Wien – Leben

Knopfkönig
Knopfkönig

Knopfkönig

15. Februar 2013 • Leben

Knopf-Kultur

Wo sind sie hin, die kleinen Knopf-, Woll- oder Kurzwarenhandlungen, wo in winzigen, bis zur Decke mit Regalen gefüllten Geschäftslokalen Nähzubehör von älteren Damen an ebenso betagtes Publikum veräußert wurde? Fast allesamt mangels Umsatz oder Nachfolger geschlossen, denn mit Knöpfen ist heutzutage kein Vermögen mehr zu machen – trotz des Do-it-yourself-Trends der letzten Jahre wird Kleidung kaum noch selbst genäht.

Der Knopfkönig allerdings hatte Glück: Das einstige Knopf-Imperium des k.u.k Hoflieferanten Alois Frimmel, eben Knopfkönig genannt, zerfiel zwar im Jahr 2004 endgültig (das sehenswerte Haupthaus im 1. Bezirk beherbergt heute einen Schoko-Laden), die Filiale auf der Wiedner Hauptstraße hat allerdings überlebt: Gerhard Hennerfeind und seine Frau Lisi Breuer übernahmen das kleine Geschäftslokal von der letzten Knopfkönigin, Erika Frimmel, die nachfolgelos altersbedingt das Knopf-Business verlassen musste.


Ganz nach Tradition

Und ganz in ihrem Sinne wird dort auch weitergemacht. Kein Lifestyle-Laden, kein Design-Zeug, sondern Tradition – der Knopfkönig blieb ganz einfach, was er immer war: „nur“ Knöpfe, Reißverschlüsse, Borten, Kordeln, Schnallen, Spitzen, Fransen in allen Farben und Formen, Näh- und Wäschezubehör wie BH-Verlängerer, Hosenträger und ähnliches, alles in scheinbar tausenden Laden und Schachteln versteckt, die wirklich beinahe jeden Kundenwunsch erfüllen.

Knöpfe

Knöpfe

Knopf-Kultur

Allein das Knopfsortiment ist ein Erlebnis. Ob Perlmutt, Holz, Metall, Kunststoff, rund, eckig, alle Farben und Materialien, die man sich vorstellen kann, in Tier-, Fußball- oder Sternform, die beiden Besitzer durchsuchen mit viel Enthusiasmus ihre Schätze wirklich so lange, bis der perfekt passende Knopf gefunden ist. Selbstservice gibt es keinen, im Knopfkönig wird bedient. In Einzelfällen wird einem hier ein Knopf sogar gleich angenäht, außerdem wird hier auch die Reparatur von Zippverschlüssen angeboten. Erweitert wird das Angebot auch noch von handgemachtem Schmuck von Juwelyns, der auch nach Wunsch angefertigt werden kann.

Apropos Enthusiasmus: Es muss eigentlich wirklich die pure Liebhaberei sein, dieses Geschäft zu betreiben – denn reich machen Knöpfe schon lange nicht mehr. Bleibt also zu hoffen, dass der Selbstmach-Wahn und der Ruf nach Nachhaltigkeit – reparieren statt neu kaufen – die Branche in Zukunft wiederbeleben wird, und der Knopfkönig auch noch kommenden Generationen erhalten bleibt.

Knopfkönig

Wiedner Hauptstraße 34
1040 Wien
01 587 92 68
http://www.knopfkoenig.at/

Montag bis Freitag 12.00 – 18.00 Uhr

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