debattieren und Erfahrungen austauschen.

Zu den Stammgästen der Wiener Kaffeehäuser um die Jahrhundertwende zählten Größen wie Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Friedrich Torberg, Karl Kraus, Otto Wagner, Adolf Loos, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele. Beliebte Treffpunkte der Kaffeehausliteraten waren etwa das Café Griensteidl, das Café Central und das Café Herrenhof.

Für Frauen war der Kaffeehausbesuch anfangs noch verpönt, aber sie eroberten den kreativen Genussraum bald für sich. So nahmen etwa die Literatinnen Milena Jesenská, Lina Loos und Berta Zuckerkandl am regen kulturellen Austausch im Café teil.

In den 1960er und 70er Jahren war das Café Hawelka unter Künstlern sehr populär. Hier trafen sich H.C. Artmann, Hilde Spiel, Friedensreich Hundertwasser, Helmut Qualtinger und viele andere. Auch Adabeis und Möchtegerns fühlten sich von dem Nimbus des Künstlercafés angezogen – eine Tatsache, die Georg Danzer 1976 in seinem Lied “Jö schau” satirisch verewigte.

Heute verstreut sich die Haute-Volée des Kulturbetriebes auf verschiedenste Kaffeehäuser. Wer jedoch (etwa vor dem Besuch des Kabarett Simpl) Lust hat, Kabarettisten wie Viktor Gernot und Michael Niavarani zu treffen, kann sich ins Café Engländer setzen.

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »