Kultur

Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT

Kein Augenblick Alltag

1. April 2011 • Kultur2 Kommentare zu Kein Augenblick Alltag

Durch ein Zickzack an Schleusen gelangt man ins Innere der Ausstellung. Mit jedem Mal abbiegen wird es dunkler. Nach dem letzten Mal, ist es schwarz. Ein unangenehmes Gefühl macht sich breit. "Ich weiß nicht ob ich das eine Stunde aushalte" ertönt es aus der Gruppe.
Andere halten das ein Leben lang aus. 

Völlige Dunkelheit –

die eigentlich keine ist. In das Schwarz mischen sich Lichtpunkte und Farbkleckse, die umherschwirren und eigenartige Formen bilden, produziert vom Gehirn. Eine Einbildung. So als würde man doch etwas sehen. "Ganz normal" sagt Lutz, "viele Leute beschreiben ähnliches und auch ich selber sehe manchmal Farben." Lutz, der uns durch Dialog im Dunkeln führen wird und selber von Geburt an blind ist. Von dem wir nicht wissen, wie er aussieht.

Begrüßt hat er uns nämlich erst im Inneren der Ausstellung, gemeinsam mit der Einladung, sich auf das Erlebnis Dunkelheit einzulassen und alle anderen Sinne, abseits vom Sehen, einzusetzen. 
Was das bedeutet merken wir schon am Anfang. Lutz möchte, dass wir uns nacheinander vorstellen um uns mit dem richtigen Namen ansprechen zu können. Nachdem zuerst einige Sekunden niemand etwas sagt, reden dann alle auf einmal los – eine Situation, die sich normalerweise über Augenkontakt regeln lässt, im Dunkeln aber etwas mehr Gespür verlangt. 

Dann legen wir los.

Ausgerüstet mit Blindenstöcken tasten wir uns voran. Durch verschiedene Untergründe, Geräusche und Gerüche geht es und wir durchleben unterschiedlichste Alltagssituationen. Immer an unserer Seite ist Lutz, der unsere Fragen beantwortet und über Unsicherheiten hinweghilft. Genau scheint er zu wissen, wer der fünf TeilnehmerInnen gerade wo ist, was er oder sie in den Händen hält und wer Hilfe benötigt, sich unsicher fühlt. Während wir immer wieder kurz aneinander stoßen oder sich unsere Blindenstöcke verhaken, schlängelt sich Lutz ohne solche Zwischenfälle an der Gruppe vorbei und wieder zurück. Beeindruckend, finden wir. 

Am Ende landen wir in einer kleinen Bar und testen unsere Geschmackssinne. Wie kriegen wir die Milch ohne Zwischenfälle in den Kaffee? Hast du schon gesehen, dass da auch Zucker dabei ist? "Gesehen" ist gut, gespürt eigentlich. Auch Blinde verwenden das Wort "sehen" in ihrer Alltagssprache, hören wir dann. Zu sehr ist es verankert in unserem Sprachgebrauch, meint Lutz. 
 
Dialog im Dunkeln

Der Name ist auch Programm des Projektes, das vor 20 Jahren von Dr. Andreas Heinecke gegründet wurde. Durch die Führungen von Blinden und Sehbehinderten wird den BesucherInnen eine lichtlose Welt näher gebracht. Vor allem ein Dialog zwischen Blinden und Sehenden soll dadurch entstehen. Helmut Schachinger und Reinhard Marth haben 18 Jahre lang durch diverse Dialog im Dunkeln-Ausstellungen geführt und sich dazu entschlossen, selbst ein Projekt im Schottenstift zu starten. 

Angeboten werden dort nicht nur Führungen durch die Ausstellung (max. 8 Personen) sondern auch Seminare für SchülerInnen und Firmen, Konzerte oder aber mehrgängige Dinner im Dunkeln.

Ein unvergleichliches Erlebnis ist garantiert!

Für das nächste Konzert im Dunkeln verlosen wir an dieser Stelle Freikarten!

Bilder © Anna Huber

, , , , , , , ,

Dialog im Dunkeln - Schottenstift

Freyung 6
1010 Wien
01/890 60 60
http://www.imdunkeln.at/

Dienstag bis Freitag 9:00 – 18:00 Uhr
\r\nSamstag und Schulferien: 10:00 – 19:00 Uhr
\r\nSonn- und Feiertag: 13:00 – 19:00 Uhr
\r\nMontag: geschlossen

Weitere Artikel

2 Antworten auf Kein Augenblick Alltag – Verstecken

  1. marlies sagt:

    kompliment
    an dialog im dunkeln! ist wirklich eine tolle erfahrung…

  2. andreas sagt:

    stimmt
    ich war auch schon mal dort, kann man nur empfehelen. ist etwas besonderes.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »