Kultur

Foto: STADTBEKANNT Voggenberger
Foto: STADTBEKANNT Voggenberger

It’s a Mixtape – 90 Minuten für Bart, Busen, Bange

10. Mai 2014 • Kultur, Musik

Nichts spaltet die Lager momentan so sehr, wie der Eurovision Song Contest. Die einen meinen, dass es sich dabei ohnehin nur mehr um eine politische Veranstaltung handle, die anderen wettern gegen Verkommerzialisierung und Punkteschieberei.

 

Die politische Frage sei huchs fluchs beantwortet: Der Eurovision Song Contest ist immer schon politisch, so wurde er 1956 nach dem 2. Weltkrieg ins Leben gerufen, um eine gesamteuropäische Veranstaltung zu schaffen. Punkt. Thema Kommerzialisierung: Vorort ziehen Großteils Volontäre an den Fäden, die den Eurovision Song Contest erst möglich machen; die Künstler werden in den meisten Fällen auch alles andere als reich. Punkteschieberei: Mazedonischer Sänger wird nunmal auch im serbischen Radio gespielt, norwegischer Pop kommt in Schweden gut an. Ergo: Es handelt sich hier mehr um kulturelle Ähnlichkeiten als um Nachbarschaftshilfe.

 

Aber auch andere Faktoren spalten die Fangemeinden. Dana International beispielsweise hat 1998 weniger mit ihrem Song „Viva La Diva“, als vielmehr mit ihrer Person für Kontroversen gesorgt. Da steht nun die transsexuelle Künstlerin auf der Bühne und lässt die Münder Ultrakonservativer offen stehen. Dass Gesangstalent nichts mit Geschlecht zu hat, hat sie bewiesen und den ersten Platz für Israel geholt.

 

Heuer ist es ganz ähnlich. Österreich schickt Conchita Wurst zum Song Contest und wieder stehen konservative Münder offen und die Ratlosigkeit auf gewissen Seiten ist groß. „Eine Glorifizierung unmoralischer Werte“ sagen die einen, „Conchita zensieren und ihren Auftritt live nicht ausstrahlen“ sagt Russland.

 

Damit würde sich Russland aber disqualifizieren, weil das Telefonvoting dadurch beeinflusst werden würde. Gut so, lasst die Conchita singen. Warum? Weil sie es kann! Ich will die Wurst gar nicht zu sehr erwähnen, weil es mich schon etwas anödet. Pro, contra, Mann, Frau, Trans, egal, Bart, Busen, Bange. Egal ob sie polarisiert, laut Konservativer falsche Werte vermittelt [sic!] oder ein guter Lacher ist. Sie kann singen und das soll sie auch tun!

 

Mögen dir nun also, liebe Conchi, die letzten 60 Gewinner (1969 gab es vier Erstplatzierte) beistehen und hoffentlich auch Gratulanten sein.

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