Kultur – Film / TV

Foto: Lucy (c) 2014 Universal Pictures
Foto: Lucy (c) 2014 Universal Pictures

Kinotipps für August

4. August 2014 • Film / TV

Jersey Boys

Von Clint Eastwood als Regisseur ist man eher eindringliche Dramen wie Erbarmungslos, Million Dollar Baby oder Gran Torino gewöhnt. In letzten Jahren scheint er aber etwas die Verbindung zu seinem Publikum verloren zu haben. Nach dem recht seichten Hereafter und dem überzogenen J.Edgar, liefert er nun ein Biopic-Musical-Drama rund um die Popband The Four Seasons aus den 60er Jahren. Er bleibt mit Jersey Boys zwar seinem Interesse an zeitgeschichtlichen Phänomenen und Schicksalen treu, aber gerade wenn er sich aus dem Gefilde charakterorientierter Dramen, die mit ihrem Leben hadern, entfernt, ist er mit besonderer Vorsicht zu genießen.

 

22 Jump Street

Unglaublich aber wahr: Ein Remake einer TV-Serie aus den 80er Jahren, das nicht mit Verweisen auf seinen Ursprung geizt, sich dabei an die Vorlage hält und neue, zeitgemäße Elemente einfügt, kann tatsächlich überzeugen? Und noch unvorstellbarer: Auch noch ein Sequel hervorbringt? Die Rede ist von 22 Jump Street, die Fortsetzung der charmanten Undercover-Buddy-Komödie rund um Channing Tatum und Jonah Hill. Das Setting wechselt von Highschool zu College, sonst bleibt vieles beim Alten, was auch gut so ist: Die Chemie der beiden Hauptdarsteller stimmt, die absurde Rahmenhandlung bleibt unterhaltsam, sogar der scheinbar unumgängliche Fortsetzungswahn Hollywoods wird selbstironisch kommentiert. Soviel erfrischend offenherzige Einsicht findet man wohl kaum bei Transfomers, TMNT und Co.

 

Planet der Affen – Revolution (Dawn of the Planet of the Apes)

Nach der Prevolution kommt nun also die Revolution: In der Neuauflage der Planet der Affen-Reihe stehen die Zeichen jetzt auf Krieg – als hätte man es sich nicht schon denken können (siehe: Filmtitel). Der im ersten Teil verbreitete Virus hat die Menschheit dezimiert und auch dadurch die immer wieder aufflammenden Konflikte mit der konkurrierenden Spezies intensiviert. Ein trügerischer Friedenspakt zwischen Affen und Menschen hängt am seidenen Faden, auf beiden Seiten nehmen Kriegtreiber immer mehr Einfluss. Prächtige Motion-Capture Spezialeffekte, ein post-apokalytisches Setting und auch einige als solche erkennbare Schauspieler-Neuzugänge (u.a. Gary Oldman, Keri Russell, Jason Clarke) geben so sicher genug Anlass, um das Sequel zum Prequel der gerebooteten Pentalogie zu bestaunen.

 

Die Karte meiner Träume (The Young and Prodigious T.S. Spivet)

Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen, Die fabelhafte Welt der Amélie) ist ein Meister des fantastischen Erzählens und darin die Imagination seiner Figuren auf die Leinwand zu zaubern. Die Karte meiner Träume, einer Verfilmung des Romans von Reif Larson, bietet ihm wieder die Möglichkeit aus seinem reichhaltigen Fundus an visuellem Einfrallsreichtum zu schöpfen. Der kleine T.S. Spivet erfindet ein Perpetuum mobile und wird prompt mit einem Preis des Smithsonian Museum belohnt, nichts ahnend, dass es sich bei ihm noch um ein Kind handelt. Eigentlich kein Draufgänger (das ist sein Zwillingsbruder Layton) macht er sich dann trotzdem heimlich auf den Weg nach Washington D.C. um seinen Preis entgegen zu nehmen. Eine Geschichte, die für das visuelle Gespür Jeunets wie gemacht scheint.

 

Lucy

Das Label “Stirnrunzeln hervorbringend” könnte man der Arbeit des französischen Regisseurs und verstärkt als Produzent banaler Euro-Action-Blähwerke auftretenden Luc Besson mit Leichtigkeit umhängen. Mit seinem neuen Film Lucy beweist der Macher von The Fifth Element zwar, das er in Sachen Filmtitel kaum jemand bewegen, aber zumindest mittels Besetzung der Hauptrolle überraschen kann. Scarlett Johansson wechselt von der Superhelden-Lederkluft aus The Avengers in die Rolle einer nichtsahnenden Studentin, die plötzlich zu einer unfreiwilligen Drogenschmugglerin gemacht wird. Der “nette” Nebeneffekt: Die Schmuggelware schlägt Leck und weckt übernatürliche Kräfte in der Protagonistin. Ein Sci-Fi-Actioner, der sich nicht allzu ernst nimmt und sowohl mit der ungewöhnlichen Prämisse, einer starken Leinwandpräsenz von Johansson und dank kompetenter Umsetzung ein ideales, weil unterhaltsames Kinoerlebnis für die Sommermonate darstellt.

