Wien – Leben

Foto: Jarrad (c) Expedia.de
Foto: Jarrad (c) Expedia.de

Jarrad Seng und die Kunst der Bilder

14. April 2014 • Leben

Eigentlich war er ein Mann der schreibenden Zunft. Doch es dauerte nicht lange, bis Jarrad Seng neidisch auf die Bühnen schielte, wo die Musik spielte, über die er schreiben sollte. Lieber hätte er mit denen getauscht, die dort oben standen – deren Job war doch viel cooler als seiner, wie er fand. Auf einem dieser Konzerte schnappte er sich die Kamera eines Kollegen und begann zu fotografieren. Damit hatte er Blut geleckt: das sollte es sein, womit er sich in Zukunft beschäftigen wollte. Und dann begann Jarrad Seng, immer mehr über das Fotografieren zu lernen. Der Autodidakt setzt auf eine einfache Ausrüstung ohne großen Schnickschnack, arbeitet sehr selten mit Blitz und benötigt auch sonst kaum weitere Hilfsmittel. Auch beim Nachbearbeiten der Bilder ist er ziemlich minimalistisch und macht nur das Allernötigste, justiert den Bildausschnitt hier und verstärkt ein Highlight dort, wo er einen ganz besonderen Akzent unterstreichen möchte, um das zu perfektionieren, was im richtigen Moment nicht immer so gelingt, wie der Perfektionist es gerne hätte. „Es ist einfach, ein ‚gutes‘ Foto zu machen – der Fokus muss passen, die Belichtung und die Komposition sollten stimmig sein. Ein großartiges Foto jedoch enthält Bedeutung, porträtiert eine Wahrheit oder zeigt dem Betrachter etwas, dass er noch nie zuvor gesehen hat. Ein geniales Foto lässt dich innehalten und nachdenken, es geht tiefer als die bloße, äußere Betrachtung“, sagt Jarrad Seng. Und er weiß sehr genau, wovon er spricht.

 
Gesichter mit Geschichten
Durch seine Arbeit mit Musikern, deren Arbeit er bereits gut kannte und auch ihre besondere Geschichte erzählen konnte, eröffnete sich für Jarrad Seng das weite Feld der Porträtfotografie. „Nichts ist vergleichbar damit, die Emotionen und die Geschichte hinter einem Portrait einzufangen. Jeder hat eine andere Geschichte zu erzählen“, sagt Jarrad Seng und fasst damit zusammen, was ihn an den Gesichtern fasziniert, die er versucht in genau diesem Moment festzuhalten. Es sind die Geschichten, die ihn interessieren, die hinter den Unbekannten stecken, ihre Gefühle, Ängste, Sorgen und Freuden. Jarrad Seng lebt hauptsächlich in Australien und weiß auch um den kulturellen Stellenwert, den Fotografien in unterschiedlichen Kulturen einnehmen. In Afrika etwa versteckten Kinder ihre Gesichter hinter Büchern, weil sie befürchteten, seine Kamera sei eine Waffe. Nicht jeder setzt sich gern in Szene oder posiert vor einem Fotografen.
Dieses kulturelle Bewusstsein hilft Jarrad Seng auch auf seinen Reisen und im Umgang mit den Menschen, auf die er dort trifft und die er fotografiert. Auch wenn er eine klare Vorliebe für Fotografieren von Menschen gegenüber Landschaften zum Ausdruck bringt, so ist doch ganz klar, wie faszinierend für ihn die Arbeit in den unterschiedlichsten Teilen der Welt ist.

 
Landschaften mit Charakter
Fragt man genauer nach, so führte eine seiner eindrucksvollsten Reisen nach Island, dem Land der Geysire und Vulkane, dessen weiße Weiten er mit dem Hundeschlitten überquerte, Eisberge und Wasserfälle bestaunte und mit der Kamera festhielt.
In Tansania fand er dazu den klaren Kontrast in der Kultur der Maasai. Und auch die Farbenpracht im Himalaja, in Nepal eröffnete völlig neue fotografische Welten für ihn.
Offenheit und Flexibilität mit dem Blick aufs Wesentliche sind eindeutige Erfolgsfaktoren für Jarrad Seng und seine Arbeit, die aus purem Zufall für ihn zur Berufung wurde. Seine Porträts findet man auf der ganzen Welt, auf Jarrad Sengs eigener Website oder auf seinem Twitter-Account, aber auch im Blog bei Expedia.

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