Wien – Gut zu wissen

Johann Strauß Dampfer (c) STADTBEKANNT Mallmann
Johann Strauß Dampfer (c) STADTBEKANNT Mallmann

Johann Strauß und das Strombad

29. April 2015 • Gut zu wissen, Leben, Wien

Über den Donaukanal und seine Schiffe

In den Sommermonaten lockt der Wiener Donaukanal wieder tausende Wiener ins Freie und lädt zum gemütlichen Feierabendbier ein. Das ein oder andere Schiff lässt sich hier im Abendsonnenschein beobachten, auch wenn nicht mehr jedes seetüchtig ist.

 

Der Johann-Strauß-Dampfer

Zwischen Schwedenplatz und Salztorbrücke liegt der Johann Strauß-Dampfer vor Anker. Einst stolzer Bestandteil der Flotte der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft, wurde der Dampfer bereits 1970 aus dem Dienst entlassen. Die wilden 70er- und nicht ganz so wilden 80er-Jahre verbrachte der Johann Strauß-Dampfer als exotischer Restaurantbetrieb im deutschen Regensburg. Erst 1986 wurde er nach Wien überführt und im Donaukanal festgemacht. Bis in die frühen 2000er Jahre war an Bord ein eher touristischer Gastronomiebetrieb beheimatet, in dem ein kostümierter Geiger dem begeisterten Publikum Strauß-Klassiker zum Besten gab. Als um 2010 ein zwielichtiger Partyveranstalter den Johann Strauß-Dampfer zum White-Trash-Clubschiff umfunktionierte, ging es sehr schnell bergab. Ende 2011 kam es während einer Veranstaltung zu einem Brand, der gerade noch rechtzeitig von einem anwesenden Polizeibeamten entdeckt wurde. Im Sommer 2013 wurde der Dampfer schließlich wegen „Gefahr im Verzug!“ zugesperrt. Seitdem herrscht große Uneinigkeit, wer für die Verschrottung des Kahns aufkommen soll und der Donaukanal ist um ein trauriges Schiffswrack reicher.

 

Vom Strombad zum Badeschiff

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es um die Hygiene in Wien nicht gut bestellt. Es gab von Seiten der Stadt große Bemühungen diesem Missstand mit Badeanstalten und Volksbädern Herr zu werden, aber aus Platzmangel war man schließlich gezwungen auf den Donaukanal auszuweichen. Der Kanal selbst erwies sich für Badende als gefährliches Terrain und auch die kaiserliche Prüderie ließ sich nicht ganz mit leicht bekleideten Damen im Donaukanal verbinden. So entstanden die Wiener Strombäder. Insgesamt plante die Stadt Wien seinerzeit die Inbetriebnahme von fünf überdachten Badeschiffen, in deren Innern die Badegäste ungestört im Kanalwasser plantschen konnten. Und tatsächlich erfreuten sich die Strombäder dann bis in die 20er-Jahre großer Beliebtheit bei Wienern beiderlei Geschlechts. Das Badeschiff an der Urania erinnert heute an die alten Strombäder und setzt ihre Tradition erfolgreich fort.

Badeschiff (c) STADTBEKANNT

Badeschiff (c) STADTBEKANNT

Das Badeschiff ist zwar keine authentische Kopie eines K.uK.-Strombads, aber immer einen schönen Sonnentag wert. Auch Nichtschwimmer können sich hier dank ausgiebiger Getränkekarte gut über Wasser halten. Um den dahinrostenden Johann-Strauß-Dampfer ist es hingegen sehr schade. Man kann nur hoffen, dass sich seiner noch ein kreativer wie seriöser Investor annehmen möge.

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