 

Mistaken for Strangers

Tom Berninger, Bruder von Matt, seines Zeichens Sänger der erfolgreichen Band The Nationals, hat mit Mistaken for Strangers seinen ersten Film gemacht. Und was wäre naheliegender, als eine Dokumentation über die Band seines Bruders zu drehen, die er auf ihrer Tournee begleitet, einen Job, den er – wie schon im Trailer gesagt wird – nur bekommen hat, eben weil er der Bruder des Lead-Sängers ist und nicht aufgrund seiner Qualifikationen, denn diese sind kaum vorhanden. Doch wer nun denkt, dass das Resultat eine simple dokumentarische Aufbereitung und Wegbegleitung einer Band und ihrer Tour ist, der irrt sich. Mistaken for Strangers ist zugleich ein Familiendrama zwischen den ungleichen Brüdern und eine Selbstfindungsreise für Tom Berninger, der mit Mistaken for Strangers einen metafiktionalen und emotional reflexiven Dokumentarfilm geschaffen hat, der nicht nur mit viel Gefühl, sondern auch Ehrlichkeit aufwarten kann.

 

The Expendables

Was kann man über die Alt-Starensemblefilme rund um Stallone, Schwarzenegger und Lundgren eigentlich noch sagen, was der überaus ironische Titel nicht schon vorweg nimmt? Es gilt mal wieder, einen comichaft überzeichneten Bösewicht (diesmal statt JCVD, nicht weniger passend: Mel Gibson) und dessen in Mannstärke schier unbegrenzt erscheinende Gefolgschaft nieder zu ringen, bevorzugt mit uneingeschränktem Waffengebrauch. Neue (alte) Gesichter finden sich natürlich auch in den Reihen der Expendables: Neben Wesley Snipes gesellen sich nun auch Harrison Ford und Antonio Banderas in die illustre Runde der ausrangierten Actionikonen, eine dezente Verjüngungskur und die vermutlich auf diverse kommende Sequels ausgerichtete Erweiterung der Schauspielerriege stellt auch der Einsatz von Twilight-Star Kellan Lutz sowie UFC-Starlett Ronda Rousey dar. Mehr explosionsgetriebene Action, mehr bekanntes Personal und eine Vielzahl konvoluter Story-Wendungen kann wohl kein Film in nächster Zeit aufbieten.

 

Guardians of the Galaxy

Marvel auf Abwegen: Kein x-beliebiger Aufguss alter Superhelden der Marke Thor oder Captain America, sondern eine schräge Zusammenstellung recht unbekannter Figuren des Comic-Universums stellt der neue Sci-Fi-Actionfilm Guardians of the Galaxy bereit. Ungewöhnlich und für das Filmstudio selbst auch verhältnismäßig riskant wird nun also nach den gehypten Avengers dem Kinopublikum die titelgebende und – wortwörtlich – bunt zusammen gewürfelten Truppe rund um den Han Solo/Captain Kirk-Verschnitt Peter Quill (Chris Pratt) näher gebracht. Auch ein vollanimierter, sprechender Waschbär namens Rocket Racoon, das humanoide Baumwesen Groot (gesprochen von Bradley Cooper resp. Vin Diesel) und eine amazonengleiche Kriegerin (Zoe Salanda, diesmal nicht Avatar-Blau, sondern ganz in Grün) kommt zum Einsatz, Sarkasmus und Humor wird ein zentraler Bestandteil der Erzählung sein. Man darf gespannt sein, ob die exotische Mischung auch wirklich gelungen ist.

 

Night Moves

In bester Monkey Wrench Gang-Manier (großartiger Roman von Edward Abbey) verbünden sich drei unterschiedliche Freunde (Jesse Eisenberg, Dakota Fanning und Peter Sarsgaard), um gegen die fortlaufende Industrialisierung der Umwelt anzukämpfen. Obwohl von unterschiedlichen Hintergründen geprägt, vereint sie dieses Ziel. Aber ihr explosiver Plan zur Zerstörung eines Staudamms zieht unerwartete Konsequenzen nach sich. Kelly Reichardt inszeniert Night Moves als zurückhaltendes, reduziertes Drama, das sich nicht nur auf die Tat an sich und deren minutiöse Planung bezieht, sondern auch auf die Auswirkungen der Handlungen. Wie schon in dem grandiosen Spät-Western Meek’s Cutoff ist der Film vor allem durch Ruhe, Details und Prägnanz geprägt. Sie erlaubt sich keinerlei unnötigen Balast in der Darstellung ihrer Geschichte und deren Protagonisten (Eisenberg, Fanning und Sarsgaard spielen allesamt großartig).

 

Wie der Wind sich hebt (Kaze tachinu)

Hayao Miyazaki als lebende Legende des Animationsfilms zu bezeichnen ist wohl keine Übertreibung. Mit zeitlosen Meisterwerken wie Nausicaä – Prinzessin aus dem Tal der Winde, Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland hat er sich längst seinen Platz im Filmemacher-Olymp gesichert. Gerüchten zufolge soll nun Wie der Wind sich hebt sein endültig letzter Film sein. Diesmal ist der Ausgangspunkt seiner Geschichte jedoch eine reale Person: der japanische Ingenieur Jirô Horikoshi, der während dem 2. Weltkrieg Kampfflugzeuge entwickelte und für Miyazakis Film nun Protagonist in seiner nostalgischen Nacherzählung der japanischen Luftfahrtgeschichte ist. Aber auch hier verzichtet Miyazaki nicht gänzlich auf seine überbordende Fantasie, spielt nämlich Jirôs Fantasiewelt doch eine gewichtige Rolle in diesem herrlich altmodischen Film aus dem Studio Ghibli. Sollte es wirklich Miyazakis letzter Film sein, so nimmt er hier noch einmal ordentlich Anlauf und präsentiert Zeichentrickkunst und -Erzählung auf höchstem Niveau.

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